Neben Wieland Förster und Werner Stötzer gehört Friedrich B. Henkel (geb. 1936 in Zella/Rhön) schon lange zu den namhaften Bildhauern Ostdeutschlands. Er studierte an der Fachschule für angewandte Kunst Leipzig sowie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Mit rund 100 Arbeiten vereint die Ausstellung im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst (BlmK) wichtige Werke insbesondere ab den 1980er-Jahren und gibt so einen wesentlichen Überblick über sein künstlerisches Werk.

Henkels Schaffen erstreckt sich weit über sechs Jahrzehnte und umfasst sowohl plastische Arbeiten als auch Druckgrafik, Zeichnungen und Collagen. Sein zentraler Motivschatz ist die Landschaft – genauer gesagt: Die „Landschaftsfigur“, wie sie der Künstler selbst benennt, wobei ihm das Skizzieren und Zeichnen vor Ort die wesentliche Grundlegung seiner Arbeit bedeutet. Gerade diese Unmittelbarkeit des Erlebens entfaltet einen weiten Bogen auf den Skizzenblättern, wie die Präsentation vor Augen führt: Sie reicht von Entwürfen für Skulpturen, über kurze Notizen und Reiseskizzen bis hin zu fast fertigen Blättern, die den größeren Arbeiten in nichts nachzustehen scheinen. Überhaupt existieren die Arbeiten auf Papier im Schaffen des Bildhauers gleichberechtigt neben den skulpturalen Werken.

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Friedrich B. Henkel, Marokko III, 2003, Collage. Repro: VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Frühzeitig wandte sich F. B. Henkel von der figürlichen Darstellung hin zu einem zunehmend abstrakteren, zeichenhaften Stil. Dabei dringt er jedoch stets von der konkreten Erscheinung vor Ort ausgehend zur Abstraktion vor. Reichhaltige Anregungen gewinnt der Bildhauer in unterschiedlichen Landschaftssituation. Seine Entdeckungen machte er sowohl auf Reisen nach Georgien, Italien oder Bornholm als auch im heimischen, von der Eiszeit geprägten, Landstrich um Biesenthal. Vor allem von alten Kulturen geprägte Weltgegenden bildeten ein Initial: „Traditionsfortsetzung durch innere Öffnung und Überwindung der Enge“, so F. B. Henkel selbst. Es entwickelte sich seine Sichtweise, die dem Gewachsenen sowohl in geologischen Formationen als auch antiken oder archaischen Bauten nachspürt. Hierfür steht die vielschichtige Werkgruppe, die während seiner Rumänienreise 1974 und nachfolgend entstand. In ihr zeigt sich exemplarisch, wie sich der Künstler, fasziniert von regionalen Besonderheiten, von konkreter Figürlichkeit hin zur Abstraktion in vorsichtigen Schritten bewegt. Am Ende stehen unter anderem die Steincollagen (1976/77), die in ihrer experimentellen Form damals ungewöhnlich für die Kunst in der DDR waren.

Arbeitete F. B. Henkel anfangs viel mit Gips für Metallgüsse, so zeigt er sich doch immer offen für Experimente und seit Mitte der 1970er-Jahre rückte immer mehr der Stein ins Zentrum seiner Arbeit und in jüngster Zeit auch das Holz. Die Werke der letzten Jahrzehnte heben sich aus landschaftlichen Gefilden wie poetische Zeichen empor oder lassen in Felsformen anthropomorphen Charakter hervortreten.

Zur Ausstellungstournee ist ein umfangreiches Katalogbuch im Lukas Verlag Berlin 2017 erschienen.

 

ma/PM

noch bis 16. Juni 2019

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst

Dieselkraftwerk | Uferstr. / Am Amtsteich 15, 03046 Cottbus

Veranstaltungen zur Ausstellung:

Dienstag 7. Mai, 16.30 Uhr Führung mit Kustos Jörg Sperling

Sonntag 16. Juni, 16 Uhr Finissage und Künstlergespräch mit Friedrich B. Henkel

 

 

 

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