In Axels Gasthof dreht sich alles ums gute Essen

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Sogar aus Berlin und Dresden kommen die Leute zu den Schlachtfesten nach Schwarzbach

Das kleine Dorf Schwarzbach hat sogar eine eigene Abfahrt auf der B97, kurz hinter Senftenberg eine eigene Bahnstation – „Schwarzbach bei Ruhland“ steht da in schwarzen Lettern geschrieben. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist jedoch etwas anderes im Ort: Bis aus Berlin und Dresden reist die Kundschaft zu den Schlachtfesten in Axels Gasthof an.

Axel heißt Müller mit Nachnamen. Er betreibt den 1927 als Schankwirtschaft Paul Petschick gekauften Gasthof seit 1981 und ist mit seinen 73 Jahren immer noch der Chef des Gasthofs. Fünf seiner sieben Kinder arbeiten in dem Gastronomie- und Landwirtschafts(familien)betrieb mit: Anne (Marketing, Vertrieb, Hofladen), Frank (Landwirtschaft, Rinderzucht, Jagd), Dorit (Direktververmarktung, Schweinemast), Birgit (Gastwirtschaft) und Ines (Küche). Anne Müllers Lebensgefährte Dietmar ist für die Schlachtstätte verantwortlich. Auch Enkelsohn Tommy, der noch in der Ausbildung ist, kommt zu den Schlachtfesten auf den Hof und hilft tatkräftig mit.

Schon vor dem Ortseingangsschild wird auf Axels Gasthof hingewiesen. Die Bauart des Hauses zeigt die lange Historie der gastlichen Stätte. Auch drinnen merkt man schnell: Hier geht es vor allem ums Essen. Der Gastraum ist klein und gemütlich mit seinen 26 Plätzen. Wer es größer mag, geht hoch in den großen Saal, dort haben 100 Personen Platz. Der Vereinsraum reicht für 20 Gäste. Das Essen: Schlachteplatte, Hausmannskost, mit Fleisch aus eigener Produktion und Jagd – dazu preiswert. Es schmeckt, und es gibt keinen, der bei den Portionen nicht satt wird.

Das wichtigste Standbein des Gastronomiebetriebs sind die von Oktober bis April 14-tägig stattfindenden Schlachtfeste. Dafür wird ein Rind aus eigener Zucht, Rasse Charolais, geschlachtet, dazu Hausschweine und auch Wild aus dem gepachteten Jagdbogen. „Unsere Tiere“, sagt Anne Müller, „erhalten rein natürliches Futter ohne Zusätze“. Rund 300 Hektar umfasst die Müllersche Landwirtschaft, auf der das Futter für die Tiere wächst – inklusive 50 Hektar Waldfläche. 1998 kam der Hofladen zur Wirtschaft dazu. Wegen der großen Nachfrage und des Andrangs im Gastraum wurde der Frischfleischverkauf dahin umgeleitet.

Auch wer heute zu den Schlachtfesten kommt, muss sich gedulden: Bis zum Hoftor stehen die Leute – und das ist ein ganzes Stück. Wer den Hof betritt, wird mit bunt beschriebenen Tafeln begrüßt: Hirschbratwurst, Rinderbraten, Wildschweinknacker, Roastbeef, Wellfleisch, Wurstbrühe kann man lesen, aber auch: Speisekartoffeln, frisch gekochtes Sauerkraut, Bienenhonig und Sonnenblumenkerne haben ihre eigenen Schilder. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Angebots.Im Hofladen sind mindestens drei Leute hinterm Tresen schwer beschäftigt: Anne, Dietmar und Tommy fragen nach, erklären alles, packen ein und holen ein ums andere Mal von hinten aus der EU-zertifizierten Schlachtstätte frische Artikel. „Bestellungen sind bei uns natürlich auch möglich“, sagt Anne Müller, „die meiste Kundschaft kommt tagsüber in den Hofladen. Wer aber arbeitet, müsste eigentlich leer ausgehen, aber wer sich vorher meldet, dem packen wir auch etwas weg, damit er sich das nach Feierabend bei uns holen kann.“  Wenn man sich die Preise anguckt, ist man erstaunt, dass das alles recht günstig ist. Zum Beispiel kosten 100 Gramm Wildsalami 1,40 Euro oder Leberwurst 77 Cent. „Wir haben unsere Preise bewusst niedrig gehalten, damit die Leute auch gern wieder kommen und bei uns einkaufen“, sagt Anne Müller.

Viele Angebote, viele Schilder.

Viele Angebote, viele Schilder.

Wer bei den ganzen leckeren Sachen Hunger bekommt, geht nach dem Einkauf  in die Gastwirtschaft, um sich ein ordentliches Mittagessen zu gönnen, und lässt derweil die Beutel im kühlen Ladenregal.
An Schlachtfesttagen gibt es auch immer eine Schlachtfestkarte. In den warmen Monaten lädt zudem der Biergarten ein. „Sobald es warm genug ist, stellen wir unsere Softeismaschine an und es gibt Softeis. Damit haben wir uns einen Wunsch erfüllt, weil wir so gern Softeis essen. Jetzt haben alle etwas davon“, sagt Anne Müller. Und wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft  beim nächsten großen Turnier antritt, wird natürlich auch wieder der große Bildschirm aufgestellt und zum „Public Viewing“ gebeten.

Heiko Portale

Titelbild: Dorit und Frank Müller bedienen in der Gaststätte. © TSPV

Mehr Infos: www.axels-Gasthof.de

Nächstes Schlachtefest: 27. Januar, 10-19 Uhr, Axels Gasthof, Schwarzbach

Ein bisschen Geschichte:
1927 kauften Paul und Berta Petschick die Gastwirtschaft von Herrn Bielick und legten den Grundstein für einen Familienbetrieb, der nun seit vier Generationen in ihrem Besitz ist. Die Tochter Irmgard Petschick heiratete Paul Köppe und führte mit ihm von 1946 bis 1981 den Gasthof. Und wiederum deren Tochter, Christine Köppe, heiratete den jetzigen Besitzer der Gaststätte Axel Müller. Zusammen mit ihren Kindern und bereits schon Enkelkindern führen sie den einzigen Bewirtungsbetrieb in Schwarzbach.

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