„Ich möchte nicht schuld sein“

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Literaturwerkstatt veröffentlicht ihre 19. Anthologie: „Streben nach Flügeln”

Die Literaturwerkstatt P12 im Jugendkulturzentrum Glad-House ist mit ihrer 19. Anthologie an die Öffentlichkeit getreten. Sie vereint unter dem Titel „Streben nach Flügeln” 69 Texte von 38 jungen Autor*innen und 33 Illustrationen Cottbuser Schüler*innen.

Die da schrieben, waren, als sie dies taten, zwischen acht und 21 Jahre alt, die in ihren Schulen oder im Kunstmuseum malten und zeichneten, zwischen 9 und 17. Das sind doch, betrachtet man die Jugendlichkeit, ziemliche Lebensspannen. Das macht auch den Reiz dieser Anthologie aus: die altersgemäß unterschiedlichen Sichten auf die Menschen, das Leben und die Welt verleihen dem Band inhaltliche,  sprachliche, stilistische Farbe. Sortiert man mal für sich selbst- die Anthologie hat andere Ordnungsprinzipien- die Texte nach dem Autorenalter, kann man sehr wohl Wachstums- und Reifeprozesse erkennen oder ahnen. Die Jüngsten erfreuen mit Versen, die der Literaturkundige beifällig als Enkelwerk von Morgenstern oder Ringelnatz anerkennt, oder mit Märchen, die die Liebe zur Tierwelt, verbunden mit kleinen menschlichen Sehnsüchten, widerspiegeln. Ältere, vielleicht von Computerspielen angestiftet, versetzen sich und uns in Parallel- und Anderwelten. Auch Traumerfahrungen und Spiegelblicke versuchen auf interessante Weise, hinter die fraglichen  Dinge zu kommen.

Es wurde bis hierher vermieden, Namen und Titel zu nennen. Immerhin hat eine Jury ein kompetentes Werturteil abgegeben, das den jungen Leuten Preis und Anerkennung im Literaturwettbewerb der Stadt Cottbus und in dieser Anthologie zuwies. Wer da jetzt einen lobte, müsste auch die anderen preisen. Wer an der einen Stelle mäkelte, müsste auch an anderen Stellen kritisieren. Wir umgehen das mit dem Blick auf Texte der jüngsten und der ältesten Autorin. Lara Rothe, 8, reimt, ihren kindlichen Radius ausspähend:  „Wer schleicht denn ums Haus?/Ich lauf schnell raus./Ich seh zwei Lichter,/doch keine Gesichter./Es ist bestimmt der Hund,/der uns bewacht/in der Nacht.” Die 21-jährige Shary Gajardo hat andere Sorgen. „Ich möchte nicht schuld sein”, schreibt sie in einem Gedicht, „wenn Bücher brennen. Wenn Hetze und Furcht durch die Köpfe rennen.” Der  Text endet: „Ich möchte die Zukunft nicht fürchten, in der vielleicht jemand fragt: ,Wie war denn die Zeit, bevor die Menschlichkeit starb?‘.”Buchtitel Anthologie

Beobachtungen, Feststellungen, Entdeckungen, Fragen junger Leute beinhaltet diese Anthologie, der hoffentlich viele weitere folgen werden. Dass es sie gibt, ist neben Juroren und Pädagogen einer ganzen Reihe von Sponsoren zu verdanken.

Den rundum lohnenden Kauf kann man für 12,95 EUR in der Buchhandlung Hugendubel tätigen.

Klaus Wilke
Titelbild: www.pexels.com

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