„Jeder, der arbeiten möchte, kann Arbeit haben.“

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Livia Kolz ist Personalmanagerin und immer auf der Suche nach Fachkräften

Vor zwei Jahren nahm die EGA GmbH (Europäische Gesellschaft für Arbeit) in Cottbus ihre Arbeit auf. Die EGA GmbH vermittelt Arbeitskräfte in unterschiedliche Firmen. Seit 1. Januar 2016 ist die gebürtige Cottbuserin Livia Kolz hier Personalmanagerin. HERMANN sprach mit ihr über Fachkräftemangel, gute Leute und wie man sie findet.

Wie sind Sie Personalmanagerin oder HR Manager (neudeutsch für Human Ressource, Anm. d. A.), wie es auf Ihrer Visitenkarte steht, geworden?
Ich bin in Cottbus geboren und hier aufgewachsen, habe nach der Schule Hotelfachfrau gelernt. Danach habe ich eine Weiterbildung/Umschulung zur Personalkauffrau gemacht. Zur Personalleiterin bin ich berufen worden. Diesen Job zu machen, mit Menschen umzugehen, sich auf die Augenhöhe der Arbeitssuchenden zu stellen, dass muss man können und auch wollen. Dieses Gefühl, was man dafür braucht, kann man nicht lernen. Am Arbeitsmarkt in Cottbus haben wir auf der einen Seite Studierte aber auch Menschen ohne Ausbildung, die ebenfalls Arbeit suchen und brauchen. Wenn ich dann als Personalchef alles einseitig betrachte, dann komme ich an die Leute nicht ran. Ich versuche immer, mich zwischen den Menschen zu bewegen. Ich muss dem Studierten das Gefühl geben, dass ich verstehe, in welche Richtung er will und muss ebenso versuchen, für den Anderen, der vielleicht noch nie gearbeitet, Sprachschwierigkeiten oder eine Lese-/Rechtschreibschwäche hat, etwas zu finden. Die Leute müssen sich bei mir wohl fühlen, dann kann ich sie mitnehmen und Arbeit für sie finden.

Warum haben Sie sich für Cottbus entschieden? Mussten Sie überhaupt eine Entscheidung treffen?
Dieses Thema gab es für mich nicht. Natürlich hätte ich damals gleich nach der Lehre weggehen können, aber da meine gesamte Familie in Cottbus lebte, bin ich hier geblieben. Auch deshalb gab es da für mich keine Option zum Weggehen.

Livia Kolz

Livia Kolz, Personalmanagerin der EGA © TSPV

Was ist Cottbus für Sie?
Cottbus ist meine Heimatstadt. Ich liebe die Stadt, sie hat sehr viel Grün, schöne Parkanlagen und ist sehr vielseitig. Ich mag alle Facetten sowie alle Höhen und Tiefen. Wie andere über Berlin reden, ist Cottbus für mich die Stadt, in der ich leben möchte. Sie ist mein Zuhause.

Was macht die EGA?
Die EGA vermittelt und verleiht Personal in Firmen, das arbeitsuchend ist und/oder  sich verändern möchte. Wir suchen eigentlich alles, was es an Personal gibt, egal in welche Richtung es dabei geht. Es kann sich jeder bei uns bewerben. Wenn ich den passenden Kunden bei uns noch nicht habe, dann suche ich den für den Bewerber. Wie schon erwähnt, sind wir ebenfalls ein Zeitarbeitsunternehmen. Bei uns sind  Mitarbeiter angestellt, die in unterschiedlichen Unternehmen arbeiten. Zu guter Letzt integrieren wir auch Nicht-EU-Bürger in den deutschen Arbeitsmarkt.

Ist es schwer, in Cottbus „gutes Personal“ zu finden?
Ja. Es ist wirklich schwer, passendes und gutes Personal zu finden. Egal, ob es dabei um Zeitarbeit oder Vermittlung geht. Heute braucht keiner mehr nach Arbeit zu suchen, denn es gibt genügend freie Stellen. Wir helfen nicht nur Arbeitslosen, in Arbeit zu kommen, sondern auch Arbeitnehmern, die Ihre Arbeitssituation verbessern wollen und den Mut zur Veränderung mitbringen. Meine Devise ist: Jeder, der arbeiten möchte, kann heute Arbeit haben. Früher war es andersherum. Da war genügend Personal da, das man auch verleihen oder vermitteln konnte. Aber jetzt ist es so, dass wenig gutes Personal zu finden ist.

Was sind denn „gute Bewerber“ für Sie?
Facharbeiter, Ingenieure, selbst der einfache Helfer können „gute Bewerber“ sein. Wenn er oder sie willig sind zu arbeiten, ist selbst dann jemand ein/e „gute/r Bewerber/in“, wenn er oder sie keine Ausbildung haben. Dieses „willig sein“ ist die Grundvoraussetzung. Genau daran hapert es bei vielen Arbeitsuchenden.

Woran liegt es, dass Sie keine „guten Bewerber“ finden?
Weil die meisten in Arbeit sind. Aber viele trauen sich auch nicht, uns anzusprechen, weil sie glauben, Kosten mit uns zu haben. Dabei geht es bei uns zuerst nur um ein Gespräch über den Arbeitsmarkt und über die einzelnen Vorstellungen, die man hat. Wir wollen einfach eine Hilfe sein. Es ist mir klar, dass schon viele Arbeitsuchende von Arbeitsvermittlungsfirmen verprellt wurden. Auch beim Thema „Zeitarbeit“ denken viele: Oh Gott, oh Gott! Für Sieben Euro 50 gehe ich nicht arbeiten. Das ist aber schon lange gar nicht mehr so. Die Leute sollten und müssten sich da viel mehr trauen.

Wie finanzieren Sie sich?
Wir finanzieren uns über die Vermittlung. Entweder die Firmen zahlen für meine Leistung eine Vermittlungsgebühr, wenn sie eine gute Arbeitskaft bekommen. Oder wir erhalten Geld über die Vermittlungsgutscheine der Agentur für Arbeit und des Jobcenters, die für Arbeitslose ausgegeben werden. Natürlich auch über die Zeitarbeit. Ein Arbeitsuchender zahlt bei uns nichts. Man könnte auch Privatverträge mit Arbeitsuchenden machen, aber das mache ich sehr ungern. Da  ich weiß, wie knapp das Geld oftmals ist und dann muss ich auch noch dem Bewerber für eine Vermittlung Geld abnehmen. Dafür bin ich zu sozial eingestellt. Ich regle gerne die Bezahlung bei Arbeitsuchenden über die  Firmen.

Die EGA ist auch international tätig…
Bei uns läuft ein Projekt mit Bosnien und Vietnam, um Fachkräfte, zum Beispiel im Pflege-Bereich, nach Deutschland zu holen. Das heißt, wir haben Mitarbeiter in den Ländern, die uns Facharbeiterprofile zukommen lassen, von Leuten, die in ihrem Land keinen Job finden. Es gibt, zum Beispiel in Bosnien, ausgebildete Fachkräfte, die seit zehn Jahren eine Arbeit suchen. Diese Leute wollen arbeiten. Von denen sind auch schon ein paar bei uns in Cottbus vermittelt worden. Diese Leute integrieren wir hier mit allem Drum und Dran – von Firmen- bis Wohnungssuche. Allerdings erhalten diese Leute hier nur eine Arbeitsgenehmigung. Bei Arbeitsplatzverlust müssen sie wieder in ihre Heimatländer.

Warum aus Nicht-EU-Ländern?
In Deutschland gibt es kaum noch Fachkräfte, wie zum Beispiel im Pflege-/Gesundheits-Bereich. Wir müssen deshalb woandershin ausweichen. Es reicht auch nicht, was derzeit auch bei uns an der LWGA ausgebildet wird. Der demografische Wandel schreitet voran. Wir brauchen unbedingt Arbeitskräfte. Wir bewegen uns in Nicht-EU-Ländern, weil Arbeitskräfte, zum Beispiel aus EU-Ländern, wie Polen oder Tschechien, bereits in Deutschland arbeiten. Wenn potentielle Arbeitnehmer einigermaßen Deutsch können und eine Fachkraft sind, dann arbeiten sie bereits hier. Da brauchen wir nicht mehr zu suchen.

Welche Länder haben Sie im Fokus?
Neben Vietnam und Bosnien wollen wir auch in Skandinavien suchen. Da die EGA aber noch nicht so lange tätig ist, muss sich das alles erst noch entwickeln.

Bestünde nicht auch die Möglichkeit, an Flüchtlinge heranzutreten?
Jein. Zumindest momentan nicht. Das Problem der Sprache und der Qualifikationen ist noch zu arg. Ich würde eher sagen, dass man deren Kinder, die hier aufwachsen und in die Schule gehen, mitnimmt und dabei fördert und fordert. Da sehe ich eine Chance. In anderen Bereichen, außer der Pflege, ist es nicht anders. Es wird auf alle Fälle schwer aus den Flüchtlingen die Facharbeiter  zu kristallisieren. Da brauchen wir noch ganz viel Zeit und Geduld.

Hatten sie denn schon solche Anfragen oder Bewerber?
Ja, wir hatten auch schon einige Flüchtlinge hier gehabt. Es hat zum großen Teil an der Sprache gehapert und an den Zeugnissen. Also müssten sie zunächst eine Feststellungsmaßnahme machen, um herauszufinden, in welche Richtung es gehen soll. Das ist dann aber nicht mehr meine Aufgabe als Personalvermittlerin.

Rekrutieren Sie Leute ausschließlich für Cottbus oder auch für ganz Deutschland?
Im Fokus steht unsere Region, weil die Leute hier immer älter werden. Wir gehen natürlich auch über die Landesgrenzen hinweg, wenn ich es nicht schaffe, Arbeitssuchende hier zu vermitteln.

Wie viele neue EU-Fachkräfte könnte denn, Ihrer Meinung nach, die Region Brandenburg vertragen?
Wenn man allein die Zahl der Pflegeheime betrachtet, könnte die Region bestimmt 500 oder 600 Fachkräfte vertragen. Der Bedarf ist da.  Für Nicht-EU-Bürger ist allerdings der bürokratische Aufwand sehr hoch. Manchmal dauert es bis zu zwei Jahre, bis die Abschlüsse und Zeugnisse hier anerkannt werden. Da gäbe es sicher noch Verbesserungsmöglichkeiten von Seiten der Bürokratie. Leider gibt es in jedem Bundesland für die Anerkennung unterschiedliche Regelungen. Das macht es uns unnötig schwer. Obwohl hier in Brandenburg die Bearbeiter freundlich und zuvorkommend sind und die Anerkennung nicht so schwer ist, wie anderswo, dauert es hier auch sechs oder sieben Monate, bis zum Beispiel ein Bosnier anerkannt ist.

Das Interview führte: Heiko Portale


Was macht die EGA?
Aktiv gegen den Fachkräftemangel
„Wir bringen Mensch und Arbeit zusammen“, – das ist einer der Leitsätze unter dem die EGA GmbH (Europäische Gesellschaft für Arbeit) in Cottbus Personal in Arbeitsverhältnisse bringt. Im Oktober 2015 hat die EGA GmbH ihre Arbeit aufgenommen. Der Dienstleister bringt Fachpersonal aus den Bereichen Handwerk, Industrie, Baugewerbe, EDV, im kaufmännischen Bereich, in der Verwaltung oder im Gesundheitsbereich in Arbeit. Um den hohen Bedarf an Fachkräften in der Lausitz zu decken, arbeitet die EGA mit Partnern im in europäischen und nicht europäischen Ausland, etwa in Polen, Tschechien, Ungarn oder Bosnien-Herzegowina zusammen, um qualifiziertes Personal in die Lausitz zu holen.

www.ega-cottbus.com

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