Rubrik: Editorial

Der Sommer ist vorüber. Von mir aus hätte er gern noch etwas bleiben können. Seit 1. September ist kalendarischer Herbst. Das klingt schon so wie kalte, glitschige Schlieren auf der Straße, mit angefeuchteten Blättern auf Gehwegen und in Parks, die von Bäumen fallen, die sich mal langsamer mal schneller entlauben. Wind pfeift um die Häuser und dringt durch alle Ritzen. Die Heizungen brummen wieder. Tage bleiben dunkel. Eine Zeitlang hatte ich die Hoffnung, dass der Klimawandel wirklich kommt und es bei uns wärmer wird. Das merken anscheinend aber nur die Insekten, die fremdartig über uns hereinfallen und nichts anders im…

Teilen.

Liebe Leser*innen, es ist eine ganz besondere Ehre, mich mit den Eingangsworten dieser Ausgabe des „hermann“ an Euch richten zu dürfen. Zuallererst möchte ich die mir anvertrauten Zeilen dafür nutzen, um noch einmal DANKE zu sagen. Ich möchte Euch meinen größten Respekt aussprechen. Meinen Respekt dafür, was Ihr in den zurückliegenden Wochen und Monaten geleistet habt, um gemeinsam mit uns, unseren FC Energie durch diese Pandemie zu manövrieren und die zuletzt wenig sportliche Entscheidung in der Liga wegzustecken. Ihr wart bereit „Antikörper“ zu kaufen, habt auf die Erstattung von Dauerkarten verzichtet, gespendet und uns viel Zuspruch gegeben. Ich möchte Euch…

Teilen.

Längsstreifen am Empfangsgebäude des Cottbuser Bahnhofs hinterließen jüngst mächtige Spuren im Zeitungsdschungel, sie sollten ein verstecktes Zeichen auf den Klimawandel sein. Dabei war es nur eine Reminiszenz an das Aussehen des alten Bahnhofs, sagt einer der Künstler von Strauss und Hillegaart. Obwohl die Meldung nicht aus der Luft gegriffener zu sein schien, können solche Infos nicht oft genug medial auftauchen – einfach, um Cottbus mal aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Wären die vermeldenden Kollegen auch nur ein paar Meter weitergegangen, hätten vielleicht sogar den neuen Bahnhofstunnel durchschritten, dann hätte es passieren können, dass sie die Landung von Außerirdischen zu…

Teilen.

Egal wie, der Spargel ist auch in der Lausitz an den Verkaufsständen angekommen. Unfassbar eigentlich. Nach den Schwierigkeiten mit den Erntehelfern, den merkwürdigen Witterungsverhältnissen und Covid19. Und obwohl weißer Spargel den Nährwert einer länger nicht gespülten Suppentasse hat, unangenehme Gerüche verbreitet und mitnichten die Nieren reinigt, ist er bis 26. Juni neben Erdbeeren das Essen der Stunde. Trotz des vernachlässigbaren Nährwerts: Wenn man ein Tässchen zerlassene Butter mit leicht angerösteten Semmelbröseln – natürlich biologisch einwandfrei erzeugt – darüber kippt oder ihn mit frischen Schinken umwickelt, dann nehme ich auch gern ein Stängchen mehr. Wäre da nur nicht die Schälerei. Stundenlang…

Teilen.

Neulich habe ich an Urlaub gedacht. Richtig fett: Malediven, Mauritius, Portugal, Japan, Cuba. Hauptsache weit weg. Globus drehen und Ziel tippen. Und dann Bücher rausholen, Geschichten drüber lesen als Vorbereitung: mit Captain Ahab einen Wal fangen oder Seewolf Raimund Harmstorf beim Kartoffelzerdrücken zugucken, mit Winnetou durch die Prärie streifen, mit Unn auf die Inseln fahren, Egon Erwin Kischs Reportagen folgen oder Ernest Miller Hemingway in Havanna eine selbige anstecken. Ein Träumchen, würde Horst Lichter sagen. Überhaupt, wer in der DDR aufgewachsen ist, fühlt sich dieser Tage vielleicht auch wieder dahin versetzt: Blockwart-Mentalität, Eingesperrtsein, geschlossene Grenzen, Bückwaren. Aus dem Mangelleben heraus…

Teilen.

Vor ein paar Jahren lud ein Autokonzern Journalisten nach Valencia ein. Wir sollten ein neues Auto testfahren. In Zwei-Mann-Besatzungen wurden wir mit Landkarten bestückt und zu zweit in die Fahrzeuge verfrachtet. Mit Landkarten – so wurden die Navigationsgeräte damals bezeichnet. Start war am Flughafen, Ziel, ein Hotel in der Pampa. Nach kurzen Passagen auf unbedeutenden Nebenstraßen, gelangten wir auf die Avenida de Cataluña. Breit, schnell, fünf Spuren, ein Traum für Autofahrer. Ich fuhr. Fünf Spuren, um mich herum viele Autos, hupend, mit mindestens 70 km/h, ich hielt mich an die vorgeschriebenen 50 km/h. Blitzerbilder sind in Spanien teuer. Die Straße…

Teilen.

Neulich auf einem Bahnsteig. Der Wind pfiff, die Dampflok auf dem gegenüberliegenden Gleis auch, nur anders. Ich überlegte: Soll ich die Lok fotografieren? Die Finger wurden kalt. Ach, warum nicht, wo sieht man heutzutage noch Dampfloks unter Dampf? Ich positionierte mich etwas weiter weg, so eine Lok hat eine gewisse Länge, die muss erstmal ins Kleinbildformat passen. Da schiebt sich von links ein Vater mit seinem Kind ins Bild. Er, ganz Papa, begibt sich auf die Höhe des Kindes und erklärt ihm die Funktionsweise einer Dampfmaschine, vermute ich. Während er in die Hocke geht, offenbart sich das tiefste Bauarbeiter-Dekolleté, das…

Teilen.

Konsequente Anwendung von Umweltschutz und CO2-Neutralität werden bald auch Karnevalsumzüge in den Innenstädten unmöglich machen. Lkw-Lastzüge und Traktoren-Gespanne blasen auf ihrem Weg durch die Stadt im Schritttempo wahrscheinlich so viel Dieselruß in die Luft, wie mehrere Kreuzfahrtschiffe bei voller Kraft gleichzeitig. Das atmen die zig-Tausenden Besucher dann jedes Jahr ein. Wer also jemals an einem solchen Umzug teilgenommen hat, sollte unbedingt seine Lunge testen lassen. Gut möglich, dass das Ergebnis die Bevölkerung beunruhigen kann. Einfache Lösung: Karnevalisten ziehen ihre bunten Wagen in Zukunft wieder selber oder besorgen sich umweltgerechte Kraftanlagen. Segel könnten auch helfen, je nach Wind kommt der Umzug…

Teilen.

Das Ende ist nah. Der Anfang winkt schon am Horizont. Ab 1. Januar befinden wir uns in den 20er-Jahren. Naja, eigentlich auch nicht, weil man sich rein rechnerisch eigentlich erst ab 2021 darin befindet, aber haben wir uns einfach mal nicht so. Vor hundert Jahren war der erste große Krieg überstanden, die Weimarer Republik wird bald gegründet, die Weltwirtschaftskrise steht bevor und der Zweite Weltkrieg zeigt seine düsteren Schatten am Horizont. Gleichzeitig gibt es einen nie dagewesenen Schwung in der Gesellschaft, es entsteht Kunst an jeder Ecke. Bauhaus erlebt eine Blütezeit, das Cabaret erobert die Konzerthäuser. Der Berliner Slogan „arm,…

Teilen.

All morgendlich auf dem Weg zur Arbeit stehe ich an einer dicht befahrenen Straße. Da sind zwar nur 30km/h zugelassen, es gibt auch eine Mittelinsel, dennoch warte ich an jeder der zwei Richtungsfahrbahnen mindestens 3 bis 5 Minuten, um alle Autos einer Ampelphase, die sich jeweils 50 Meter entfernt befindet, durchzulassen. Manchmal halten die Gefährte auch inmitten der Verkehrsinsel. Alle, die wir da stehen, denken dann gemeinsam darüber nach, wie es wohl aussehen würde, wenn wir spontan einen Alpinverein gründeten und das Hindernis gemeinsam überkletterten. Problematisch dabei ist immer die Fahrrad- und Kinderwagenmitnahme. Wir verwerfen den Gedanken schnell und schreien…

Teilen.