Spot on: Jurij Koch zum 80. Geburtstag

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Das dritte Auge

Schriftsteller sind in der Lausitz wahrlich dünn gesät. Da ist es schön zu wissen, dass einer wenigstens Bücher unter die Leser bringt, Jahr für Jahr, und in ihnen sogar Botschaften versteckt. Die Rede ist von Jurij Koch. Mit „Helene, hau ab“ und „Abessinka, wo bist du?“ hat er in den letzten beiden Jahren wieder zwei wunderbare, nachdenklich machende Kinderbücher veröffentlicht. Sie sind abenteuerlich und märchen-sagen-legenden-bezogen wie „Jakub und das Katzensilber“, „Pintlaschk und das goldene Schaf“, „Die rasende Luftratte“ und all die anderen, die früher aus seiner Feder oder aus seinem Computer gekommen sind.

Er ist…, ja, was ist er, was macht er denn alles, dieser Jurij Koch? Er ist – da wiederhole ich mich gern – der Autor einer der schönsten deutschsprachigen Novellen des 20 Jahrhunderts: „Der Kirschbaum“; er hat – zu DDR-Zeiten – mutige Romane geschrieben; er ist ein Warner und Mahner; er pflegt eine Sprachkunst, die nicht in Eskapaden mündet; er macht den „Übersetzer“, der die eigenen Geschichten aus dem Sorbischen ins Deutsche und umgekehrt überträgt und damit beide Sprachen bereichert. Die haben es auch nötig. Die eine kämpft ums Überleben, die andere gegen Verschluderung.

Windrad auf dem Dach

Das neue Buch von Jurij Koch: „Windrad auf dem Dach“ (Domowina-Verlag, 14,90 EUR)

Es ist ja mit der Sprache dasselbe wie mit dem Planeten, der Natur, der Landschaft, der Tier- und Pflanzenwelt, und mit der Heimat ist es so: Was der Mensch in Besitz genommen hat, das beutet er aus, unbedacht (?) und erbarmungslos. Es scheint, er hat kein Auge für die Zukunft. Dafür ist Jurij Koch einer von denen, die „das dritte Auge“ besitzen. Das wissen wir seit seinem großartigen, ans Herz und unter die Haut gehenden Essay „Jubel und Schmerz der Mandelkrähe“. Es ist „das Spuren sichernde Auge, das auf Täter und Töter aus ist“. Auch dieses ist ihm nicht erst heute gewachsen, sondern in den Tagen der untergegangenen Republik. Und es hat damals an Versuchen nicht gefehlt, den Sehenden zu blenden, ihm diesen besonderen Sinn zu nehmen.

Er schreibt davon in seinem neuesten Buch, dem zweiten Teil seiner Erinnerungen, „Windrad auf dem Dach“, das voraussichtlich ab Ende August in die Buchhandlungen kommt und dem man, weil es so interessant und gut ist, viele Leser wünschen kann. Er hat noch viele Pläne. Auch für Kinderbücher. Wegen der Zukunft und weil ihn „das dritte Auge“ dazu treibt. Am 15. September wird Jurij Koch 80.
Klaus Wilke

Foto: Archiv Domowina Verlag/Kläber

 

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