Spot on: Die Handschrift

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Friedrich Koch ist ein Cottbuser, der sein Cottbus durchaus liebt. „Sonst wäre ich doch nicht mehr hier”, sagt er im behaglichen Wohnzimmer des Hauses, das er selbst mit umgebaut hat. Er hat sich da eine kleine Welt der Zufriedenheit geschaffen, und er hat sich das verdient. Immerhin hat er dazu beigetragen, die Wohnwelt vieler angenehm zu gestalten und auch kulturvolle Umwelt zu erhalten.

Der 78-Jährige ist nämlich Maurermeister und Betonbauer und hat die Zeit des politischen Umbruchs genutzt, sich 1991 selbstständig zu machen und ein mittelständisches Baugeschäft mit etwa 20 Angestellten zu gründen. Das hat mit Restaurierungsarbeiten seine Spur durch Cottbus gezogen. Monatelang führte sein Weg nach Branitz, wo das Schloss und andere Gebäude einer Frischekur unterzogen wurden. Da zahlte sich aus, dass Koch das Maurerhandwerk von der Pike auf und fast wie unsere Ahnen gelernt hatte. Er konnte sich hineinversetzen, was sich die Bauherren von einst  gedacht haben, und es wiederherstellen. Das Parkinspektorenhaus zum Beispiel. Kochs Ehefrau Heike, eine passionierte Hobbymalerin, hat es vor und nach der Restaurierung gemalt. Was für ein Unterschied! Was hätte wohl der alte Pückler dazu gesagt? Koch hat sich diese Frage wohl nie gestellt, erinnert sich aber an das anerkennende Schulterklopfen des Urgroßneffen Hermann Graf von Pückler. Eine Auszeichnung.

Der Wasserturm in Sachsendorf, die Oberkirche, die Schlosskirche und viele Fassaden von Bürgerhäusern sowie Um- und Neubauten tragen die Handschrift von Friedrich Koch und seinen Mannen, denen er heute noch das beste Zeugnis ausstellt. Zwölf Lehrlinge hat er ausgebildet. „Aus allen ist was geworden. Die Männer haben sie zurechtgestutzt. Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Genauigkeit waren Kriterien. Häufig kommt ein Gruß von ihnen, oft von weither.” Ein glücklicher Cottbuser.

Er habe alle Handwerkernadeln, sagt er.  Stolz zeigt er auch seine Meisteruhr. Beim Neujahrsempfang der Stadt Cottbus kam eine neue Auszeichnung hinzu. Seine  Handschrift, die so vielen Gebäuden in Cottbus aufgeprägt ist, steht nun als Unterschrift in der Ehrenchronik der  Stadt.

Klaus Wilke
Titelfoto: Jan Hornhauer

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