Inklusionstheatergruppe „Rampenfieber” lässt Begegnungen erleben

 So wie Nanett (40) geht es allen Mitspieler*innen: „Schon Donnerstag beginne ich an den Fingern abzuzählen: noch fünf, vier, drei, zwei, ein Tag(e) bis zur nächsten Probe.” Sie arbeiten in den Werkstätten der Lebenshilfe Hand in Hand gGmbH und spielen seit Jahren im Inklusionstheater „Rampenfieber”, für das die Studentenwerk BÜHNE acht und die Lebenshilfe Werkstätten kooperieren. Inklusion (Einfügung, Aufnehmen, gemeinsam verschieden sein) – dieser Aufgabe haben sich in der BÜHNE Sozialarbeiterin Annalena Hesshaus und Sonderpädagogin Ingrid Ruschke mit bemerkenswertem Engagement angenommen

Jetzt steht – nach „Ich bin du” – das zweite Stück auf dem Spielplan der BÜHNE acht: „Begegnungen”. Sehr schöne Idee. Die Darsteller*innen spielen Begegnungen aus ihrem Alltag, der unser aller Alltag ist, und tauchen ins Publikum ein, um mit den Zuschauern zu plaudern, über Urlaub, Lieblingsspeisen, Hobbys – Reden in Augenhöhe, im Theater gelebte Inklusion als Anregung für den Alltag. Der Höhepunkt – eine bewegte Szene mit dem Disput zur Normalität: Was ist normal, wer ist normal, wie ist normal? der in der Sentenz endet: „Es ist normal, ein Mensch zu sein.”

Als Glückgriff erweist sich, „Begegnungen” in einer Doppelveranstaltung mit der BÜHNE acht Produktion „Der Hibiskus” zu koppeln. Gebannt folgen die Rampenfieber-Leute nun dem Geschehen zwischen Menschen dreier Generationen in einer Familie, von Verständnislosigkeit und -gewinn, Kommunikationsproblemen und deren Überwindung. Was es heißt, „ein Mensch zu sein”, spielen Katharina Riedel als Großmutter, Helena Schmiemann als Mutter und Claudia Düsing als Enkelin Sofia einfühlsam und mit großer Überzeugungskraft aus. Das sei toll und cool, sagen die Gäste aus den Werkstätten, und manche finden eigene Erlebnisse und Befindlichkeiten wieder.

Eine großartige Geschichte. Aber „Rampenfieber” hat Sorgen, weil sich die Lebenshilfe-Werkstätten aus dem Projekt zurückziehen wollen. Sie verweisen darauf, dass sie als gGmbH darauf fixiert sind, Menschen auf die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten, nicht aber berechtigt, Freizeitgestaltung finanziell zu fördern. Motivieren, ja, motivieren wollen sie. Alles andere müsse die BÜHNE acht bewirken bzw. beantragen. So viel steht fest: Die Freizeitgestaltung mit ihren vielfältigen Begegnungen ergänzt die Arbeit in den Werkstätten. Beides zusammen ergibt den Menschen, und, na ja, es ist normal, ein Mensch zu sein.

Klaus Wilke

„Begegnungen” und „Der Hibiskus”: 14. Mai und 2. Juli, 18.30 Uhr, in der BÜHNE acht, Erich-Weinert-Straße 2.

www.buehne8.de/

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