Rubrik: Kolumne

Ich weiß: Viele der Einschränkungen sind notwendig. Maske, Abstand, keine wilden Treffen im Freundeskreis. Ich weiß: Es gibt viele gute Gründe dafür, Kneipen und Restaurants zu meiden. Selbst, wenn sie aus dem vorzeitigen Winterschlaf zurückgeholt werden. Und ich weiß: So schnell wird sich an dieser Situation nichts ändern. Aber bis zuletzt habe ich gehofft, dass uns wenigstens die Weihnachtsmärkte erhalten bleiben. Dabei ist es mir eigentlich egal, ob wir von den kleinen Künstlermärkten reden, auf denen es Glögg oder heißen Maracuja-Sesam-Moccachino-Nektar gibt. Oder von den großen Trödel-Weihnachtsmärkten, die zu einer Hälfte aus Glühweinständen und zur anderen aus Hausschuh- und Mützenverkäufern…

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Telegram ist ihre Religion Korona ist nichts anderes als die Versklavung des kleinen Mannes durch die Hintertür. Nicht so sehr der kleinen Frau, denn die bekommt davon im Normalfall sowieso nichts mit. Die Küche hat schließlich keine Fenster. Warum ist denn niemand von uns schon eher darauf gekommen? Die Antwort lag uns doch direkt zu Füßen. Kein Präsentierteller, sondern eine Präsentierbühne. Kein Wink mit dem Zaunpfahl, sondern mit einem Zaun in der Länge und Höhe des Ungetüms rund um das G8-Tagungsgelände in Heiligendamm 2007. Und trotzdem waren nicht wir es, denen schließlich ein Licht aufging. Dafür sorgte, etwas romantisch formuliert,…

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Flausen im Asphalt Die deutsche Sprache hält fantastische Wörter bereit. Buchlust ist so eines, das Verlangen danach ein Buch zu lesen. Hermannlust in Ihrem Fall. Grimmbebend gehört auch dazu, eine Umschreibung für bebend vor Zorn. Nachtgefunkel, Sommerabend, sehnsuchtstrunken. An ein Wort musste ich aber auf meinen Streifzügen durch die Cottbuser Straßen in den vergangenen Jahren sehr häufig denken: rumpeldipumpel. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man das überhaupt als Wort im herkömmlichen Sinne sehen sollte, oder ob es eher eine vage Beschreibung des eigenen Körpergefühls ist, nachdem man mit einem schlecht gefederten Fahrrad über die Kopfsteinpflasterstraßen der Innenstadt gerumpelt…

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Angst vor der Angst Perlt Ihnen der Schweiß manchmal von den zu Berge stehenden Nackenhaaren, läuft von da aus eiskalt den Rücken herunter? Dann kennen Sie sicher dieses unbestimmte Gefühl: Werde ich gerade beobachtet oder spielt mir meine Fantasie einen üblen Streich? Sollten Sie gerade vor Freude auf und ab wippen und ihr Glück kaum fassen, dass Sie endlich jemand versteht, dann habe ich unter Umständen eine unbequeme Wahrheit für Sie. Vielleicht leiden Sie an Anatidaephobie, der Angst, von Enten beobachtet zu werden. Um das klarzustellen, es geht nicht um die Tiere an sich. Sondern um den durchdringenden Blick der…

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Ausgekohlt Lassen Sie folgende Zahl einmal kurz auf sich wirken: 40 Milliarden. In Worten: Vierzig. In Zahlen: 40.000.000.000. So viele Nullen findet nicht einmal der durchschnittlich-leidgeplagte Fußballfan in seiner Lieblingsmannschaft. Von dieser Summe ließen sich fast sechs neue Hauptstadtflughäfen ohne funktionierende Entrauchungsanlage bauen. Sogar Amazon-Gründer Jeff Bezos müsste für diese Summe mehr als ein Jahr ununterbrochen arbeiten. Lesen Sie den letzten Satz nicht zu oft, die Falten werden Sie nach dem Stirnrunzeln nicht mehr los. Diese stolze Summe jedenfalls steht den deutschen Kohlerevieren zur Verfügung, damit das Abschalten der großen Kraftwerke Regionen, wie die Lausitz nicht in postapokalyptische Ruinenhaufen verwandelt.…

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Der Mensch sei die Krone der Schöpfung, heißt es. Als einzige Lebewesen bauen wir uns komplizierte Konstrukte aus moralischen und ethischen Prinzipien. Wir sind kulturelle Wesen, was sich in Theater, Musik und Literatur ausdrückt. Und wir haben gelernt, unsere Umgebung und vieles darin für unsere Weiterentwicklung zu nutzen. In der Diskussion um die mögliche Vorrangstellung des Menschen stehen diese Argumente klar auf der Pro-Seite. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass zu der von uns geschaffenen Kunst auch „Berlin Tag und Nacht“ und „Mitten im Leben“ gehören. Dass der Mensch die Natur nicht nur zur Weiterentwicklung nutzt, sondern sie auch zweifelsohne…

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Wir werden uns trennen müssen. Es geht nicht mehr. Wenn wir ehrlich sind, dann hat das Ganze doch noch nie funktioniert. Ich habe dich viel zu oft ignoriert, deine Bedürfnisse missachtet. Und du hast mir dafür ebenso wenig Liebe geschenkt. Hast dich in die Sauferei gestürzt, wolltest immer mehr, wurdest unleidlich, wenn du nichts zu trinken bekommen hast. Wurdest oft genug auch ein bisschen braun, wie die alten Männer beim Feierabendbier in der Gartenkneipe. Der Punkt ist erreicht, an dem ich mir eingestehen muss: Pflanzen passen einfach nicht zu mir. Ich habe keinen grünen Daumen, nicht mal einen grünen Fingernagel.…

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Leben am Muskelkater-Limit Treue Leser dieser Kolumne wissen: An dieser Stelle werden Fragen gestellt, die weh tun. Lassen Sie uns also gleich in die Vollen gehen. Wie steht es um Ihre Bikini-Figur? Der Sommer winkt schon von weitem. Näher darf er im Moment nicht heran. Corona, Sie wissen schon. Manch einer versucht sich gerade jetzt zumindest etwas in Form zu bringen. Um zu retten, was zu retten ist. Niemand möchte, dass übereifrige Aktivisten versuchen einen ins Meer zurückzurollen, obwohl man eigentlich nur einen entspannten Strandtag verbringen wollte. Andere überspringen diese Tortur und rutschen von der vorweihnachtlichen Schlemmerphase nahtlos in die…

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Keine Angst, der Freistaat wird nicht das bestimmende Element dieser Kolumne. Nur so viel: Ich finde es bedenkenswert, wie leichtfertig Opportunisten und Knusperköppe einen moralischen Grundkonsens über Bord werfen, wenn honorige Pöstchen winken: Rechtsextremisten sind konsequent auszugrenzen. Das galt bisher für die Neonazis der NPD genauso wie für den Faschisten Björn Höcke. Für die FDP ist das offenbar kein Hindernis. Bereitwillig macht sich der Thüringer Ableger für die AfD nackig und tanzt an der Stange, während die Blauen nur lachend daneben sitzen und ihnen Dollar-Scheine ins Gesicht werfen. Tanzt ihr Narren, der Höcke hat Lust! Zu dick aufgetragen? Kann schon…

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Es gibt Sätze oder Satzfragmente, deren Sprengkraft gigantisch sein kann. Obwohl die allerwenigsten damit gerechnet hätten, dass sie überhaupt eine nennenswerte Diskussion entfachen. 2019 hatte diesbezüglich noch einen echten Kracher im Portfolio, das #OmaGate. Vor allem diese Zeile hat für blankes Entsetzen gesorgt: „Meine Oma ist ´ne alte Umweltsau.“ Nun sind sogenannte soziale Medien ja nicht gerade für ihre besonnenen und analytischen Nutzer bekannt. Aber der plötzliche Shit-Tornado hat mich dann doch etwas ratlos zurück gelassen. Was war geschehen? Der WDR hat den Klassiker „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ von einem Kinderchor neu einsingen lassen. Die Neuinterpretation gipfelt im…

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