Als die Cottbuser Verkehrswacht 1990 als erste ihrer Art im Land Brandenburg ihren Betrieb aufnahm, konnte wohl kaum jemand ahnen, welche Dimensionen
die Verkehrserziehung später einmal an diesem Standort annehmen würde. Anfänglich wurde die Verkehrserziehung vom Stützpunkt „Am Nordrand“ aus quasi
„ambulant“ in den Schulen und Kindertagesstätten betrieben, was sich auf Dauer als nicht gerade günstig herausstellte. So war der damalige Geschäftsführer Jürgen Skalske geradezu glücklich, als die Stadt Cottbus ein Gelände im Süden der Stadt anbot, um dort zwischen der Sportbetonten Grundschule und der Kita „Freundschaft“ auf einer 2000 qm großen Fläche einen permanenten Verkehrsgarten zu errichten. Auf seine Idee geht der Verkehrsgarten zurück.

Verkehrshelfer Joel (11) von der Astrid-Lindgreen-Schule in Aktion. Foto: Verkehrswacht

Verkehrshelfer Joel (11) von der Astrid-Lindgreen-Schule in Aktion. Foto: Verkehrswacht

Mit Hilfe von Gerhard und Jörg Schnapke und dem damaligen Vorsitzenden Wolfgang Bialas entstand in kurzer Zeit eine Ministadt mit Straßen, Gehwegen, Ampeln und neuerdings sogar einem Blitzer. „Dank der bereitwilligen Hilfen vieler Sponsoren konnte der Eigenanteil des Förderbetrages (150.000 DM) von 85.000 DM erbracht werden, so dass wir am 3.September 1999 den Verkehrsgarten seiner Bestimmung übergeben konnten“, erinnert sich der Geschäftsführer Manuel Helbig. Von Kindern im dritten Lebensjahr bis zu den Senioren reicht heute die Palette der Personen, die hier in Sachen Verkehrssicherheit geschult werden. „Fit und Flink“ heißt das Programm, mit dem die Dreijährigen erste Bekanntschaft mit dem Tretroller schließen. Einerseits wird die Balance geschult, aber auch erste Regeln des Verhaltens im Straßenverkehr werden vermittelt, so dass die Knirpse nach dem Besuch des Verkehrsgartens sehr wohl wissen, dass bei Rot grundsätzlich anzuhalten ist.

Mit Nadine Pichen und Vanessa Kubach arbeiten zwei fest angestellte Koordinatorinnen in den einzelnen Projekten, doch auch die Terminplanung obliegt den beiden Damen, was aufgrund der großen Interessenlage nicht immer einfach ist. Dazu sollte man wissen, dass alle dritten Klassen einmal pro Schuljahr zur theoretischen und praktischen Fahrradausbildung antreten müssen, um sich später als Schüler der vierten Klasse dazu prüfen zu lassen.

„Unsere materiellen Bedingungen hierfür sind gut, so dass wir mit der Bereitstellung von Fahrrädern und Helmen allen Schülern gleiche Bedingungen für die Praxis bieten können“, ist Manuel Helbig zufrieden. Hocherfreut haben er und seine Mitstreiter registriert, dass im Jahr 2012 die drei besten Radfahrer aller Schulen aus Cottbus nach Potsdam geladen wurden, um dort für ihre Leistungen geehrt zu werden. Schüler ab dem elften Lebensjahr können sich zudem für die Ausbildung als Schülerlotse anmelden, auch für diesen wichtigen Zweig der Ausbildung gibt es stets reichlich Interessenten.

Doch nicht nur die Kinder und Jugendlichen genießen die Unterstützung in der Verkehrserziehung. Seit drei

– Manuel Helbig, Geschäftsführer der Verkehrswacht Cottbus e.V. Foto: Jan Hornhauer

– Manuel Helbig, Geschäftsführer der Verkehrswacht Cottbus e.V.
Foto: Jan Hornhauer

Jahren wird ein so genanntes Rollator-Training angeboten. „Ältere Menschen, die plötzlich auf diese Hilfe angewiesen sind, wenn sie sich im öffentlichen Raum bewegen, sind oft unsicher oder gehemmt. Wir zeigen ihnen, wie eine Bordsteinkante an Stellen ohne behindertengerechte Absenkungen bewältigt wird. Wenn wir diese Schulungen in den Einrichtungen, wie zum Beispiel im Riedelstift oder am Sanzeberg anbieten, ist das Echo immer groß. Vielleicht auch deshalb, weil die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkten Menschen hier auf ihresgleichen treffen, beschreibt Manuel Helbig.

„Willkommen in Cottbus – verkehrssicher durch die Stadt“ heißt es seit 2017 im Verkehrsgarten. Flüchtlingskindern, die die vierte Klasse besuchen, wird im Rahmen dieser Schulungen, die einen praktischen und einen theoretischen Teil haben, das sichere Verhalten im städtischen Straßenverkehr vermittelt. Es sind gemischte Kurse, an denen auch deutsche Kinder teilnehmen. Gerade das kindliche Miteinander hilft hier und da recht gut über noch vorhandene sprachliche Barrieren hinweg. Dieses Projekt hat deutschlandweit für erhebliches Aufsehen und Anerkennung gesorgt. So wurden die Cottbuser zur Auszeichnungsveranstaltung der Deutschen Verkehrswacht nach Köln eingeladen, wo dieses Projekt mit einem zweiten Platz im Wettbewerb geehrt wurde.

Im 20. Jahr des Bestehens haben Jörg Schnapke und Manuel Helbig einen speziellen Wunsch, was die materiell-technischen Bedingungen betrifft. „Den Verkehrsgarten kann man durchaus als perfekt bezeichnen. Wo uns der Schuh drückt, ist eine feste Bebauung, beispielsweise für die theoretischen Teile der Schulung und die Unterbringung des mitgeführten Schulzeuges unserer Kinder. Derzeit haben zwar zwei Container für die Materialien und die Fahrräder, aber an deren Stelle wäre uns mit einem festen Haus sehr geholfen. Momentan erkunden wir die Möglichkeiten der Förderung. Aufgrund der Tatsache, dass wir in den zwei Jahrzehnten unseres Bestehens 69.000 Besucher geschult haben, hoffen wir ganz stark, dass uns in der Richtung etwas gelingt. Im Jahr unseres 20-jährigen Bestehens wäre das ja ein geniales Geschenk …“ schaut Manuel Helbig optimistisch in die Zukunft.

Georg Zielonkowski

 

 

 

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