Bernd Pittkunings – Ein sorbischer Liederpoet

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Bernd Pittkunings fallen zu eigenen Versen sogleich Melodien ein

Dichter schreiben Bücher, füllen Bände. So eine herkömmliche Meinung, die durch die – freilich leider in immer geringeren Maße – buchrezensierenden Zeitungen noch bekräftigt wird. Deshalb soll wenigstens auf das eine Buch von Bernd Pittkunings, dem sorbischen Liederpoeten, hingewiesen werden. Es heißt „Mysliwos´ci – Nachdenklichkeiten” und ist im Neißemünde-Verlag erschienen. Am 15. Juni, 19 Uhr,  liest und singt er daraus in der Gaststätte „Zur Eisenbahn” in Kolkwitz.

Ein sorbischer Liederpoet also. Ja, der sorbische. Oder doch der wendische? Es ist ja kein selbst gewählter PR-Begriff, die Bezeichnung haben ihm Vertreter der deutschen Minderheit in Belgien angeheftet, und sie gefällt ihm. „Sie  trifft”, sagt er. Er ist einer, der dem Stress, einen Verlag für sich zu interessieren, entsagt und das macht, was das kleine slawische Volk seit Jahrhunderten gemacht hat: erzählend und singend weitergeben, was man erlebt und erfahren hat, was geschehen ist oder sein soll.

In seinem Heimatdorf Dollgen, wo er 1960 geboren wurde, hat vor 200 Jahren kein Mensch deutsch gesprochen. Was alle sprachen, Sorbisch, war später verpönt, verachtet, zurückgedrängt, gar verboten worden.  Mundtot gemacht, behielten vor allem ältere Menschen das Sorbische in den Herzen und Hirnen.  Pittkuning erlernte die Sprache, weil er als Postfacharbeiter in der DDR einen Arbeitgeber hatte, der unbedingt einen des Sorbischen kundigen Angestellten brauchte. Im Crashkurs eignete er sich die Sprache, das Niedersorbische, an. Ein  Freund führte ihn auch in das Obersorbische ein. Mit einer Ausbildung als  kirchlicher Lektor konnte er an der Gestaltung von Gottesdiensten aktiv teilnehmen. „Da kamen Omas und sagten mir: ,Du sprichst gut Sorbisch. Aber das ist Schulsorbisch.‘ Sie luden mich ein und ich wurde mit der Alltagssprache vertraut. Dabei erfuhr ich vieles, was in keinem Buche steht.” Auf die Anziehung angesprochen, die das Sorbische auf ihn ausübt, erklärt Pittkunings: „Das ist die andere Art zu denken. In anderen Sprachen denkt man anders. Die Gefahr: mit jeder Sprache, die stirbt, geht eine Art zu denken unter.”

Ein sorbischer Liederpoet. Ja, die Musik. „Als Kind hatte ich Gitarre zu lernen versucht, aber die Gitarre und ich wurden nicht eins. Mit 22, ich war inzwischen Sänger in einer Bumsmusikkapelle, fand ich sie wieder, und wir fanden zueinander. Von einem Rockgitarristen guckte ich mir ab, was ich brauchte. Ich habe viel zu Hause  gesungen und mich auf der Gitarre begleitet.. Ich kannte Lieder, die kaum einer kannte. Dann fielen mir neue ein. Ich wurde gefragt, von wem die stammen. ,Na, von mir.‘ Ich wurde viel von DDR-Musik inspiriert. Aber als ich Wolfgang Niedeckens BAP kennenlernte, war das ein Durchbruch. Fortan entstanden Lieder in spreewäldischer Mundart, später auch in Sorbisch. Es ist ja so, dass, wenn mir Verse in den Sinn kommen, sogleich Melodien folgen.”

Ein sorbischer Liederpoet. Ja, die Verse und Reime und Ideen. „In unterschiedlicher Stimmung, mal lebensfroh und heiter, mal bissig satirisch, mal traurig melancholisch greifen sie meine Beobachtungen und Erlebnisse im Alltag auf, erzählen von erfüllter und versagter Liebe, vom Verlust und Wiedergewinn der Heimat und der Sprache.”

Klaus Wilke
Foto: Bernd Pittkunings. © Uwe Titscher

Info
Im Laufe der Jahre hat Pittkunings eine Vielfalt von Programmen erarbeitet und bietet sie an: Lieder, Märchen und Sagen, Kabarettistisches – alles für Jung und Alt, zu finden unter
www.pittkunings.com
Telefon: 03 55 – 42 51 35.

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