Vinylfieber in der Galerie Fango

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Die britischen Musik-Charts der 48. Woche 2016 waren historisch. Erstmals wurde mehr Geld mit Vinylverkäufen als digitalen Downloads gemacht. Die Presswerke können den Bedarf nicht mehr decken – auch aus dem Grund, dass es kaum noch welche gibt. Das Vinylfieber hat auch Cottbus schon vor längerem erreicht mit der Vinyl Listening Session in der Cottbuser Fango von Daniel Ebert. Wir sprachen mit ihm.

Wie alt bist Du und wie kamst Du auf die Idee?

Ich bin 34 und kaufte meine erste Vinylplatte mit 15 bei einer Sprachreise der Arbeiterwohlfahrt in London – den Soundtrack zum HipHop-Filmklassiker ”Wild Style“. Bevor ich 2015 nach Cottbus zog, wohnte ich in Berlin und hörte regelmäßig mit musikverrückten Freunden Schallplatten im Wohnzimmer – jeder brachte ein, zwei Alben mit, und dann hörten wir einfach zusammen Musik. Diese Abende habe ich in Cottbus sehr vermisst, also dachte ich mir, das muss ich wieder machen, nur dieses Mal im öffentlichen Rahmen.

Wurdest Du zunächst nicht einfach nur belächelt? Wer hat denn heute noch Zeit und Lust, sich eine ganze Platte anzuhören?

Die Idee kam bei den Leuten der Fango sofort gut an. Die Vinyl Listening Session ist quasi ein Hybrid aus Konzert und Konserve. Nur steht auf dem Podest keine Band, sondern ein Plattenspieler, dem man mit allem Knistern und Rauschen gern zuhört. Außerdem spielt eine Schallplattenseite maximal 23 Minuten, so lange schafft es fast jeder, sich auf die Musik zu konzentrieren. Zum Seitenwechsel gibt es dann eine kurze Pause, damit sich alle ein neues Getränk holen können.

Unter welcher Prämisse suchst Du die Platten aus?

Die Auswahl entstand, ehrlich gesagt, aus dem Bauch heraus. Ich liebe jede meiner 300 Schallplatten. Im Januar läuft das erste Mal deutscher HipHop, das kommt einem musikalischen Hörspielabend nahe. Da freue ich mich schon selbst drauf. Nachdem ein Album bewusst gehört wurde, folgt immer der Open Turntable Bar-Abend, da kann alles laufen. Ich freue mich jedes Mal über die Platten aus dem Publikum.

Bist Du mit der Resonanz zufrieden?

Nach der Sommerpause kamen leider wesentlich weniger Leute, vielleicht lag es am Herbstwetter. Ich möchte das Format nächstes Jahr noch offener gestalten und hoffe, dass sich dann noch mehr Leute beteiligen – vor allem, dass auch andere ihre Lieblingsplatten vorstellen, jedes Genre ist willkommen. Einfach vorbeikommen, mich ansprechen und dann kann man zum nächsten Mal die erste Platte zum bewussten Zuhören präsentieren, am besten mit einer kleinen Einleitung zur Musik. Wenn wir am Ende ein fester Kreis von 20 bis 30 musikverrückten Vinylhörern sind, von denen jeder mal etwas vorstellt, dann ist die Fango auch schon voll.

Robert Gordon

Titelfoto: Daniel Ebert macht Vinyl-Hören zum Erlebnis. © TSPV

Tipp: 27. Januar, 21.00 Uhr, Galerie Fango
Vinyl Listening Session mit deutschem HipHop – der etwas andere Hörspielabend. Danach Open Turntable, also bringt eure Vinylperlen mit und lasst uns das Plattenknistern genießen. Wort drauf!

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