Toter Dichter, lebendiges Programm

Der Club der toten Dichter ist eine Art Erfindung des Musikers Reinhardt Repke (u.a. Rockhaus). Sein Ziel ist quasi eine Art Neuentdeckung des lyrischen Werks der Poeten durch die Einbindung in Musik. In den letzten zehn Jahren wurde unter anderem Heinrich Heine, Wilhelm Busch und Friedrich Schiller gehuldigt – mit verschiedenen Gastsängern. Für die künstlerische Verneigung vor der amerikanischen Dichterlegende Charles Bukowski konnte Schauspieler und Musiker Peter Lohmeyer gewonnen werden. Reinhardt Repke: „Mir wurde klar, da muss jemand ran, der mit Text und Wort anders umgeht, der einen anderen Zugang zum Text hat. Zum Beispiel ein Schauspieler. Ich habe also überlegt und mir kam Peter in den Kopf, dessen Stimme man ja kennt. Ich habe Kontakt zu ihm aufgenommen, und schnell stellte sich heraus, dass er genau so jemand ist, wie ich ihn im  Kopf hatte.“
Für Peter Lohmeyer zur Freude, aber nicht zum bedingungslosen Okay. „Für mich war natürlich wichtig, eine Basis über das Interesse an Bukowski hinaus zu finden. Wenn da jetzt nur Texte ausgewählt worden wären, so nach dem Bukowski-Klischee  Saufen, Huren und Absturz, das hätte mich nicht interessiert. Aber so war es eben nicht, sondern es war wie bei einem Essen, wo jemand, den du noch gar nicht groß kennst, etwas für dich mit bestellt, und es schmeckt.“ Da waren sie sich dann doch schnell einig, denn auch für Reinhardt Repke ist das Werk von Bukowski entscheidend und nicht das Klischee von ihm. Die meisten sähen vor allem die Skandale, aber wenn man seine Gedichte wie „Ein Genie“ oder „Sagenhaft“ läse, erkenne man, dass er auch ein zärtlicher Beobachter gewesen sei. „Das ist auch das, was Peter durch seine Interpretation offenbart.“ Den Pass nimmt der Gelobte gern an: „Wenn ich früher seine Gedichte gelesen habe, dachte ich oft: So ist er, aber irgendwie geht’s ja nicht nur um ihn, sondern auch um mich und uns.“

Thomas Lietz
Foto: Der Club der toten Dichter mit Peter Lohmeyer. Foto: Oliver Betke

Konzert
26. Mai, 20 Uhr, Staatstheater Cottbus

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