Showdown im Primawetter

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Neulich auf der Straße – es ist Anfang März, ich bin auf der Suche nach einem Mittagessen, neben mir bremst ein Wagen. Jemand ruft: „Hej Robert, weißt Du’s schon?“ Ich sag‘: „Was?“ „Das Primawetter macht zu, schon diesen Sommer. Es macht also eigentlich gar nicht mehr auf“. In mir springt mein persönlicher Louis de Funès-Film an und macht: „Ach!“, „Was?“, „Nein!“, „Ja!“.

Ein Anruf bei Primawetter-Organisator Phillip Gärtner bestätigt das Desaster: „Das Haus wurde verkauft. Wir sind in Verhandlungen.“

„Verhandlungen“, das klingt gar nicht gut – eher nach: „Der Drops ist gelutscht.“ Ein holländisch-schweizer oder schweizerisch-holländischer Unternehmer habe das Gebäude gekauft und wolle nun Wohnungen darin entstehen lassen, heißt es in Gerüchten, die durch die Stadt wabern. Wohnungen? War da nicht vor kurzem knapp hundert Meter weiter etwas Ähnliches in der Gartensparte „Abendfrieden“ abgelaufen? Alle mussten raus, ganz schnell und inzwischen ruht der See – still? Oder doch – da passiert schon was, manchmal schleppen „Leute“ dort gar am helllichten Tage alles raus, was nicht niet- oder nagelfest ist.

Auch wir hier im HERMANN haben das Primawetter in den höchsten Tönen gelobt und sind dort hingegangen, weil sich der Stadt-Sand so schön an die Füße schmiegte, die Cocktails ganz wunderbar die Kehlen hinunter liefen, wir unsere Freunde aus Übersee oder Berlin, Dresden, Leipzig an diesem kulturellen Kleinod teilhaben lassen konnten und die mit „Ahs“ und „Ohs“ von diesem Ort berichteten oder sogar neidisch waren, dass sie so etwas nicht haben.

Das Primawetter war auch deshalb toll, weil es die Studenten aus dem nahegelegenen Campus über die große Straße, wir kennen sie auch als Karl-Marx-Straße, in die „Stadt“ lockte. In den knapp zwei Jahren des Bestehens ist es zu einem wichtigen Kulturstandort in der Stadt gewachsen. Die Macher und mehrere Vereine in der Stadt hatten große Sachen mit dem Gebäude vor. Es hätten Ateliers, Clubräume und anderes entstehen können. Es gab dazu mehrere Anfragen und Gespräche. Allein, wenn man die Veranstaltungsmöglichkeiten des großen Saals oder des ehemaligen Offizierskasinos bedenkt – welch’ eine vergebene Chance.

Wohnungen! Das kann sich doch nur jemand ausdenken, der von außerhalb kommt und das Gebäude und das Drumherum nicht kennt.

… und wer der Meinung ist: „Ach, da findet sich schon was“, der werfe die erste Schippe Sand. Das Piccolo lässt schön grüßen.

 

Robert Gordon

 

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