Elektro-Bär spielt jetzt Kreuzberger Straßenpop

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Marco Damaschek bildete mal zusammen mit Marco Baumeier ein Cottbuser Duo von „Tanzbären auf der Suche nach honigsüßen Beats, die mit ihrer Musik die Waben zum Wackeln bringen und die sich ab und an im Honigrausch verlieren“. Als Duo „Elektro-Bär“ widmeten sie sich in ihren Songs alltäglichen beziehungsweise weniger alltäglichen Menschheitsproblemen wie „Ohne Geld“ und „Zu viel Geld“, die halt nicht nur Cottbusern geläufig sind.

Inzwischen ist Marco Damaschek in Berlin ansässig und dort Mitglied der Kapelle Vizediktator, deren einprägsamer Name keine Referenz an den (sowieso unbekannten) Stellvertreter von Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un ist, sondern eine hübsche Metapher für alles und nichts. Alles, weil sie sich gegen den universalen Neotrend zur Diktatorenliebe wendet, und nichts, weil es natürlich auch eine bewusste Plattitüde zum Aufhorchen ist. Das macht die Band aus Kreuzberg aber nicht bloß mit ihrem Namen, sondern vor allem mit ihrer Musik. Gleich doppelt, denn schon ihr Deutschpunkpop geht gehörig nach vorn. Und ihre Texte allemal: „Tod denen, die versuchen, sich zu bereichern, an den andern / Tod der Gier auf den Besitz und der Hinterlist“ schmettert Sänger Benni dem geneigten Publikum im Song „Stadt aus Gold“ ernstgemeint entgegen.

Damit das erschreckte Mainstreampublikum, das sich musikalisch teilweise durchaus angesprochen fühlen kann, nun nicht gleich beim Verfassungsschutz anruft, erklärt Benjamin Heps gern auch dem rbb-Vorabendzuschauer, dass es sich um das literarische Mittel der Überspitzung handele und man niemandem den Tod wünsche. Wäre das geklärt. Genauso klar ist freilich, dass die radikalen Texte sehr wohl auf einem radikalen Frust über die Zustände in der Welt und in Kreuzberg beruhen, wo das Geld ja auch längst im echten Monopoly-Spiel schamlos marodiert.

„Kinder der Revolution“, wie sie ihr jüngst erschienenes Album betitelt haben, ist insofern mehr als eine phrasenhafte Selbstbespiegelung zum Zwecke des Aufmerksamkeitsgewinns. Es ist eine echte Reflexion auf ihre eigene Generation der gut 30-Jährigen, für die auch das Label „Generation Keine Ahnung“ in die Floskelwelt gesetzt wurde. Es ginge um eine Revolution, die ihre Eltern angestoßen hätten, sagt Benni. Sie selbst seien nur noch die Nachhut, die sich in Exzess und Party verliere. „Wir machen keine Protestmusik, aber politische Musik, weil Kunst immer politisch ist.“ Und mit der kommen Vizediktator am 16. März nach Cottbus (wo Marco Damaschek jüngst an der Demo gegen den Hass beteiligt war). Für das Konzert im Bebel versprechen sie eine schonungslose, energiegeladene Show – „weil wir unser Publikum lieben“.

Thomas Lietz
Titelbild: Vizediktator bringen den Straßenpop nach Cottbus. Foto: pr/Mrozik

Info
16. März, 20 Uhr, Bebel Cottbus, Vizediktator + Support + Aftershow: The Walking tall alias Heiko Portale
www.bebel.de

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