Rubrik: katzensprünge in der lausitz

Besuch in der Löwen-Apotheke Cottbus Stellen sie sich vor, sie haben Nierenschmerzen und der Apotheker empfiehlt ihnen Kellerasseln als Mittel der Wahl. Die kleinen Krebstiere werden im Mörser zerstampft und mit Honig verrührt. Dreimal täglich wird die klebrige, graue Paste per Löffel verabreicht. Die Logik dahinter: Kellerasseln leben unter Steinen, also helfen sie auch beim Nierenstein. Außerdem erinnert der bei Gefahr eingerollte Körper stark an die schmerzverkrümmten Leiber der leidenden Patienten. Mögen wir über die Wundermittel des Mittelalters schmunzeln – zum Beispiel über getrocknete Kreuzspinnen bei Migräne oder gedörrte Rehaugen gegen Zahnschmerzen – wir alle haben gerade ein Jahr erlebt,…

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Auf eine Zigarette in der Cottbuser Galerie und Kultkneipe Die Räumlichkeiten einer Kneipe am frühen Nachmittag zu betreten hat etwas Unwirkliches. Die meisten Cottbuser werden sicher einmal die Schwungtür zur Marie23 aufgestoßen haben und schon war man drin in einer verheißungsvollen Nacht. Jetzt, zum verabredeten Treff um 14 Uhr sitzen keine rauchenden Menschen an der Bar und erzählen sich ihre Kuriositäten. Ich bin allein. Es ist ziemlich dunkel und sehr, sehr still. Draußen im Garten treffe ich Kneipier Ulli Barthel und den langjährigen Kustos des Kunstmuseums Dieselkraftwerk, Jörg Sperling. Die Sonne scheint sporadisch, aber zum draußen sitzen reicht‘s. Ulli Barthel…

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Rundgang im Haus Schminke Mit diesem Katzensprung reisen wir zurück in die 20er- und 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts und betreten die faszinierende Welt der Architektur. Das Ende des ersten Weltkrieges gilt heute als Epochenbeginn der Klassischen Moderne. Wobei wie überall gilt: Die zeitlichen Grenzen sind fließend und vor allem umfasste diese Ära (bis in die 1960er-Jahre) ganz verschiedene Stile der modernen Architektur. Expressionistische Objekte könnten gar nicht gegensätzlicher zur Neuen Sachlichkeit stehen, Bauhaus folgte einer anderen Philosophie als Organisches Bauen und trotzdem gehören jene Stile zur Klassischen Moderne. Was eint, ist die Verwendung der Baumaterialien Beton, Glas und Stahl und…

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Upload im Zuse-Computer-Museum Hoyerswerda Es ist nicht übertrieben, wenn man die Erfindung des Computers neben Innovationen menschlicher Geistesgröße nennt, wie die Erfindung des Rades oder dem Einsatz der Dampfmaschine. Die neueste Stufe der Evolution wurde erst vor einem Wimpernschlag betreten und keiner weiß, wie diese Reise endet: das digitale Zeitalter. Oberlausitz. Neunzehnhundertdreiundzwanzig. Der 13-jährige Konrad muss mal wieder in eine andere Stadt mit den Eltern und der großen Schwester ziehen. Geboren 1910 in Deutsch-Wilmersdorf bei Berlin, geht es über das ostpreußische Braunsberg nach Hoyerswerda. Sein Vater ist Postbeamter und versucht, Karriere zu machen. Das Familienverhältnis ist stark. Konrad wird über…

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Besuch im Lessing-Museum in Kamenz Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner für die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in seinen Klauen fort. Und eben wollte, er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich ein Fuchs herbei schlich und ihm zurief: „Sei mir gesegnet, Vogel des Jupiters!“ „Für wen siehst du mich an?“, fragte der Rabe. „Für wen ich dich ansehe?“, erwiderte der Fuchs. „Bist du nicht der rüstige Adler, der täglich von der Rechten des Zeus auf diese Eiche herabkommt, mich Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in der…

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Spurensuche mit der Hebamme Carmen Gennermann Als 1970 in Chile der Sozialist Salvador Allende in freier, demokratischer Wahl zum Präsidenten gewählt wurde, schrillten in Washington die Alarmglocken. Der damalige US-Außenminister Henry Kissinger wörtlich: „Ich sehe nicht ein, weshalb wir zulassen sollen, dass ein Land marxistisch wird, nur weil die Bevölkerung unzurechnungsfähig ist.“ Sofort wird die gesamte Palette an offiziellen und geheim-operativen Maßnahmen losgetreten: wirtschaftlicher und politischer Boykott, Attentate und schließlich der Putsch. Am 11. September 1973 übernimmt die Militär-Junta unter General Augusto Pinochet die Macht im Andenland. In den Folgejahren werden tausende Oppositionelle verhaftet, gefoltert und nicht selten umgebracht. Schon…

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Stippvisite bei Iphigenie auf Guben Die heilige Corona war eine frühchristliche Märtyrerin. Sie wurde an zwei herabgebogenen Palmen gefesselt und beim Emporschnellen in Stücke gerissen. Festhalten bitte: Sie ist die Schutzpatronin des Geldes (Soforthilfe), der Fleischer (Tiermarkt Wuhan) und der Schatzgräber (Pharmaindustrie). Corona ist aber auch ein wunderschöner Vorname. Um eine berühmte Namensträgerin soll es heute gehen, denn der Begriff Corona kann positiv besetzt sein. Dafür begebe ich mich nach Guben, denn Corona Schröter erblickte 1751 in unserer Neißestadt in der Niederlausitz das Licht der Welt. Um zu erklären wer Corona Schröter war, müssen wir uns ins Zeitalter der Aufklärung…

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Corona und der Tierpark Cottbus Es ist Anfang April und die Corona-Krise bestimmt die Nachrichten. Ob eine Lockerung der umfangreichen Maßnahmen nach den Osterferien möglich wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar. Als Schreiberling einer Kolumne über Sehenswertes in der Lausitz, stehe ich vor der Herausforderung: Was schreiben? Museen, Schlösser, Ausstellungen und ähnliche Ausflugsziele sind geschlossen. Landschaftliche Höhepunkte sind zwar erlaubt (mit den bekannten Kontaktbeschränkungen), aber machen mehr Spaß, wenn man nach dem Spaziergang irgendwo einkehren kann. In Zeiten von #StayAtHome ergibt das wenig Sinn. Daher besuche ich eine Institution, bei der ich mich frage, welche Auswirkungen die pandemiebedingte…

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oder: Besuch beim Pädagogischen Zentrum für Natur und Umwelt Cottbus Alle, die einmal in ihrem Leben ein blaues Pionierhalstuch trugen, dürfen nun wissend mit dem Kopf nicken. In der DDR gab es neben dem Werkunterricht ein weiteres bemerkenswertes Pflichtfach, nämlich Schulgarten. Ich erinnere mich an eine recht strenge Durchführung, aber das mag bei jedem anders gewesen sein. Meine Klasse stand unbedarft um ein Beet herum, wer quatschte wurde angeschnauzt und die Lehrerin zeigte uns, was anlag: Unkraut jäten, umgraben, Zwiebeln stecken. Dann kam der schöne Teil, selber Hand anlegen, aber auch das durften nur ausgewählte Schüler und so standen wir…

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Auf den Spuren von Meister Isegrim Der Wecker klingelt um 4:15 Uhr und ich springe aus dem Bett. Nur zwei Stunden Schlaf wurden dem Geiste abgetrotzt, denn ich trug diese seltsame Aufgeregtheit in mir, als gehe es auf große Reise. Leise laufen die morgendlichen Abfolgen ab. Im Rucksack werden Thermoskanne, Proviant, Fotokamera und ein Fernglas verschnürt. Draußen ist Vollmond. Wie passend, denke ich mir, und dann geht es zum verabredeten Treffpunkt. Es gibt sicher einige Anbieter dieser Art Erlebnistrip, ich habe einfach im Internet geschaut und nach Gefühl gebucht und heute ist es soweit. Die Tour heißt: „Ein Tag unter…

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