Wiedergelesen: Tunnel der Finanzmagnaten

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Nach Wahl und Amtseinführung des 45. US-Präsidenten kam mir ein Roman in den Sinn, den ich 1969 zum ersten Mal gelesen hatte: „Der Tunnel” von Bernhard Kellermann (1879 – 1951). Ich entsann mich, Trump-Bilder vor Augen, zweier Gestalten aus jenem Buch, das 1913 erstmalig erschienen war. Finanzmagnaten. Von dem einen heißt es dort: Sein „Gesicht war der tragikomischen Larve einer Bulldogge ähnlich und verbreitete gleichzeitig den Schrecken eines lebendigen Totenkopfes.” Von dem anderen ist zu lesen: „Das Geld war nichts. Nur Mittel zum Zweck. S. Woolf war ein Trabant, der um Allan kreiste. Er wollte ein Mittelpunkt werden, um den andere kreisten.” Ein Bild und eine Aussage, die so sehr heutig sind.

Natürlich kannte Kellermann weder Donald Trump noch seine deutschen Vorfahren. Aber Amerika kannte er. Er wusste, dass die beiden Geldsäcke über Wohl und Wehe des großen Tunnelprojektes, durch das eines Tages Expresszüge von Amerika nach Europa donnern sollten, bestimmen. Und er wusste, dass ihnen völkerverbindende Gedanken völlig schnurz sind und ihr Denken nur vom Profit bestimmt ist. Sie können Genies kaufen wie den Ingenieur Mac Allan, der den Tunnelbau in ihrem Sinne durchpeitscht, dem 9.000 Menschen zum Opfer fallen. Später würde man das den Turbokapitalismus nennen und einen derer Macher ins Weiße Haus wählen.

Es gibt auch Sachen zum Schmunzeln. So dauert der Bau – BER lässt grüßen! – statt geplanter 15 Jahre 26, und als der erste Zug rollt, hat er – Deutsche Bahn, hergehört! – 12 Minuten Verspätung.

Klaus Wilke

Titelfoto: „Der Tunnel“ in einer Neuauflage aus dem Verlag ars vivendi im Jahr 2015 (re.) und „mein” Exemplar aus dem DDR-Verlag Volk und Welt (1969).

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