Rubrik: katzensprünge in der lausitz

Eine absurde Situation: Eine Übernachtung im Spreewald ist verboten, eine Reise nach Mexiko oder Spanien hingegen nicht. Nun gut, dachte ich und suchte mir für eine Erkundungstour im März Albanien aus. Und kam dort aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Was für ungute, ja düstere Vorstellungen haben wir von dem südeuropäischen Land. Wir denken an Armut, Kriminalität und Blutrache. Stattdessen begrüßt uns der touristisch noch recht weiße Fleck als ein „normal“ funktionierendes Land mit pulsierenden Städten und atemberaubenden Landschaften. Natürlich gibt es noch viele der Bunker, die Staatschef Enver Hodscha ab den 70er-Jahren für einen „Volkskrieg“ gegen „Feinde“ von…

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Auf einen Kaffee mit Martin und Susanne Tiede Ich behaupte mal salopp: Jeder Cottbuser kennt das Haus in der Thiemstraße 118, also die Stadtvilla an der Ecke Thiemstraße/Leipziger-Straße – gleich beim Carl-Thiem-Klinikum – und man fragt sich: Wer wohnt darin? Augen weiten, Ohren spitzen, hier kommt die Antwort. Doch zunächst, ganz von vorn: Wir hatten in Cottbus einen legendären Architekten namens Hellmuth Schröder. Der Mann war zehn Jahre (1927-37) Cottbuser Stadtbaurat und hat sich mit seinen Bauten ins Stadtbild und unser Gedächtnis eingegraben. Wir alle gehen wahrscheinlich täglich an Gebäuden vorbei, für die Hellmuth Schröder verantwortlich war. Das Sandower Warmbad…

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Führung auf dem Hauptfriedhof Forst Seit einem Jahr haben wir als Kollektiv nicht nur über Mikroorganismen dazugelernt, sondern stehen auch in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem über alles stehenden Finale. Täglich konsumieren wir Begrifflichkeiten wie Übersterblichkeit, Infektionssterblichkeit, Sterbefallzahlen, Todesraten, Corona-Tote… Grund genug, die letzte Ruhestätte einmal genauer wahrzunehmen. Ich treffe mich mit Barbara Petri auf dem Hauptfriedhof in Forst. Die gebürtige Vogtländerin kennt den Ort genau, schließlich arbeitete sie hier 30 Jahre lang in der Friedhofsverwaltung – 20 davon als Leiterin des Krematoriums. Seit einigen Jahren führt sie interessierte Besucher über die Begräbnisstätte. Es ist ein grauer Tag und sehr,…

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Eine Bahnfahrt durch die Lausitz So ziegelrote Perlen auf der Görlitzer Strecke, Uhsmannsdorf, Hähnichen, Rietschen, Weißwasser. Was sprachen die Wartenden miteinander? Worüber fluchten, lachten sie, 1918-20 schon einmal maskentragend? Schleife, Spremberg hinauf ins Brandenburgische, Bagenz, diese wohlüberlegten, gelungenen nutzbaren Gebäude, aus Ziegel, Fuge, Fenster, Dachschräge und Tür. Drinnen Öfen für die Wartenden. Ein extra Gleisabzweig für den einen Waggon jeden Tag, der blieb und Güter geladen hatte, Mehl, Tierfutter, gepresste Kohlen. Fuhrwerke näherten sich, die Rampe des Bahnhofs hatte die Höhe der Anhängerfläche. Man schleppte Säcke, Stiegen, Kiepen, Klafter, schon Flachbildschirme auf die Ladeflächen, deren Bildschirmdiagonale lang wie die Deichsel…

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Das Piccolo Theater Cottbus hat 30. Geburtstag Uff. Es ist geschafft. Wir haben das denkwürdige Jahr 2020 hinter uns gelassen und schweben itzo in jenem Zustand, wie nach einem heftigen Streit mit einer nahen Person – wütend noch, seelisch verletzt, aber irgendwie ist die Wucht verpufft und das ist gut so. Wie auch immer sich Anno 2021 entwickeln wird, ob wir weiter zähe, politische Grabenkämpfe vorantreiben oder einhellig Wegweisern folgen, eines ist gewiss: der kleinste gemeinsame Nenner sind unsere Kinder. Und hier tritt das Piccolo Theater Cottbus ins Spiel. Seit dreißig Jahren ist die Kinder- und Jugendtheaterbühne da. Punkt. Sie…

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Besuch in der Löwen-Apotheke Cottbus Stellen sie sich vor, sie haben Nierenschmerzen und der Apotheker empfiehlt ihnen Kellerasseln als Mittel der Wahl. Die kleinen Krebstiere werden im Mörser zerstampft und mit Honig verrührt. Dreimal täglich wird die klebrige, graue Paste per Löffel verabreicht. Die Logik dahinter: Kellerasseln leben unter Steinen, also helfen sie auch beim Nierenstein. Außerdem erinnert der bei Gefahr eingerollte Körper stark an die schmerzverkrümmten Leiber der leidenden Patienten. Mögen wir über die Wundermittel des Mittelalters schmunzeln – zum Beispiel über getrocknete Kreuzspinnen bei Migräne oder gedörrte Rehaugen gegen Zahnschmerzen – wir alle haben gerade ein Jahr erlebt,…

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Auf eine Zigarette in der Cottbuser Galerie und Kultkneipe Die Räumlichkeiten einer Kneipe am frühen Nachmittag zu betreten hat etwas Unwirkliches. Die meisten Cottbuser werden sicher einmal die Schwungtür zur Marie23 aufgestoßen haben und schon war man drin in einer verheißungsvollen Nacht. Jetzt, zum verabredeten Treff um 14 Uhr sitzen keine rauchenden Menschen an der Bar und erzählen sich ihre Kuriositäten. Ich bin allein. Es ist ziemlich dunkel und sehr, sehr still. Draußen im Garten treffe ich Kneipier Ulli Barthel und den langjährigen Kustos des Kunstmuseums Dieselkraftwerk, Jörg Sperling. Die Sonne scheint sporadisch, aber zum draußen sitzen reicht‘s. Ulli Barthel…

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Rundgang im Haus Schminke Mit diesem Katzensprung reisen wir zurück in die 20er- und 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts und betreten die faszinierende Welt der Architektur. Das Ende des ersten Weltkrieges gilt heute als Epochenbeginn der Klassischen Moderne. Wobei wie überall gilt: Die zeitlichen Grenzen sind fließend und vor allem umfasste diese Ära (bis in die 1960er-Jahre) ganz verschiedene Stile der modernen Architektur. Expressionistische Objekte könnten gar nicht gegensätzlicher zur Neuen Sachlichkeit stehen, Bauhaus folgte einer anderen Philosophie als Organisches Bauen und trotzdem gehören jene Stile zur Klassischen Moderne. Was eint, ist die Verwendung der Baumaterialien Beton, Glas und Stahl und…

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Upload im Zuse-Computer-Museum Hoyerswerda Es ist nicht übertrieben, wenn man die Erfindung des Computers neben Innovationen menschlicher Geistesgröße nennt, wie die Erfindung des Rades oder dem Einsatz der Dampfmaschine. Die neueste Stufe der Evolution wurde erst vor einem Wimpernschlag betreten und keiner weiß, wie diese Reise endet: das digitale Zeitalter. Oberlausitz. Neunzehnhundertdreiundzwanzig. Der 13-jährige Konrad muss mal wieder in eine andere Stadt mit den Eltern und der großen Schwester ziehen. Geboren 1910 in Deutsch-Wilmersdorf bei Berlin, geht es über das ostpreußische Braunsberg nach Hoyerswerda. Sein Vater ist Postbeamter und versucht, Karriere zu machen. Das Familienverhältnis ist stark. Konrad wird über…

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Besuch im Lessing-Museum in Kamenz Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner für die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in seinen Klauen fort. Und eben wollte, er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich ein Fuchs herbei schlich und ihm zurief: „Sei mir gesegnet, Vogel des Jupiters!“ „Für wen siehst du mich an?“, fragte der Rabe. „Für wen ich dich ansehe?“, erwiderte der Fuchs. „Bist du nicht der rüstige Adler, der täglich von der Rechten des Zeus auf diese Eiche herabkommt, mich Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in der…

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