Kraniche im Himmel: Udo Tifferts neuer Gedichtband „Viele Möglichkeiten zu lächeln”

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Gleich, wenn seine Texte geschrieben sind, braucht Udo Tiffert (54) Öffentlichkeit und sucht sie. Folgerichtig ist er ein ständiger Poetry-Slam- und Lesebühnenautor. Nur gut, dass er von Zeit zu Zeit dafür sorgt, dass aus seinen Hörern auch wieder Leser werden. Diese Zeit ist wieder mal da. Ein neuer Gedichtband liegt vor: „Viele Möglichkeiten zu lächeln”. Er enthält 80 Texte „Prosagedichte Lyrik & Flockenwirbel”, wie es im Untertitel heißt, aus den Jahren 2009 bis 2017.

Hier dichtet einer mit Sprachbrillanz und oft überraschenden Bildeinfällen, die nachdenken lassen, Auflösungen oft in das zweite oder dritte Lesen verschieben, zuweilen wohl auch unmöglich machen. Diese angekündigten Möglichkeiten zu lächeln verstecken sich zwischen den Zeilen, wollen erlesen, erdacht, gefunden und geborgen werden.

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Wir finden es bei dem Jungen, der mit Papas und mit Mamas Auto mitfahren kann, sich aber über seine Freunde unterm Bett, einen Wurm, einen Käfer und eine Spinne, viel mehr freut. Wir finden sie bei dem Soldaten, der nur noch zwei Dinge wünscht: mehr als vier Stunden schlafen und einen Raum, den keiner betritt. Auf dem überfüllten Parkplatz vor einer Kirche, nur eins-a-Schlitten, begreift einer, „woran sie glaubten / nur was taten sie da drin.”

Schon immer ein scharfer Beobachter, reißt Tiffert auch in diesen Texten den Vorhang vor tiefen Widersprüchen auf. Er findet sein Glück in der Natur, an Kranichen im Himmel, Schwalben und Kornblumen. Sie sind Konkurrenten einer industrialisierten, technisierten Welt, als Konkurrenten zwar chancenlos, sind sie doch ein Lächeln wert.

Das Buch kostet acht EUR und erhältlich bei www.buechersbest.de

Klaus Wilke

Bild: Udo Tiffert ist regelmäßiges Mitglied der Lesebühne Cottbus, hier beim Signieren seines neuen Gedichtsbandes. Foto: The Schwartzman P. VanderbuilT

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