Editorial Juli 2017

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Nach einem langen Arbeitstag eine schöne Erdbeer-Bowle mit ordentlich Zunder im Glas – was gibt es Schöneres, um den Abend beschwipst ausklingen zu lassen. Im Tellheim, der Staatstheaterkantine gibt es das.  Sitz‘ ich da also leicht angepufft im geflochtenen Rattan-Sessel, als von allen Seiten martialisch gekleidete mit „Polizei bzw. Ordnungsamt“ beschriftete Leute in den Park einfallen und ein Geschrei unter den auf den Wiesen liegenden Leuten erzeugen. Tollen Platz habe ich da, denke ich so bei mir, erste Reihe, großes Kino. Seit kurzem wird im Schillerpark, vor der Stadthalle und im Puschkinpark das Alkoholverbot durchgesetzt. Noch ein Schlückchen – läuft bei mir. Irgendwo hinten fliegt eine Flasche in die Büsche. Leute weisen sich aus (Doppldeut-Kalauer!). Nach einer Runde durch den nun menschenleeren Park, wenden sich die armierten Kollegen dem Staatstheater zu. Ich schlenkere meine Bowle – oh! Graus! Alle Gedanken gleichzeitig: kriminell, wegschütt, wegrenn, verlegen guck, könnte eine teure Bowle werden. Nach Musterung der Oberarme, bemerkt meine Muskulatur: wegrennen sinnlos. Wir bleiben sitzen!, ruft mein Geist nebulös aus der Ferne. Die Herren und Damen allerdings gehen lächelnd vorbei und wünschen „einen schönen Abend“. Hinterher erfahre ich, das in Gaststätten der Genuss alkoholischer Getränke erlaubt bleibt.

Seit dem Erlass sind die Wiesen im Schillerpark verwaist. Statt Kindern machen Hunde ihr Geschäft. Auf den Bänken sitzen vereinzelt Leute und lauschen in die Stille – mitten in der Stadt.

Ruhe den Bänken und Wiesen//
Ruhe im Park und im Hain//
Bleiben Sie lieber zu Hause//
Draußen sind Sie nicht allein

In diesem Sinne: Ruhen Sie mit,
Heiko Portale

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