Kunst auf Zeit – Die Cottbuser Artothek

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Für einige Cottbuserinnen und Cottbuser ist sie die erste Adresse, wenn sie mal wieder etwas Neues für die Wohnzimmerwand brauchen. Für andere ist sie ein Raum voller Bilder, wo sonst hauptsächlich Bücher zu Hause sind. Wieder andere wissen noch nicht einmal, dass sie existiert, oder überhaupt, was sie ist – die Cottbuser Artothek.

Eine Artothek funktioniert wie eine Bibliothek, nur mit Kunstwerken. Es ist eine öffentliche Sammlung, deren Werke von Bürgerinnen und Bürgern für einen begrenzten Zeitraum ausgeliehen werden können. In Cottbus ist sie als Teil der Stadt- und Regionalbibliothek eine städtische Sammlung. Die Idee ist es, für jeden möglich zu machen, echte Kunstwerke in den eigenen vier Wänden zu beherbergen, sonst nur ein Privileg derer mit hohem Einkommen. Also, Kunst für alle.

Irmhild Baron, Ich seh etwas, was du nicht siehst, 2008.

Diese Praxis des Kunstverleihs ist bereits 200 Jahre alt. In Deutschland, Ost wie West, wurden die meisten Artotheken in den 1960er Jahren gegründet. Heute gibt es rund 130, und eine davon ist im Herzen unserer Stadt, in der Stadtbibliothek zu finden. Ein Glück und 286 Möglichkeiten, so viele Malereien und Grafiken zählt nämlich die Sammlung.

Die Geschichte der Cottbuser Artothek beginnt 1979. In der Zweigbibliothek Sandow wurden bis 1989 hauptsächlich Reproduktionen berühmter Werke der Kunstgeschichte zum Ausleihen angeboten. Erst mit den Wendejahren wurde begonnen, originale Kunstwerke zu sammeln. Uta Jacob betreut seit dieser Zeit die kleine Sammlung von Malereien wie Grafiken von Kunstschaffenden aus Cottbus und der weiteren Umgebung. Seit 1998 in den Räumen der Stadtbibliothek, wurde dann endlich auch ein Zimmer frei für die Kunst, und damit konnte der Betrieb des Kunstverleihs wieder aufgenommen werden. Das Erkerzimmer im ersten Stock ist ein Raum für alle, die sich den nächsten Schmuck für das eigene Heim aussuchen, aber auch für jene, die ihre Lektüre zwischen Bildern genießen. Ungefähr 150 Bilder sind dort zu finden. Uta Jacob wechselt sie in regelmäßigen Abständen aus, damit es immer wieder einen Grund zum dort Schmökern gibt.

Matthias Körner, Aus der Reihe: „Über den Mond“, Probedruck, 2006.

In den vergangenen Jahren wurde es immer ruhiger um die Artothek. Im letzten November gab es dann mal wieder eine belebende Neuigkeit: 35 Kunstwerke gerahmt und ausleihbereit sind hinzugekommen. Das ist für die kleine Sammlung ein ganzer Batzen! Dabei sind Bilder von Irmhild Baron, Mona Höke, Matthias Körner, Sigrid Noack, Inna Perkas, Günther Rechn und Hans-Georg Wagner. Die Künstler sind wichtige und langjährige Partner, die kontinuierlich ihre Arbeiten der Regionalbibliothek zur Verfügung stellen. Auch aktuell sind von den 35 neuen Arbeiten 24 Leihgaben der Kunstschaffenden. Hinzu kommt eine Schenkung des Malers und Grafikers Günther Rechn von sieben der eigenen Arbeiten. Es ist ein bedeutender Ausdruck der gegenseitigen Wertschätzung.

Dass heute überhaupt so viele Bilder in den Regalen und an den Wänden des LERNZENTRUMS präsent sind, ist auch dem Förderverein „Bibliothek und Lesen“ e.V. zu verdanken, der seit Jahren immer wieder Ankäufe möglich macht. Dieses Mal unterstützte der Verein den Ankauf von drei Druckgrafiken von Mona Höke und einer Malerei von Günther Rechn.

Hans-Georg Wagner, 1/2 Dutzend Variationen über ein Thema, 2007, ©Künstler.

Hans-Georg Wagner, 1/2 Dutzend Variationen über ein Thema, 2007, ©Künstler.

Als „Nische“ und „exotisches Pflänzlein“ bezeichnet Uta Jacob das Kleinod Artothek, und damit hat sie recht. Es ist wirklich etwas ganz Besonderes, und es ist ein glücklicher Umstand, dass sie erhalten und gepflegt wurde über all die Jahre. Es ist nicht nur die Möglichkeit, Kunst zu sehen und zu entdecken, sondern auch in einen langen Dialog mit den Bildern, die man sich mit nach Hause genommen hat, zu treten. Es ist etwas anderes, nur mal kurz im Museum auf ein Werk zu blicken, als jeden Tag damit zu leben.

Von solchen persönlichen Beziehungen zu Bildern erzählt auch die neue Präsentation im Erdgeschoss des LERNZENTRUMS. Ab 13. Januar kann dort die Ausstellung „Das spricht mich an“ besichtigt werden. Rund 20 Menschen – von der Schülerin bis zum Museumsdirektor –  berichten von ihren Lieblingsbildern aus der Artothek und legen dar, was sie darin sehen. Vielleicht ist ja auch für Sie oder mich ein Lieblingsbild dabei und hängt demnächst in einer unserer Wohnstuben. Auf Zeit, versteht sich.

Sabrina Kotzian

Info: Die Artothek ist Teil der Stadt- und Regionalbibliothek im LERNZENTRUM Cottbus.
Berliner Straße 13/14, 03046 Cottbus
Öffnungszeiten: Di bis Do 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 19 Uhr und Sa 10 bis 14 Uhr.

Eine Anmeldung in der Bibliothek und ein gültiger Nutzerausweis berechtigen Privatpersonen ab 14 Jahren oder juristische Personen zur Ausleihe der Kunstwerke.
Pro Kunstwerk wird ein Entgelt von 3 € erhoben.
Leihdauer je Kunstwerk ist 2 Monate. Die Leihfrist kann dreimal verlängert werden.

Weitere Infos: www.lernzentrum-cottbus.de

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