Ein Hörsaal in der Uni. Mal wieder zum Bersten voll. Einige der Studenten tuscheln leise miteinander. Andere sind mit sich selbst beschäftigt. Ein paar holen den Schlaf der gestrigen Nacht nach. Wieder andere lauschen tatsächlich der Vorlesung und machen fleißig Notizen. Und dann ist da noch dieser eine Student, der eine, der ständig Fragen stellt, ständig irgendetwas einzuwerfen hat, irgendwas kritisiert, der immer irgendwie auffällt. Die einen lieben ihn. Umgeben ihn und eifern ihm nach. Anderen ist er gleichgültig, und einige hassen ihn. Immer laut. Immer diese dummen Fragen. Möge er doch die Klappe halten. Wie auch immer man über ihn denkt, eines haben alle gemein: sie wissen, wer er ist. Auch die Professorin weiß es. Und wenn er nicht da ist, fällt es auf.

Es ist zu still. Es fehlt etwas.

Es sind diejenigen, die auffallen, die in Erinnerung bleiben. Diejenigen, die auffallen, bringen Veränderung, regen zum Nachdenken an, polarisieren aber auch. Wie jede Uni solche Student*innen hat, hat auch jede Stadt eine Lokalität, die ein bisschen anders ist.

Das Checkov in der Fango.

Das Checkov in der Fango.

Das Chekov ist eine davon. Seit 25 Jahren. Der modernen Gentry, oder den weniger farbenfrohen Einwohnern, mag es vielleicht nicht in den Kram passen, dass es da diesen Laden gibt, aus dem die bunten Leute strömen, die „Musik“ hören, die keiner kennt, und auf wunderliche Art das Tanzbein schwingen. Und mancher mag so einiges versuchen, diesem Irrsinn Einhalt zu gebieten. Das Chekov lässt sich vielleicht biegen – baut um, baut auf, isoliert, verdichtet – aber brechen lässt es sich nicht. Warum? Weil dieses wunderliche Volk, das da verkehrt, zusammenhält und weder Schweiß noch Arbeit scheut, das gemeinnützige Projekt am Leben zu erhalten. Damit Subkulturen und jeder Interessierte einen Raum für gemeinsame Aktivitäten, Kunst, Musik, Kultur und Bildung haben. Damit diejenigen mit einer Stimme einen Ort haben, an dem sie sich austauschen und entfalten können.

Die Fango, die wie das Chekov und einige andere (willkommen zurück Prima Wetter), eine der Cottbuser Perlen ist, die uns ein etwas ausgefalleneres Kulturprogramm bieten, zeigt in einer aktuellen Ausstellung ein bisschen was von der Geschichte dieses wunderbaren Clubs. Ein jeder Interessierte möge sich diese Gelegenheit zu Gemüte führen und ein wenig Trinkgeld in das Trinkgeldhäuschen werfen. Damit uns diese Schätze erhalten bleiben und die Cottbuser Kulturszene eine reichhaltige bleibt!

Lena Bange

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