Rubrik: buchäcker

Kristian Pechs „Platanenwolken” mit Grafiken von Hans Scheuerecker Gedichte haben eigentlich keine Konjunktur. Wo Verständigungen per SMS geschehen oder schaumfeuchte Hassparolen über Social Media versendet werden, da verschließen sich Ohren vor Rhythmus, Wohlklang, fantasievollem Bildreichtum. Verse gelten als altmodisch, anstrengend, abgehoben. Da regiert Heute-Ton: „Kann der nicht kurz und verständlich sagen, was er will?” Schade, sage ich. Anlass dafür ist Kristian Pechs neuer Gedichtband „Platanenwolken”. Es gibt darin einen Text mit dem Titel „Ermunterung”. Es geht darum, sich den schönen Dingen des Lebens zuzuwenden. Die das tun „sind auf den geruch vollblütiger frauen aus und frischer gemälde und druckfeuchter bücher”.…

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Monika Marons Erzählung „Bonnie Propeller” Ein Buch vor allem für Hundefreunde und -versteher sowie für alle, die die Romane von Monika Maron (*1941; u.a. „Flugasche”, „Stille Zeile Sechs”, „Endmoränen”, „Animal triste”) lieben. Wer, neuigkeitslüstern, darin nach politikkritischen, gar rechtspopulistischen Ausfällen sucht – ist nicht. Die Autorin war ja zuletzt wegen ihrer Verbindung zu einer dem rechten Milieu zugeordneten Verlagsbuchhandlung in die Kritik geraten. All das spielt in diesem Büchlein mit einer nur 52 Seiten langen Erzählung keine Rolle. Maron erzählt die Geschichte ihres Hundes, eines Schnauzermischlings mit dem eigenartigen Namen Propeller. Eigentlich war die Hündin grundhässlich mit ihrem überdimensionalen Brustkorb,…

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Neue Thesen an der Schlosskirchentür Als einen richtig schönen historischen Antiroman habe ich „Eroberung” des französischen Autors Laurent Binet (Rowohlt, 384 Seiten, 24 EUR) gelesen. Ein attraktives Buch mit einem wunderbaren prägegestalteten Schutzumschlag. Es „erobert” seine Leser vom ersten Moment an, in dem er es in die Hand nimmt, bis zum Schluss. Binet stellt die Überlegung an, wie hätte sich Europa entwickelt, wenn einst die Wikinger Südamerika erreicht hätten und Kolumbus‘ Mission gescheitert wäre? Die Welt hätte den Atem angehalten: Die Inkas kommen! Was wie ein Schreckensruf klingt, erweist sich als historische Wohltat. Binet konterkarriert, kippt alles, was uns von…

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EI(N)FÄLLE-bekannte Klavierkabarettistin ulkt um Öko-Fanatismus Christin Henkel aus München ist in Cottbus keine Unbekannte. Die mit ihren Chansons begeisternde Klavierkabarettistin gehört zu den Stammgästen des Satire-Festivals EI(N)FÄLLE. Das Festival fiel diesmal aus, in der geplanten abgespeckten Variante war sie auch nicht vorgesehen. Nun kann man sie wenigstens lesen. Das bereitet genauso viel Vergnügen wie ihr zuzuhören. Vielleicht noch mehr; denn man kann ihre offenen und verborgenen Pointen so oft genießen wie man will. Der Titel „Achtsam scheitern” verrät bereits, in welche Richtung sie ihre Satirepfeile absendet: übertriebene Ökologie, Esoterik, einschläfernde Psychologie und -therapie. Sie ist keine böse, aber eine unheimlich…

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„Bitte stirb nicht. Lebe” „Der verlorene Sohn” (Aufbau, 384 Seiten, 22 EUR) ist der vierte Roman der 1984 in Baku geborenen Olga Grjasnowa. Sie brauchte, des Deutschen wunderbar mächtig, niemanden für die Übersetzung. Es bedarf keiner Überlegung, ob die Übertragung den Intentionen seiner Autorin entspricht, ihn besser oder schlechter gemacht hat. Bisher mit Themen aus unserer Gegenwart befasst, greift sie diesmal in die Historie. Sie erzählt, wie der Scheich der muslimischen Bergvölker Dagestans den russischen Gegnern seinen neunjährigen Sohn Jamalludin als Verhandlungspfand gibt. Der Junge wächst in Petersburg in der Nähe der Zarenfamilie auf. Auf bewegende Weise schildert Grjasnowa das…

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Friedrich Bude (80) erzählt von seinem Leben in der DDR Die DDR, die so sehr auf ihre Spitzensportler, Goldmedaillen und Weltrekordler baute, hat auch einen Forscher hervorgebracht, der mit etwa 240 Patenten zu Buche steht. Er heißt Friedrich Bude und wohnt 80jährig in Cottbus. Jetzt hat er seine Erinnerungen veröffentlicht, die – wer weiß warum – 25 Jahre in der Schublade gelegen haben. Mitte der 90er Jahre hatte er sie beendet. Sie schlagen einen Bogen vom Ende des zweiten Weltkrieges bis zum Ende der DDR. Das Buch eines Erfinders, da schwant so manchem unterhaltungsmäßig nichts Gutes. Weit gefehlt. „Der Überhebliche”…

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Reiseführer lenkt an die Ufer von 66 Seen Mannomann, da haben die beiden Autoren – Manfred Reschke und Andrea Sternfeldt – eine Mühe auf sich genommen, uns den rechten Weg zu weisen. Für eine Neuausgabe ihres Reiseführers „66-Seen-Wanderung”, der zu den Naturschönheiten rund um Berlin geleitet, sind sie den ganzen Weg wieder abgegangen. Immerhin: Das waren 422,5 Kilometer. Reschke und Sternfeldt haben sie uns häppchenweise aufbereitet und aufgeteilt in 17 Etappen, die zwischen 20 und 29 Kilometern lang sind. Es führen ja viele Wege nach Rom, aber vielleicht noch mehr durch Brandenburg. Unsere 66-Seen-Wanderung weist auf: Waldwege, Flusswege, Seewege, Ruhewege,…

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Erfolgreicher Literaturwettbewerb #mutausbruch für Kinder und Jugendliche Ein Literaturwettbewerb unter Corona-Bedingungen: kaum Kontakt zur Zielgruppe, Schulen und Kultureinrichtungen geschlossen, Kinder und Jugendliche im Homeschooling. Hatte er überhaupt eine Chance? Wie alle Veranstalter rangen auch die Ausrichter des Wettbewerbs, Gladhouse Literaturwerkstatt, um seine Wahrnehmung und hatten Glück. 98 Teilnehmer sandten ihre Texte ein. Die 6-köpfige Fachjury konnte insgesamt 9 Hauptpreise vergeben. Diese wurden am 9.10. unter Hygienemaßnahmen im Gladhouse überreicht. Die Verleihung war trotzdem nicht steril. Mit Respekt und Wertschätzung wurden die Leistungen der jungen Autoren geehrt. Das waren Texte, die nachdenklich stimmen und betroffen machen. Natürlich schreiben junge Autoren in…

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Mein Bücherbord Mann, schreibt der. Wie ein Weltmeister. Oder bleiben wir in der Branche: Wie ein Nobelpreisträger für Literatur von Ayad Akhtar ist die Rede. Noch nie von ihm gehört. Ist ein US-Amerikaner mit pakistanischen Eltern. Sein Roman „Homeland Elegien” (Claassen, 464 Seiten, 24 EUR) lebt von tiefer kritischer Kenntnis beider Kulturen, der christlichen und der muslimischen, und beider Länder, der USA und Pakistans. Stark autobiografisch gefärbt, erzählt er über eine Familie von Einwanderern, die er in ganz unterschiedliche Alltags- und Besonderheitssituationen stellt. So beleuchtet er sowohl den legendären amerikanischen Traum, von dem er selbst profitiert, als auch amerikanische Albträume,…

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Im Domowina Verlag erschienen: Jurij Kochs „Gruben-Rand-Notizen” Ich hatte noch nicht die Gelegenheit, in zwei aufeinanderfolgenden Heften zwei Bücher eines Lausitzer Schriftstellers zu besprechen. Nachdem Jurij Kochs jüdisch-sorbische Erzählung „Hana” bei Hentrich & Hentrich Leipzig Berlin erschienen war, legt wenige Wochen später der Domowina Verlag Bautzen einen Band mit „Gruben-Rand-Notizen” vor. Ein Tagebuch, das der in Cottbus lebende Schriftsteller von 1996 an geführt hat. Die letzte veröffentlichte Eintragung stammt vom 31. Oktober 2009 und feiert den eben geborenen Enkel: „Willi trinkt und schläft und wächst und kackt sich in die Welt.” Ein versöhnlicher Schluss, nachdem der Autor wie ein Analyst…

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