Als der Müller noch das Finanzamt war

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Kleine Plauderei mit Franziska Pfütze zum Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag

In Cottbus dürfte, wie gewohnt, die Spreewehrmühle ein Anziehungspunkt zum Deutschen Mühlentag am 21. Mai sein, gewissermaßen der Bahnhof für eine Zeitreise. Für diese setzt sich gern Franziska Pfütze  vom Verein Spreewehrmühle e.V. an das Steuer und beamt uns sogleich um 4.000 Jahre zurück. Bereits zur Zeit des babylonischen Königs Hammurapi soll es nämlich die ersten Windmühlen gegeben haben. „Sie waren die ersten Maschinen, die nicht des tierischen Antriebs oder der Menschenkraft bedurften.”

Rückstart aus der Antike: Bis zur Cottbuser Spreewehrmühle ist ein langer Weg. Sie wurde 1801 als Gräupchenmühle gebaut. Bald aber erfreute sie sich besonders an Weizen- und Roggenkörnern. Weil Stadtmenschen zuweilen nicht wissen, woraus Mehl gewonnen wird, hat Franziska Pfütze schon einmal in vier Töpfen Weizen, Roggen, Hafer und Gerste ausgesät. Dann kommt sie auf die ersten Jahre der Mühle zu sprechen. Da gab es den Mühlenzwang, weil die Bauern Steuern durch Naturalien, also Getreide, zu leisten hatten. Der Müller behielt sie ein. „Der Müller war sozusagen das Finanzamt und so gefürchtet wie dieses heute.” Mühlenwechsel hätte Steuerhinterziehung Vorschub geleistet.

 Mit den Steinschen Reformen in Preußen fiel 1807 der Mühlenzwang weg. Jetzt waren die Müller am Zuge und mussten den Bauern etwas bieten, damit die nicht ihrerseits wegblieben. Das war eine Zeit der technischen Entwicklung, viele Maschinen machten die Arbeit leichter und effektiver. Müller wurden zu hochwichtigen Leuten, so wichtig, dass sie und ihre Söhne vom Militärdienst freigestellt wurden. Nach dem Krieg, unbeschädigt geblieben, war die Mühle lebenswichtig. „Dass sie arbeitet, darauf drangen vor allem die sowjetischen Besatzer. Später wurde bis 1958 Schrot gemahlen. Dann galt sie als Denkmal.”

Franziska Pfütze sagt: „Wenn man über Mühlen spricht, kommt man schnell aus dem Hundertsten ins Tausendste.” Sie arbeitet mit großer Freude ehrenamtlich im Verein Spreewehrmühle Cottbus e.V. Ihr, dem Vereinsvorsitzenden Ralf Müller und ihren Mitstreitern ist Herzenssache: „Wir suchen Interessenten für unser wunderbares Hobby, für eine Freizeitbeschäftigung mit großem ideellen Wert. Wer viel handwerkliches Geschick für immer wieder anfallende Reparaturarbeiten mitbringt oder Besucher durch die Mühle fühlen will, ist uns herzlich willkommen.”
Übrigens wird am Spreewehr Geschichte von gastronomischer Gastlichkeit wohltuend begleitet.

Klaus Wilke
Titelfoto: An der Cottbuser Spreewehrmühle. Fotos: TSPV

Info
www.spreewehrmuehle-cottbus.de
Tel.: 0355 474745

Unter den zahlreichen Mühlen, die mit Führungen, Vorführungen, Programmen und Märkten am Deutschen Mühlentag teilnehmen, haben wir eine kleine Auswahl aus Südbrandenburg und Ostsachsen zusammengetragen.

Holländermühle Turnow, Ausbau Windmühle 5, 03185 Turnow, Preilack – Besichtigung, Führungen, Blasmusik.
Paulicks Mühle, Vetschauer Straße 26, 03096 Burg, Müschen –  Veranstaltungen zum Mühlentag unter dem Motto „170 Jahre Wassermühle Müschen“.
Holländermühle Straupitz, Laasower Str11a, 15913 Straupitz – Vorführungen und Markttreiben.
Bockwindmühle Fürstlich Drehna, Am Windmühlenberg, 15926 Luckau, Fürstlich Drehna – Vorführung der Mühlentechnik, Live-Musik.
Krabatmühle Schwarzkollm, Koselbruch 22, 02977 Hoyerswerda, OT Schwarzkollm – umfangreiches Kulturprogramm der Schwarzen Mühle, Vereins- und Handwerkerstände.
Bretmühle (Handwerks- und Gewerbemuseum), Krauschwitz-Sagar, Skerbersdorfer Straße 68, 02957 Krauschwitz-Sagar – spezielle Führungen, Schauvorführungen, Lehrreiches für Kinder.

Weitere Angaben im Internet unter www.deutsche-muehlen.de

 

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