Der Garten der Möglichkeiten

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Es herrscht Prima Wetter in der Kleingartensparte

Fuellbild3„Achtung! Hase entlaufen! Er hört auf den Namen Boateng.“ Der erste Bewohner des geplanten Streichelzoos im Sommergarten „Prima Wetter“ ist aus eben jenem gleich erst einmal wieder ausgebüxt. Höchstwahrscheinlich genießt er nun seine Freiheit auf dem Gelände der insgesamt 22.000 Quadratmeter großen, ehemaligen Kleingartenanlage „Abendfrieden“. Dort nämlich hat das „Prima Wetter“, selbst ernannter Irrgarten, Anfang Juni seine Zelte aufgeschlagen.

 

„Wenn hier nicht nur kurzfristig/vorübergehend die Brache genutzt wird, sondern tatsächlich eine neue Lokation entsteht, ist das ein Affront gegen alle ehemaligen Gartenbesitzer!“, las geneigter Facebooker, kurz nachdem die Eröffnung des „Prima Wetter“ Anfang Juni öffentlich wurde, auf der Seite „Rettet den Abendfrieden“. 2015 nämlich wurde die Kleingartensparte gegen regen Widerstand abgewickelt, alle Pächter mussten ihre Gärten räumen. Auf dem Gelände sollen Wohnungen für Studenten und Mitarbeiter der nahen Uni gebaut werden.

Hauptbild Doch tatsächlich sind auch die Tage des „Prima Wetter“ bereits jetzt schon gezählt. Die Lokalität wird nur bis Mitte September existieren. „Wir haben wenig Zeit, aber ausreichend Platz und unendlich viele Möglichkeiten“, sagt Philipp Gärtner, Initiator dieses ungewöhnlichen Open-Air-Sommer-Kunst-Stadtgarten-etc.-Projektes.

Es herrscht Stimmung wie in einem Ferienlager für Erwachsene zwischen ehemaligem Vereinshaus, 75 bunten Datschen, inmitten von duftenden Blumen, wilden Rabatten und im nächtlichen Schein von Lämpchen an insgesamt 400 Metern Lichterkette. Rund um die Uhr gibt es viel Platz zum Feiern oder Abhängen, für Spiele wie Boule oder Tischtennis und -kicker; auf drei Leinwänden werden alle Spiele der Herren-Fußball-EM gezeigt, nebenbei können Gäste ihr eigenes Grillgut brutzeln; das Seitenquiz residiert hier wöchentlich Open Air und ein 60 Quadratmeter (!) großer Sandkasten gehört von Kindern gehörig umgebuddelt. Der obligatorische Pool soll demnächst aufgestellt werden. Manchmal vergehen nur Stunden oder wenige Tage von der Idee bis zu Umsetzung. Ständig sprießen neue Ideen und Projekte hervor.

Prima Wetter IIEin einmaliges Projekt, bei dem nach Aussage des Gärtners „alles komplett improvisiert“ ist. Doch längst nicht seien alle Möglichkeiten ausgeschöpft. „Vereine, Musiker, Maler, Schausteller, Lebenskünstler, Kreative – wer ein besonderes, und ja, auch genehmigungsfähiges Konzept hat, um diesen Freiraum zu bereichern, soll einfach vorbeikommen“, lautet der Aufruf von Philipp Gärtner. „Wir alle sind gespannt, was unter den gegebenen Umständen entstehen kann.“ Die Stadt Cottbus zeige sich bei allem, was bisher umgesetzt wurde, als „cool“. Allgemein sei die Resonanz gegenüber dem „Prima Wetter“ positiv. Ehemalige Pächter, die schauen, was nun aus ihren Gärten geworden ist, seien zwar wehmütig, aber letztlich begeistert davon, was sich entwickelt. Auch gegenüber der Idee, dass ein kleiner Dokumentarfilm über den „Abendfrieden“ sowie die gegenwärtige Nutzung gemacht werden soll, sind sie aufgeschlossen.

Das „Prima Wetter“ bietet in einer von Druck und Zwängen geprägten Gesellschaft eine fast schon vergessene Freiheit. Es ist ein einzigartiges Unterfangen, man könnte fast schon meinen ein soziales Experiment auf Zeit, das es unbedingt zu versuchen und zu entdecken gilt.

Anne-K. Schöler-Rensch

Fotos: aksr + TSPV

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