Rubrik: FilmFestival Cottbus

Ein herrlicher Vormittag. Die Sonne kitzelt emsig Farbe aus den gelben Blättern, der Herbst steht in vollem Gold. Ich spaziere zum Gladhouse, wo mich wieder zwei slowakische Klassiker erwarten. Die Glocken für die Barfüßigen Am Ende des Zweiten Weltkriegs in den verschneiten Bergen der Tatra. Zwei slowakische Partisanen nehmen einen jungen deutschen Soldaten gefangen. Sie wollen ihn erschießen, da er ihnen auf der Suche nach ihren Kameraden zur Last fällt. Doch können sie es nicht. Als das Blatt sich später wendet und das Leben der beiden in der Hand des Wehrmachts-Soldaten liegt, bringt auch er es nicht übers Herz, die…

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Sughras Söhne Ilgar Najaf wirft einen galligen Blick auf sein Heimatland Aserbaidschan während des Zweiten Weltkriegs. In poetischen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, zeigt der Film eine Familie in Auflösung. Sughras Mann war an der Front, ist inzwischen aber desertiert. Auch ihr Schwager hat sich dagegen entschieden, für die Sowjets sein Leben zu riskieren, und versteckt sich in den Bergen. Dorthin geht auch Sughras ältester Sohn, als er seine Einberufung erhält. Der jüngere wird zum Kurier zwischen der Mutter und den Geflohenen … Der Film ist in der Aussage leider zu holzschnitt-artig, zu schwarz-weiß geraten. So ist der widerwärtigste Mensch des Dorfes auch…

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Durch den notorischen Regen stiefele ich zunächst zum Gladhouse. Dort gibt es aus der Rubrik Spotlight Slovensko zwei slowakische Filme zum Hundertjährigen Jubiläum des dortigen Filmwesens. Der Drache kehrt zurück Töpfer Martin kehrt nach Jahren in sein mittelalterliches Bergdorf zurück. Ein rauer, vernarbter Gesell. Sofort wird ihm von den Bewohnern die Schuld an der Dürre des Jahres und einem verheerenden Feuer angedichtet. Eine Braut hatte er hier auch zurückgelassen. Sie ist nun mit Šimon verheiratet, der um die Schöne fürchten muss und den Heimkehrer töten soll. Das bringt er aber nicht über’s Herz. Im Gegenteil, zusammen brechen sie auf, um…

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Zum Auftakt gibt es eine vierzigminütige Zugverspätung von Berlin. Hab ich so noch nicht erlebt. Das wirkliche Drama aber gibt es nach einem Sprint in den Weltspiegel. Es läuft Leave no traces von Jan P. Matuszynski aus Polen. Der hatte vor fünf Jahren mit „The Last Family“ für einen Paukenschlag gesorgt (wir berichteten), deshalb war sein neuer Streifen Pflichtprogramm. Es geht sofort bretthart ins Warschau der 80er Jahre, aus dem Publikum ertönt immer wieder mitfühlendes Ausstöhnen, zumal der Plot auf wahren Begebenheiten beruht: Grzegorz und Jurek haben gerade das Abitur bestanden und laufen übermütig durch die Altstadt. Dort werden sie…

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Auch in der zweiten Woche des dieses Jahr verlängerten Filmfest Cottbus gab es einige Höhepunkte, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Beginnen möchte ich gleich mit dem Wettbewerbs-Überflieger aus Ungarn: Treasure City von Hajdu Szabolcz zeichnet anhand erst nach und nach miteinander verflochtener Episoden ein Sittengemälde der Stadt Budapest, das es in sich hat. Der Staat ist nur in Form ununterbrochener Antimigrations-Meldungen in den Medien und von Polizisten präsent, die Aktivisten verhaften, welche ein Regierungsgebäude mit Farbe beschmieren. Und doch drängt er sich indirekt als Verursacher einer verheerenden Deformation der Seelen der „Schatzstadt“-Bewohner auf. Der Hauptfokus liegt indes auf dem…

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Die Liste der polnischen Regie-Genies ist lang. Von Andrzej Munk über meinen derzeitigen Liebling Wojciech Smarzowski bis zu Krzysztof Zanussi ließe sie sich so ausdehnen, dass sie einen halben Artikel einnehmen würde. Grund genug, beim diesjährigen Cottbuser Filmfestival einige der aktuellen Beiträge des Nachbarlandes unter die Lupe zu nehmen. Adventures of a Mathematician Die polnisch-deutsche Koproduktion unter der Regie von Thor Klein aus Kaiserslautern stützt sich auf die Autobiografie des polnischen Wissenschaftlers Stanisław Ulam. Aus dem polnischen Lwow stammend, kam er 1940 nach verschiedenen US-Dozenturen nach Los Alamos, um sich an der geheimen Forschung zu Nuklearwaffen zu beteiligen. Das Ziel…

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Es sein zunächst noch einmal daran erinnert, dass einige Programme nur bis zum Ende des ursprünglich geplanten physischen Festivals gestreamt werden können, also bis Sonntag, den 13. Dezember. Die Hinweise befinden sich auf der Programm-Seite des Festivals unter „Filme im Stream“. Hierzu zählen neben der polnischen Serie „People and Gods“ (Artikel folgt) auch der erste und der letzte der Filme, die ich euch heute vorstellen will. So also auch (aus der Sektion Russkij Den) HOMO SPERANS von Andrej Kontschalowski. Der seit den sechziger Jahren erfolgreiche Filmemacher aus Russland versucht nichts weniger, als ein allgemeingültiges Bild der russischen Seele auf die…

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Nun ist es also doch so gekommen, wie es die meisten Beteiligten schon eine ganze Weile befürchtet hatten: Das Cottbuser Jubiläums-Festival findet dieses Jahr nur digital statt. Dies wäre Anlass genug, sich darüber auszulassen, welche politischen Verantwortlichen den Sommer verschlafen haben und welche fatalen Signale die aktuelle Karikatur eines wirksamen Lockdowns an Kulturschaffende sendet. Ich möchte aber darauf verzichten und das Dauer-Thema dieses Jahres einfach ausblenden – um mich allein dem Programm dieses Festival-Jahrgangs widmen. Sehen wir das Positive: So viele Filme konnte der Liebhaber des osteuropäischen Kinos noch nie sehen – die Verlängerung des Streaming-Angebotes bis Silvester macht so…

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Andreas Stein im Gespräch mit dem Hermann Ein internationales Filmfestival vorzubereiten – das ist schon unter normalen Bedingungen kein Pappenstiel. Doch das diesjährige FilmFestival Cottbus (FFC) haben Andreas Stein, Geschäftsführer des Veranstalters pool production GmbH, und sein Team quasi in mehreren Ausführungen geplant. Schuld daran ist die Corona-Pandemie: Da niemand weiß, wie die Lage im November sein wird, gilt es, für jedes mögliche Szenario ein gangbares Modell zu entwerfen – wie beispielsweise ein reines Online-Festival für den Fall eines Shutdowns. „Es stand für uns nie zur Debatte, das 30. FFC abzusagen“, erklärt Andreas Stein im Gespräch mit dem Hermann. Er…

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9. und 10. November Henning Rabe Los geht es am Sonnabend mit einem Jugendfilm, „FOMO. Fear Of Missing Out“ von Attila Hartung aus Ungarn. Gergö gehört zu den „Wölfen“, einer eingeschworenen Bande von YouTubern im Abiturienten-Alter. Sie veranstalten viele Streiche und challenges. Sie erstarren zur Statue auf befahrenen Straßen, klatschen wildfremden Frauen auf den Po oder turnen auf den Balustraden hoher Gebäude herum. Bei einer Party laufen ihre Aktionen aus dem Ruder. Dort sind alle betrunken, völlig hinüber ist eine Lehrertochter aus der 11. Klasse. Sie posiert anzüglich mit einer Axt und bläst Gergös Zeigefinger, den er aus seinem Hosenstall…

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