Unbekannter Wunderspender doppelt geehrt

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Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion ist Geschichte – zum Schluss gibt es das Buch zur Ausstellung.

Dass ER da war, ist wohl eher unwahrscheinlich. Aber man weiß es nicht genau. Der anonyme Wunderspender der Görlitzer Altstadtmillion bleibt bislang unbekannt.

Dabei könnte man jetzt echt ungeniert über ihn (oder sie?) spekulieren, denn das Geld ist ja alle und verbaut – aber wem nützt die Enttarnung, zumal die Spende keineswegs so einfach steuerlich abzusetzen wäre? Genau: nur bösen Buben.

Natürlich könnte es Geldwäsche sein – aber dagegen stehen einige Görlitzer Persönlichkeiten, die sicher zumindest eine Ahnung verspüren, wer es denn war und dass diese Millionen nicht stinken. Denn über 22 Jahre bekam Görlitz jährlich eine Million DM, dann umgerechnet 511.500 Euro und im letzten Jahr noch einmal 340.000 Euro gespendet – zweckgebunden für den Erhalt der Görlitzer Kulturdenkmale – und immer mit der immanenten Drohung verbunden, dass bei Enttarnung sofort Schluss sei.

Ausgestellt: Die erste anonyme Millionenüberweisung.

Ausgestellt: Die erste anonyme Millionenüberweisung.

Der Bund der Görlitzer hält übrigens seit 1995 jeden Spott aus, über keinen Witz von Ortsfremden über die fiktive Figur wird je gelacht und keine Spekulation je geteilt oder gar verraten. Doch eigentlich könnten sie kontern und sagen, dass ja auch bisher sonstige Städtebaufördermittel in Höhe von rund 171 Millionen Euro gen Görlitz geflossen sind.

Nun gibt es seit Juni die Sonderausstellung „Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion“ im oberen Geschoss vom Kaisertrutz, das Buch dazu seit August. Beide zeigen 19 Projekte, Herausgeber sind die Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. 320 Seiten erzählen nun wundersame Geschichten über Denkmale und Menschen, die durch zwei Dekaden des Wirkens der eigens gegründeten Altstadtstiftung führen.

Bis Ende Oktober hätte ER (oder SIE) – wie alle anderen – noch Zeit, sich die Ausstellung zu seinen (oder ihren) Ehren im Kaisertrutz anzuschauen. Und – so er noch Restgeld hat – könnte er sich wie diese das Buch kaufen, nur braucht er ja eigentlich, wie diese, keine Hinweise auf sich selbst zu suchen.

Unklar – aber typisch Görlitz – bleibt, warum das Buch nicht zur Ausstellungseröffnung parat lag, sondern mitten im Sommerloch Anfang August erschien. Vielleicht ward es aus den Restbeständen des Fonds für die Sanierung bezahlt – doch damit ist jetzt Schluss. Ab jetzt heißt es: Selbst bezahlen zum Klappehalten.

Text und Fotos: Andreas Herrmann
Titelfoto: Dankeszettel für den Spender.

Termin
Sonderausstellung „Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion“ im Kaisertrutz Görlitz noch bis 31. Oktober (Di–So, 10-17 Uhr); Buch im lokalen Buchhandel für 28 Euro (ISBN: 978-3-86795-129-6)
Netzinfo: www.museum-goerlitz.de

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