Einfach kann ja jeder – Michael Wahlich im Interview

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Michael Wahlich will als Präsident von Energie Cottbus
wieder Freude am Fußball in die Region bringen

Der FC Energie Cottbus hat sich neu sortiert. Michael Wahlich als neuer Präsident unterstützt von Amtsrichter Georg Kapplinghaus und dem Chef des Autohaus Cottbus, Hagen Ridzkowski, bestimmen nun die Geschicke des Vereins. Michael Wahlich (Jahrgang 1959), so liest man über ihn auf der offiziellen Seite des FC Energie Cottbus, „ist seit mehreren Jahren als Unternehmer sowohl Partner des FC Energie als auch Vereinsmitglied, bewies seine Fußballaffinität und Verbundenheit mit der Region bereits mit seiner langjährigen Mitarbeit in den Gremien der SG Burg.“
Hermann sprach mit ihm über Bundesliga, Kader, Trainer, den Einfluss der Sparkasse und den Wiederaufstieg.

Erst einmal Respekt für Ihren Mut, in dieser schwierigen Situation das Ruder beim FCE in die Hand zu nehmen. Warum haben Sie sich dafür entschieden – Lorbeer ist ja wohl kaum zu erwarten?
Die Frage habe ich mir, sogar jetzt noch im Nachhinein gestellt. Aber der Grund ist einfach: Ich fühle mich Energie sehr verbunden – über etliche Jahre und auch über meine Söhne. In den vergangenen Jahren war ich auch ein ganz guter Sponsor, habe meine Sitzplätze gehabt und bin auch gern ins Stadion gegangen. Allerdings hat es immer weniger Spaß gemacht, weil wir immer seltener gewonnen haben. Man spürte auch die Enttäuschung der Leute, die immer größer wurde und ihren Gipfel am 14. Mai fand, als klar war, dass wir aus der dritten Liga abgestiegen waren. Es war das erste Mal, dass ich nach einem Fußballspiel geweint habe. In dem Moment war ich fassungslos und ohnmächtig. Aber schon am nächsten Tag stellte ich mir die Frage: Was kann ich machen? Und schon eine Woche später, als die Einladung zur Mitgliederversammlung kam, entstand in mir die Idee: Na ja, ein bisschen mitmachen kann ich ja. Vielleicht sollte da mal jemand von der Seite kommen, der nicht so vorbelastet ist und nicht so viel von dem Verein kennt, sondern eher unbedarft rangeht. Daraufhin hatte ich mich vorsichtig um eine Kandidatur für den Verwaltungsrat beworben. Die darauffolgenden Gespräche mündeten darin, dass man mich fragte, ob ich mir denn vorstellen könnte, auch den Präsidenten zu machen. An der Stelle wurde es dann ernst, die Gespräche wurden auch Zuhause fortgesetzt, ich habe in die Bücher geguckt und herauskam: OK, ich versuch’s.

Michael Wahlich Wie wollen Sie nach den desaströsen Jahren des Niedergangs den FCE wieder flott machen?
Ich bin jetzt nicht der Zauberer, aber vielleicht gelingt es mir, durch Kommunikation und miteinander reden ein paar Dinge anders zu machen, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Die große Überschrift für meine Arbeit lautet, wieder Freude am Fußball in die Region zu bringen. Dafür arbeite ich hart. Derzeit bin ich mehr in der Geschäftsstelle des FC Energie als in meiner Firma.

Wie schätzen Sie die Arbeit Ihres Vorgängers ein?
Ich kann dazu wenig sagen. Ganz ehrlich, ich kannte Herrn Neubert nur aus dem VIP-Bereich. Man hat sich gesehen und die Hand gegeben. Aber große Gespräche gab es nicht. Man hat aber irgendwie schon mal das Gespür gehabt, man könnte womöglich auch ein bisschen anders miteinander umgehen: mit den Sponsoren, mit den Fans. Das lässt sich schwer beschreiben. Das ist eine Gefühlssache. Der Zusammenhalt war nicht so, wie man sich das wünscht, um Erfolg zu haben – und letztlich war es ja dann auch so. Der Erfolg blieb aus, die Leute haben gesehen, dass auf dem Platz auch nicht so viel zusammenlief und am Ende, wenn keine Mannschaft unterwegs ist, klappt das auch nicht mehr so richtig mit den Fans, die Sponsoren sind unzufrieden. So entwickelt sich eine Spirale, die alles nach unten zieht und wir fragten uns: Wundern wir uns wirklich, dass alles so gekommen ist? Ich will einfach ein bisschen anders an die Sache herangehen. Ich habe sehr viele Gespräche geführt. Mit Fangruppen, mit dem Ehrenrat und ehemaligen Spielern. Dort wurde mir gesagt: Mit uns hat noch nie jemand gesprochen, das ist das erste Mal. Auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle sagten: Das ist ja mal was, dass man sich da mal Zeit nimmt… Es kam so herüber, als sei es früher anders gewesen. Das könnte ein guter Weg sein, die Dinge neu zu entwickeln.

Steigt Energie nächstes Jahr wieder auf?
Wenn ich das so genau wüsste, würde ich auch Lotto spielen. Es ist aber unverhohlen unser ganz großes Ziel. Wir gehen mit der Prämisse im Kopf in die neue Saison, dass wir aufsteigen. Dass bis dahin viel passieren kann – neue Mannschaft, wir kennen noch nicht mal alle Spieler, wir wissen nicht, welche Schiedsrichter pfeifen werden, wer von den Spielern verletzt wird. Da sind etliche Unbekannte auf dem Weg, deshalb wäre es unseriös zu sagen, wir steigen auf. Aber wir von Verein und Präsidium werden alles daransetzen, um für den Wiederaufstieg die Rahmenbedingungen zu schaffen.

Gibt es Druck von Sponsoren, die sagen, wir machen nur ein Jahr Regionalliga mit?
Druck schwingt in den Gesprächen bei den Sponsoren mit, die bereit sind, den neuen Leuten erst einmal eine Chance zu geben. Aber es wird uns auch klar ausgedrückt, dass wir aufsteigen müssen. Es sind weniger Sponsorengelder geworden, das muss man auch sagen. Durch den Abstieg haben wir rund 1,5 bis 2 Millionen Euro weniger in der Kasse – fehlende Fernsehgelder, fehlende Zuschauer. Der wettbewerbsfähige Kader ist auch nicht ganz billig. Da ist also Druck da.

Ist Herr Wollitz dafür der richtige Trainer?
Für meine Begriffe: Ja. Es war eine meiner Bedingungen, bevor ich mich für die Präsidentschaft entscheide, mit ihm zu sprechen. Der alte Vorstand hatte ihn ja noch angestellt. Ich sehe es schon so, dass man jemanden braucht, der Rückhalt in der Fußballwelt hat und weiß, wie man Spieler motiviert oder für Dinge begeistert, von denen man zunächst nicht weiß, ob sie hinhauen. Er hat auch bewiesen, dass er Spieler weiterentwickeln kann. Schließlich war er einer der wenigen Trainer in Cottbus, die auf die Jugend gesetzt hat. Das wollen wir, auch aus wirtschaftlichen Gründen, weitermachen. Er ist in meinen Augen positiv verrückt und emotional stark entflammbar.

EnergieIBestimmt die Sparkasse, was in ihrem Verein passiert?
Nein. Herr Lepsch hat sich bekanntlich vor gut zwei Jahren aus dem operativen Geschäft bei Energie zurückgezogen. Auf der anderen Seite ist er Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Spree-Neiße, einer der größten Sponsoren des Vereins. Und dass ein Sponsor wissen will, was mit dem Geld passiert, das er gibt, halte ich für normal. Das macht man in der Familie auch. Wenn man seinen Kindern Geld gibt, will man auch nicht, dass die es nur für Süßigkeiten ausgeben. Wenn die Sparkasse damals nicht eingegriffen hätte, würde es den Verein in der heutigen Form nicht mehr geben. Dass in die Verwaltung oder in Entscheidungen eingegriffen wird, kann ich verneinen. Herr Lepsch hat auch keinen Einfluss auf die Aufstellung der Mannschaft.

Haben Sie vor, die Strukturen des Vereins zu modernisieren, um eine größere Transparenz der Arbeit der Gremien zu erreichen?
Nein. Die Strukturen und die Gremien, die wir jetzt haben, sind, entspannt gesagt, handelsüblich in der Branche Fußballprofi-Geschäft. Von den 56 Profi-Fußballvereinen in Deutschland haben mehr als die Hälfte eine ähnliche Satzung, also auch gleiche Strukturen wie wir. Die heißt: Präsidium, Aufsichtsrat, Verwaltungsrat. Auch die Aufgaben sind eindeutig geregelt. Die Transparenz ist mit Start neuer Mitgliederversammlung in Form einer besseren Kommunikation vorhanden. Ich finde die Strukturen absolut in Ordnung.

Was wünschen sie sich von den Fans, von den Cottbusern?
Kommt ins Stadion. Im vergangenen Jahr lag der Zuschauerschnitt in dieser Liga bei 1000. In Jena zum Beispiel waren im Schnitt 3000. Ich wünsche mir sehr, dass wir vom Start weg so viele Leute bei den Spielen haben, dass wir einen neuen Liga-Zuschauer-Rekord aufstellen.

Das Gespräch führte Heiko Portale

Fotos: TSPV

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