Piccolo-Chef Reinhard Drogla holt sich Kraft und Fitness beim Triathlon

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Reinhard Drogla ist – außer Piccolo-Theaterleiter und Cottbuser Stadtverordnetenvorsteher – ein passionierter Triathlonsportler. Nimmt er an einem Langdistanzwettkampf teil, mutet er sich dies zu: 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen. Eine Tortur. Seinen jüngsten Triathlon beendete er am 19. September im kroatischen Pula als Erster seiner Altersklasse und qualifizierte sich damit für die WM 2017 in den USA. Unser journalistischer „Triathlon“ besteht in der Frage: Wie wirkt sich der Sport im Leben des Theatermannes und Kommunalpolitikers aus?

Reinhard Drogla war Kettenraucher, als er 50 wurde. Just an diesem Tag im Jahr 2000 – er war in Jerusalem – beschloss er, das Rauchen aufzugeben. Er begann zu laufen. Seine ersten Laufschuhe kaufte er bei Waldemar Cierpinski. „Ich bin jeden Tag gerannt, zu weit, zu viel, zu schnell. Durch Zufall traf ich mit Triathlonleuten zusammen und ließ mich zum Training einladen. Und damit begann es.“ Um die zwölf Stunden braucht er, um die lange Strecke zu bewältigen. Was geschieht an diesem halben Tag? Er fasst das – wie im Zeitraffer – kurz zusammen: „,Prügelei‘ im Wasser – anderthalb Stunden, sechs Stunden Einsamkeit des Radfahrers, viereinhalb Stunden Laufen, wobei man die Quittung für gute oder schlechte Kräfteeinteilung erhält.“ Was geschieht in und mit dem Sportler? „Wer dies auf sich nimmt, hat es gelernt, mit sich selbst umzugehen, mit den unvermeidlichen Schmerzen und mit Krisen. Er zieht sich in sich selbst zurück. Er ist vom Start bis zum Ziel allein. Was dazwischen geschieht, bestimmt er. Im Triathlon kann man nur gewinnen, weil man mit sich selbst zu tun hat.“

Reinhard Drogla_Triathlon

Triathlet Reinhard Drogla © Privat

Drogla vergleicht Triathlon durchaus mit einem Theaterstück. „Beide haben einen großen Spannungsbogen zwischen Anfang und Ende. Jede Theaterinszenierung braucht wie ein Triathlon Planung, Konzeption, Überlegungen. Alles, was du beim Triathlon gelernt hast, kommt dir hier zugute.“ Es gab Krisen. 1995/96 wurde die Notwendigkeit eines Kinder- und Jugendtheaters in Cottbus überhaupt in Frage gestellt. „Keiner wusste warum. Das war eine ähnliche Situation wie Anfang dieses Jahres, als es niemals mit uns abgestimmte Fusionspläne gab. Das schafft Ängste, schlaflose Nächte, Vertrauensverlust. Da musst du durch, aber wie?“ Wie war das doch gleich: Du musst mit Schmerzen, mit Krisen, mit dir selbst umgehen können. Das wusste er, das gilt auch im Theater.

Die Piccolo-Leute haben ja seit 2011 das schöne neue Haus. Ein Haus für die Theaterbesucher von 2030? „Darum geht es nicht. Kinder sind die Theaterbesucher von heute und nicht zwingend von morgen. Natürlich wollen wir für sie erlebnisreiches Theater machen. Wenn diese Lust eine Lust für das ganze Leben wird, ist es gut. Viel wichtiger aber ist, dass wir Werte vermitteln, sie auf ihrem Lebensweg begleiten, ihnen helfen, Selbstbewusstsein zu erwerben. Wir sind froh, mit dem neuen Haus der Theaterpädagogik einen angemessenen Stellenwert geben zu können, Kinder undJugendliche zu akzeptieren, wie sie sind, und keine Zuschauerbeschaffung zu sein.“

Freilich kritisiert Drogla die bundesweite Tendenz, dass Theater für Erwachsene aufwändiger gefördert wird als das für Kinder und Jugendliche. „Das sagt auch etwas aus über den Stellenwert, den Kinder und Jugendliche in einer Gesellschaft haben. Trotzdem bleiben wir bei moderaten Eintrittspreisen, die allen Kindern den Theaterbesuch ermöglichen.“  Zu den nächsten Vorhaben zählt übrigens, ähnlich dem Inszenierungsjugendklub einen Jugendklub für junge TänzerInnen zu gründen. „Das steht fest: Piccolo bleibt!“

Der Stadtverordnetenvorsteher findet lobende Worte dafür, dass es die Stadt Cottbus verstanden hat, Einsparungen in der Kultur zu vermeiden. „Immer ging es darum, Einrichtungen zu erhalten.“ In diesem Amt hat er mehr zwischen Fraktionen zu moderieren als Entscheidungen zu treffen. „Trotzdem dränge ich, bestimmte brisante Lösungen anzugehen. Die Bebauung der Stadtpromenade gehört dazu. Es geht mir manches zu langsam in Cottbus. Wir brauchen mehr Vorausdenken und gleichzeitig mehr Durchhaltevermögen.“

Wie beim Triathlon. Die Abgeordneten hatten ihn nach sechs Jahren wieder in dieses Amt gewählt.

Klaus Wilke

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