Rubrik: Editorial

Das Ende ist nah. Der Anfang winkt schon am Horizont. Ab 1. Januar befinden wir uns in den 20er-Jahren. Naja, eigentlich auch nicht, weil man sich rein rechnerisch eigentlich erst ab 2021 darin befindet, aber haben wir uns einfach mal nicht so. Vor hundert Jahren war der erste große Krieg überstanden, die Weimarer Republik wird bald gegründet, die Weltwirtschaftskrise steht bevor und der Zweite Weltkrieg zeigt seine düsteren Schatten am Horizont. Gleichzeitig gibt es einen nie dagewesenen Schwung in der Gesellschaft, es entsteht Kunst an jeder Ecke. Bauhaus erlebt eine Blütezeit, das Cabaret erobert die Konzerthäuser. Der Berliner Slogan „arm,…

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All morgendlich auf dem Weg zur Arbeit stehe ich an einer dicht befahrenen Straße. Da sind zwar nur 30km/h zugelassen, es gibt auch eine Mittelinsel, dennoch warte ich an jeder der zwei Richtungsfahrbahnen mindestens 3 bis 5 Minuten, um alle Autos einer Ampelphase, die sich jeweils 50 Meter entfernt befindet, durchzulassen. Manchmal halten die Gefährte auch inmitten der Verkehrsinsel. Alle, die wir da stehen, denken dann gemeinsam darüber nach, wie es wohl aussehen würde, wenn wir spontan einen Alpinverein gründeten und das Hindernis gemeinsam überkletterten. Problematisch dabei ist immer die Fahrrad- und Kinderwagenmitnahme. Wir verwerfen den Gedanken schnell und schreien…

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Neulich habe ich eine Radtour gemacht. Einfach so. Eine Runde rum ist immer mein Motto. Diesmal sollte es der künftige Ostsee sein. Ich wollte keine Landstraßen fahren. Zwischen den Lkws mit dem Fahrrad, dass fährt sich auch nicht. Die Strecke war absehbar, keine 30 Kilometer, passend für den Abend. Die Sonne schien. Hinterm Neuendorfer Teich endete die asphaltierte Strecke jedoch abrupt an einem 1 Meter hohen Rohr, dahinter Unkraut, Büsche, Weltende. Ein ausgetretener Weg führte links in den Wald hinein. Egal. Sandwege halt, da muss man durch. Das Rohr muss da sicher liegen, ist ja Bergbauland hier. Der Weg endete…

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Neulich meldete mein Magen ans Kleinhirn: Leer! Nachschub! Energie! Mein Gefühl schaltete sich ein und meinte: Was Schönes, außerhalb Deiner vier Wände und nimm Freunde mit … Der Verstand antwortete: Suche Restaurant, am besten sauber, dass Deine Darmflora nicht leidet! Klare Aufgabenstellung, Freunde gefunden und los ging’s. Mittwochabend 21.30 Uhr. Essengehen in Cottbus. So spät essen, ist ja gar nicht gut, hörte ich noch irgendwelchen Eingebungen zu. Nicht so fett, eher leicht, vielleicht was mit Salat, duftenden Tees und leichtem Wein. Ein bisschen Ambiente. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Dachten wir. Ach, rief einer, lass uns doch mal was ausprobieren. In jüngster…

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Nach einem Kurzausflug ins benachbarte europäische Ausland scherte, kurz nach dem Ortseingangsschild meiner Geburtsstadt Forst, ein sattgrün lackierter VW-Bus mit grell leuchtender Aufschrift „Zoll“, reichlich überhöhter Geschwindigkeit und einem gewagten Überholmanöver ein und zwang mich mit wilden Hand- und Kellenzeichen zum Anhalten. Es war kurz vor Mitternacht, nur ein weiteres Auto befand sich auf der von hochgeklappten Bürgersteigen umsäumten Straße – meins. „Fahrzeugpapiere und Ausweis, bitte“, rief der eine freundliche Kollege, während der andere mit Hand an der Schusswaffe der Szenerie einen besonders sicheren Anschein gab. Die Herren wiesen sich nicht aus. Stattdessen: „Kofferraum öffnen.“ Ich folgte. Dann hub der…

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Auf einer Landstraße in Friaul-Julisch Venetien, die Sonne brennt, die Straße frei, kaum Verkehr, zumindest vor meinem Auto. Die Straßenschilder sagen eindeutig: 70 km/h, die durchgehende Mittellinie: Überholverbot. Auf einmal rauscht von hinten eine Gruppe, etwa zehn italienischer Fahrzeuge an und überholt mit etwas über neunzig Sachen. Zuvorletzt ein Lkw, danach noch eine typische Zwiebacksäge mit einem Pärchen darauf. Ihr Schal flattert lustig im Wind. Danach kehrt wieder Ruhe ein auf der idyllischen Landstraße. Die Luft flirrt. Siesta, oder wie das in Italien heißt. Alle Insassen schauen sich an: Herrlich, hier in Italien. Nach zehn Minuten rollt die nächste Welle…

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Neulich, ich blätterte in meiner Zeitung herum – ich mag dieses Haptische, das Rascheln beim Umschlagen der Seiten und die Geschichten, die mir da erzählt werden – da sprang irgendwoher ein Typ heran, stellte sich vor mich groß auf – das muss einer erst mal schaffen – und  brüllte mich an: „Tach, Angst!“ Ich so: „Hä?“ Er so: „Is mein Name, kann nichts dafür!“ Ich wieder: „Warum sollte ich den kennen? Warum sollte ich Sie kennen?“ Er: „Ich stehe doch jeden Tag in Ihrer Zeitung!“ Ich: „Nein, stehen Sie nicht.“ Er: „Na klar. Kannste lesen. Auf jeder Seite.“ Ich: „Jetzt,…

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„Prima Wetter bei euch in Cottbus“, rief mir neulich ein Anrufer durchs Telefon zu. „Bei uns dahoam saufn’s regelmäßig ob“, sprach’s und legte auf. „Ja, genau“, wollte ich noch hinterherrufen, „sogar amtlich bestätigt!“, aber da piepte es schon wieder in der Leitung. Wahrscheinlich Überschwemmung und Sturzfl ut oder beides. Nach langen Monaten des Verzichts kann der geneigte Open AirVergnügte mit Beginn des Junis wieder im Sand auf stylisch verarbeiteten Euro-PalettenSitzgelegenheiten fl äzen, an lounge-igen Getränken nippen, Seitenquizzen, hipper Mugge lauschen und es sich gut gehen lassen. Ein bisschen Sonne dazu – das wird schon gut gehen. Stattfi ndet das Ganze…

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Neulich traf ich einen Wahl auf der Straße. Sagt der: „Ich werde aber ohne ,h‘ geschrieben.“ „Stimmt“, sage ich, „aber gleichzeitig erinnerst Du mich an irgendwas…“ „An einen Kalauer?“ „Nein, irgendwas mit ,h‘. Ich komme noch drauf!“ Wir laufen ein Stück gemeinsamen Weges. „Was machst Du eigentlich hier?, frage ich den Wahl. „Meine Freunde besuchen. Die liegen doch alle bei euch in den Kühltruhen. Hatte Seensucht.“ „Sehnsucht wird mit ,h‘ geschrieben. Aber warte mal, wahr da nicht noch was?“, frage ich. „Wenn ich spreche“, sagt der Wahl, „hörst Du doch gar nicht, dass ich mich mit ,h‘ schreibe. Aber davon…

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Weit, weit weg in einer Stadt am Fluss namens Hudson River gleich gegen über von Manhatten im Stadtteil Brooklyn in New York fanden sich ein paar Freunde zusammen und kreierten Anfang der 70er-Jahre Dancemoves (dt. Tanzbewegungen), die aussahen, als hätten die Menschen, die sie ausführen keine Knochen im Leibe. Folgerichtig nannten sie das Breakdance. Sie sammelten sich auf Straßen, in leerstehenden Häusern, die es damals zuhauf gab, und beschlossen, sich nicht mehr gegenseitig die Köpfe einzuschlagen und sich abzustechen oder zu erschießen, sondern sich in Dancebattles (dt. Tanzkämpfe) zu messen. Wer die besten Bewegungen auf die Dancefloors (dt. Tanzflächen) bekam,…

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