Rubrik: FilmFestival Cottbus

Auch in der zweiten Woche des dieses Jahr verlängerten Filmfest Cottbus gab es einige Höhepunkte, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Beginnen möchte ich gleich mit dem Wettbewerbs-Überflieger aus Ungarn: Treasure City von Hajdu Szabolcz zeichnet anhand erst nach und nach miteinander verflochtener Episoden ein Sittengemälde der Stadt Budapest, das es in sich hat. Der Staat ist nur in Form ununterbrochener Antimigrations-Meldungen in den Medien und von Polizisten präsent, die Aktivisten verhaften, welche ein Regierungsgebäude mit Farbe beschmieren. Und doch drängt er sich indirekt als Verursacher einer verheerenden Deformation der Seelen der „Schatzstadt“-Bewohner auf. Der Hauptfokus liegt indes auf dem…

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Die Liste der polnischen Regie-Genies ist lang. Von Andrzej Munk über meinen derzeitigen Liebling Wojciech Smarzowski bis zu Krzysztof Zanussi ließe sie sich so ausdehnen, dass sie einen halben Artikel einnehmen würde. Grund genug, beim diesjährigen Cottbuser Filmfestival einige der aktuellen Beiträge des Nachbarlandes unter die Lupe zu nehmen. Adventures of a Mathematician Die polnisch-deutsche Koproduktion unter der Regie von Thor Klein aus Kaiserslautern stützt sich auf die Autobiografie des polnischen Wissenschaftlers Stanisław Ulam. Aus dem polnischen Lwow stammend, kam er 1940 nach verschiedenen US-Dozenturen nach Los Alamos, um sich an der geheimen Forschung zu Nuklearwaffen zu beteiligen. Das Ziel…

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Es sein zunächst noch einmal daran erinnert, dass einige Programme nur bis zum Ende des ursprünglich geplanten physischen Festivals gestreamt werden können, also bis Sonntag, den 13. Dezember. Die Hinweise befinden sich auf der Programm-Seite des Festivals unter „Filme im Stream“. Hierzu zählen neben der polnischen Serie „People and Gods“ (Artikel folgt) auch der erste und der letzte der Filme, die ich euch heute vorstellen will. So also auch (aus der Sektion Russkij Den) HOMO SPERANS von Andrej Kontschalowski. Der seit den sechziger Jahren erfolgreiche Filmemacher aus Russland versucht nichts weniger, als ein allgemeingültiges Bild der russischen Seele auf die…

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Nun ist es also doch so gekommen, wie es die meisten Beteiligten schon eine ganze Weile befürchtet hatten: Das Cottbuser Jubiläums-Festival findet dieses Jahr nur digital statt. Dies wäre Anlass genug, sich darüber auszulassen, welche politischen Verantwortlichen den Sommer verschlafen haben und welche fatalen Signale die aktuelle Karikatur eines wirksamen Lockdowns an Kulturschaffende sendet. Ich möchte aber darauf verzichten und das Dauer-Thema dieses Jahres einfach ausblenden – um mich allein dem Programm dieses Festival-Jahrgangs widmen. Sehen wir das Positive: So viele Filme konnte der Liebhaber des osteuropäischen Kinos noch nie sehen – die Verlängerung des Streaming-Angebotes bis Silvester macht so…

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Andreas Stein im Gespräch mit dem Hermann Ein internationales Filmfestival vorzubereiten – das ist schon unter normalen Bedingungen kein Pappenstiel. Doch das diesjährige FilmFestival Cottbus (FFC) haben Andreas Stein, Geschäftsführer des Veranstalters pool production GmbH, und sein Team quasi in mehreren Ausführungen geplant. Schuld daran ist die Corona-Pandemie: Da niemand weiß, wie die Lage im November sein wird, gilt es, für jedes mögliche Szenario ein gangbares Modell zu entwerfen – wie beispielsweise ein reines Online-Festival für den Fall eines Shutdowns. „Es stand für uns nie zur Debatte, das 30. FFC abzusagen“, erklärt Andreas Stein im Gespräch mit dem Hermann. Er…

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9. und 10. November Henning Rabe Los geht es am Sonnabend mit einem Jugendfilm, „FOMO. Fear Of Missing Out“ von Attila Hartung aus Ungarn. Gergö gehört zu den „Wölfen“, einer eingeschworenen Bande von YouTubern im Abiturienten-Alter. Sie veranstalten viele Streiche und challenges. Sie erstarren zur Statue auf befahrenen Straßen, klatschen wildfremden Frauen auf den Po oder turnen auf den Balustraden hoher Gebäude herum. Bei einer Party laufen ihre Aktionen aus dem Ruder. Dort sind alle betrunken, völlig hinüber ist eine Lehrertochter aus der 11. Klasse. Sie posiert anzüglich mit einer Axt und bläst Gergös Zeigefinger, den er aus seinem Hosenstall…

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Ralf Woll: Was war am… … Donnerstag Sitzung in der Uni Vorlesung Dann: Die Stimme Sehr gut, aber Geschichte bekannt und ohne Überraschung Nationalstraße Spitze sehr authentisch, die Story erzeugt natürlich einen Nachgeschmack Love cuts Aus meiner Sicht nur befriedigend, die Geschichte kümmert mich nicht! Sonst empfehlenswert … Freitag Das Schwein Befriedigend, da absolut unverständliche Geschichte, versteht man wahrscheinlich nur als Georgier Full Moon Spitze, gute Erklärung wie Korruption funktioniert, spannend auch noch. Die Sonne über mir geht nicht unter Muss ich nochmal sehen, musste aber zum Knut Elstermann live und erzählen Die Abenteuer von „Sukran der Lahmen“ Überraschend verrückt…

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Freitag, 8. November Henning Rabe Nach einem feinen Mittagstisch bei Ray’s Catering in die Stadthalle: Endlich mal ein Wettbewerbsbeitrag, der den Zuschauer (fast) die ganze Zeit bei der Stange hält. In „Schwester“ von Svetla Tsotsorkova steht die junge Rayna im Mittelpunkt. Sie lebt mit ihrer Mutter und Schwester hinter ihrer kleinen Töpferwerkstatt. Rayna ist ein sprödes Ding, das auch gerne mal die Unwahrheit erzählt. Um zu provozieren oder zum Spaß. Dann ist da auch noch Miro, ein bäurischer Macho, der mit ihrer Schwester befreundet ist. Einmal will ihm Rayna eine mit dem Wagenheber überziehen, ein anderes Mal erzählt sie, dass…

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Donnerstag, 7. November Henning Rabe: Praller Sonnenschein über Cottbus, und der Filmtag beginnt gleich mit einem Paukenschlag! In der ungarischen Sektion läuft „Der Zeuge“ von Péter Baczó von 1969. Diese Satire über den Stalinismus in den fünfziger Jahren ist eine ganz bezaubernde, pointenreiche Komödie allererster Güte. Erst im letzten Drittel bekommt man doch den Kloß im Hals, der sich ansonsten nur über die Konnotationen bildet. Der unbedarfte József will sich eigentlich nur um seinen Donau-Deich kümmern. Doch durch ein kleines Vergehen kommt er ins Gefängnis. Eines nachts wird er von dort abgeholt, mit einer schwarzen Limousine in ein…

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6. November Henning Rabe: Schon das Wetter am Mittag deutet auf einen abwechslungsreichen Tag hin. Steht die Sprem noch in heiterem Sonnenlicht, dräuen hinter der Stadthalle schon finstere Gewitterwolken. Los geht es im Glad-House. Krzysztof Zanussi muss man zu den bedeutendsten polnischen Regisseuren überhaupt zählen. Er steht in einer Reihe mit Kieslowski, Wajda und Smarzowski. Innerhalb der Sektion „Regio Lower Silesia“ wurde „Ein Jahr der ruhenden Sonne“ von 1984 gezeigt: In Schlesien kurz nach dem Zweiten Weltkrieg untersucht ein amerikanischer Offizier den Massenmord an englischen Fliegern. Dabei trifft er auf die Polin Emilia, die ihren Mann im Krieg verloren hat…

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