Rubrik: Editorial

Nach einem Kurzausflug ins benachbarte europäische Ausland scherte, kurz nach dem Ortseingangsschild meiner Geburtsstadt Forst, ein sattgrün lackierter VW-Bus mit grell leuchtender Aufschrift „Zoll“, reichlich überhöhter Geschwindigkeit und einem gewagten Überholmanöver ein und zwang mich mit wilden Hand- und Kellenzeichen zum Anhalten. Es war kurz vor Mitternacht, nur ein weiteres Auto befand sich auf der von hochgeklappten Bürgersteigen umsäumten Straße – meins. „Fahrzeugpapiere und Ausweis, bitte“, rief der eine freundliche Kollege, während der andere mit Hand an der Schusswaffe der Szenerie einen besonders sicheren Anschein gab. Die Herren wiesen sich nicht aus. Stattdessen: „Kofferraum öffnen.“ Ich folgte. Dann hub der…

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Auf einer Landstraße in Friaul-Julisch Venetien, die Sonne brennt, die Straße frei, kaum Verkehr, zumindest vor meinem Auto. Die Straßenschilder sagen eindeutig: 70 km/h, die durchgehende Mittellinie: Überholverbot. Auf einmal rauscht von hinten eine Gruppe, etwa zehn italienischer Fahrzeuge an und überholt mit etwas über neunzig Sachen. Zuvorletzt ein Lkw, danach noch eine typische Zwiebacksäge mit einem Pärchen darauf. Ihr Schal flattert lustig im Wind. Danach kehrt wieder Ruhe ein auf der idyllischen Landstraße. Die Luft flirrt. Siesta, oder wie das in Italien heißt. Alle Insassen schauen sich an: Herrlich, hier in Italien. Nach zehn Minuten rollt die nächste Welle…

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Neulich, ich blätterte in meiner Zeitung herum – ich mag dieses Haptische, das Rascheln beim Umschlagen der Seiten und die Geschichten, die mir da erzählt werden – da sprang irgendwoher ein Typ heran, stellte sich vor mich groß auf – das muss einer erst mal schaffen – und  brüllte mich an: „Tach, Angst!“ Ich so: „Hä?“ Er so: „Is mein Name, kann nichts dafür!“ Ich wieder: „Warum sollte ich den kennen? Warum sollte ich Sie kennen?“ Er: „Ich stehe doch jeden Tag in Ihrer Zeitung!“ Ich: „Nein, stehen Sie nicht.“ Er: „Na klar. Kannste lesen. Auf jeder Seite.“ Ich: „Jetzt,…

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„Prima Wetter bei euch in Cottbus“, rief mir neulich ein Anrufer durchs Telefon zu. „Bei uns dahoam saufn’s regelmäßig ob“, sprach’s und legte auf. „Ja, genau“, wollte ich noch hinterherrufen, „sogar amtlich bestätigt!“, aber da piepte es schon wieder in der Leitung. Wahrscheinlich Überschwemmung und Sturzfl ut oder beides. Nach langen Monaten des Verzichts kann der geneigte Open AirVergnügte mit Beginn des Junis wieder im Sand auf stylisch verarbeiteten Euro-PalettenSitzgelegenheiten fl äzen, an lounge-igen Getränken nippen, Seitenquizzen, hipper Mugge lauschen und es sich gut gehen lassen. Ein bisschen Sonne dazu – das wird schon gut gehen. Stattfi ndet das Ganze…

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Neulich traf ich einen Wahl auf der Straße. Sagt der: „Ich werde aber ohne ,h‘ geschrieben.“ „Stimmt“, sage ich, „aber gleichzeitig erinnerst Du mich an irgendwas…“ „An einen Kalauer?“ „Nein, irgendwas mit ,h‘. Ich komme noch drauf!“ Wir laufen ein Stück gemeinsamen Weges. „Was machst Du eigentlich hier?, frage ich den Wahl. „Meine Freunde besuchen. Die liegen doch alle bei euch in den Kühltruhen. Hatte Seensucht.“ „Sehnsucht wird mit ,h‘ geschrieben. Aber warte mal, wahr da nicht noch was?“, frage ich. „Wenn ich spreche“, sagt der Wahl, „hörst Du doch gar nicht, dass ich mich mit ,h‘ schreibe. Aber davon…

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Weit, weit weg in einer Stadt am Fluss namens Hudson River gleich gegen über von Manhatten im Stadtteil Brooklyn in New York fanden sich ein paar Freunde zusammen und kreierten Anfang der 70er-Jahre Dancemoves (dt. Tanzbewegungen), die aussahen, als hätten die Menschen, die sie ausführen keine Knochen im Leibe. Folgerichtig nannten sie das Breakdance. Sie sammelten sich auf Straßen, in leerstehenden Häusern, die es damals zuhauf gab, und beschlossen, sich nicht mehr gegenseitig die Köpfe einzuschlagen und sich abzustechen oder zu erschießen, sondern sich in Dancebattles (dt. Tanzkämpfe) zu messen. Wer die besten Bewegungen auf die Dancefloors (dt. Tanzflächen) bekam,…

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Galerien haben es in Cottbus schwer. Seit langer Zeit fristen sie, zumindest in der Lausitzmetropole, ein Randdasein, sind eine Marginalie im gesellschaftlichen Leben. Die Misere begann eigentlich, manch einer mag sich daran erinnern, mit der Schließung der allseits geschätzten Galerie Eva Blobel am Altmarkt/Ecke Spremberger Straße. Dort wechselten Bilder, Grafiken und Plastiken von Lausitzer Künstlern den Besitzer, boten letzteren einen Platz zum Gedankenaustausch, wurden Pläne geschmiedet, verworfen oder spielten sich Dramen ab. Und plötzlich war sie weg. Auch die Kunstsammlungen Cottbus, gleich um die Ecke, verschwanden, wandelten sich und wurden zum Kunstmuseum dkw., dem heutigen BLmK aufgewertet. Kleinere Ausstellung(sräume)en folgten,…

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Liebe Leserinnen und Leser, Sport Frei liebe Energiefans, mir wird in dieser Ausgabe des „Hermann“ die charmante Aufgabe zuteil, anstelle der üblichen Eingangsworte von Heiko Portale ein sportliches Vorwort an Euch richten zu dürfen. Das ehrt und freut mich zugleich. Daher möchte ich diese mir anvertrauten Zeilen zu allererst dafür nutzen, noch einmal DANKE zu sagen. Ich möchte Euch allen meinen größten Respekt aussprechen, meinen Respekt für das, was Ihr geleistet habt, damit wir im vergangenen Jahr eine so grandiose Saison spielen und am Ende so erfolgreich sein konnten. So ein bedingungsloser Rückhalt ist weder normal, noch zu erwarten –…

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Man traut sich ja schon gar nicht mehr vor die Tür. Am liebsten würde man drin bleiben. Schon gar nicht zu einer Open-Air-Veranstaltung oder einem Stadtfest gehen. Man muss auf alles gefasst sein. Im Rheinischen hat es vor kurzen zwei junge Frauen niedergestreckt. Es ging alles so schnell. Zum Glück haben sie es überlebt. Keine bleibenden Schäden. Eben noch war alles schön und friedlich, und quasi ein paar Sekunden später ist die Hölle los. Aus heiterem Himmel könnte man meinen. Dabei hatten die nicht mal davor gewarnt. Hier sollte alles ruhig bleiben. In Süddeutschland, da ging es bis vor kurzem…

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Wie es aussieht, wird demnächst eines der wichtigsten Häuser der Cottbuser Kunstszene seine Pforten schließen. Jahrelang gaben sich hier bekannte und weniger bekannte Künstler ein Stelldichein, wurde der Musik, der bildenden Kunst und dem Tanz gehuldigt. Hier gab es Konzerte, die waren dermaßen grandios, dass man lange noch darüber sprach. Nicht selten schossen die Anekdoten über das Wer-mit-Wem und Wann-Wodurch noch Jahre später wie Unkraut durch eine Wiese. Hier wurden Künstler groß und gefeiert. Hier wechselten Mitstreiter in noch größere, noch wichtigere Häuser oder nahmen wichtige Positionen in anderen wichtigen, noch bekannteren Gremien ein. Es gab schöne Feste, Kunst wurde…

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