Problem-Bewusstsein

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Sind Sie bereit für eine äußerst unbequeme Wahrheit? Es geht mir um etwas wirklich Elementares, das Sie quasi im täglichen Leben begleitet, ob bewusst oder unbewusst. Nein, ich möchte Sie natürlich nicht mit Nebensächlichkeiten langweilen. Sie wissen schon, Klimawandel und so etwas. Wo ist der Stadt-SUV mit den Leuten, die das interessiert? Nein, ich möchte auf etwas hinaus, das Ihr Leben im Jetzt und Hier betrifft und was dieses vielleicht sogar retten könnte. Die letzten paar Jahre zumindest. Bereit? Alkohol ist nicht nur kontraproduktiv für Kopf und Bauchumfang, er verkürzt zudem auch noch unser Leben. Und das schon bei geringen Mengen. Das hat ein internationales Forscherteam herausgefunden, auch unter deutscher Beteiligung. Natürlich ist uns allen bewusst, dass Alkohol auf Dauer dumm, dement und dumm macht. Aber dass er uns wirklich schaden kann, das traf viele wie ein Schlag in die Weichteile. Wurst erzeugt Krebs, Alkohol tötet, was bleibt denn da noch von der deutschen Identität?
Die Spielverderbertruppe hinter dieser international vielbeachteten Studie hat herausgefunden, dass schon fünf Biere pro Woche die Lebenserwartung um ein halbes Jahr verkürzen. Der deutsche Schnitt liegt übrigens bei über acht Bieren pro Woche. Vergessen Sie das organisierte Verbrechen, den Typen, der auf Arbeit immer so übermäßig gut drauf ist, oder Börsenspekulanten: Der eigentliche Feind lauert im eigenen Kühlschrank! Das überzeugt Sie nicht? Die Studie geht ja noch weiter: Ab zehn Bieren pro Woche gibt es zwei Jahre Abzug auf die eigene Lebenszeit, ab etwas mehr als 17 Bieren sind es schon vier bis fünf Jahre. Dass überhaupt so viele Menschen trotz regelmäßiger Trinkgelage so lange leben, ist für sich schon eine Überraschung. Überlegen Sie doch mal selbst: Wie viele Ihrer Geschichten fangen an mit „Wir haben uns auf ein Bier getroffen…“ und enden mit „Das hätte auch furchtbar schiefgehen können!“?
Machen Sie sich außerdem mal den Spaß und setzen Sie sich nüchtern in eine Runde von Menschen, die ihrerseits die Fahrtüchtigkeit schon lange hinter sich gelassen haben. Sie wären erstaunt, was man alles so erfährt und wie freizügig manch einer Intimitäten und Geheimnisse ausplaudert, sobald das Gehirn in den Ruhemodus versetzt wurde. Und das Positive: Sie können sich auch am nächsten Tag noch dran erinnern, als Einziger! Vermeiden Sie es aber, diese Tatsache noch am gleichen Abend anzusprechen, sonst ereilt Sie das so genannte Problem-Bewusstsein: Andere werden ein Problem damit haben, dass Sie noch bei Bewusstsein sind.

Sebastian Schiller

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