Katharina Franck war vor vielen Jahren Sängerin der Rainbirds, aktuell ist sie Gastsängerin des Clubs der toten Dichter, der bereits zum sechsten Mal mit vertonter Lyrik herauskommt. Diesmal mit der von Theodor Fontane.

Sie sind selbst Songschreiberin. Mal nichts Eigenes zu singen, sondern die Vertonungen eines großen Dichters, hat auch was?

Tatsächlich finde ich es sehr reizvoll, hier in erster Linie als Interpretin zu agieren. Meine künstlerischen Auffassungen kann ich deshalb ja trotzdem in das musikalische Gefüge einbringen. Ich habe mal keinen Druck, was neues tolles Eigenes zu machen, sondern kann zu etwas tollem Eigenen eines anderen Künstlers beitragen.

Sie waren schon 2010 bei der Hommage an Rilke als Gastsängerin im Club der toten Dichter involviert. Nun also Fontane, mussten Sie lange überlegen?

Ja, allerdings aus familiären Gründen. Das Rilke-Projekt hatte ich noch in bester Erinnerung, auch die Konzerte seinerzeit und eigentlich dachte ich, das kann man doch nicht toppen. Letztlich hat mich jedoch der musikalische Ansatz des künstlerischen Leiters Reinhardt Repke überzeugt.  Akkordeon und kleine Besetzung, das finde ich spannend und es passt gut zu meiner Stimme. Es ist musikalisch wieder etwas Neues, mit dem ich mich auseinandersetzen kann.

Sie sind 2012 aus Berlin in die Nähe der Fontane-Stadt Neuruppin gezogen, reiner Zufall?

An Fontane habe ich nicht gedacht, als ich hierher zog. Wie viele andere Musiker hatte mich die Situation in Berlin genervt, dass wegen Lärmproblemen oder steigender Mieten immer wieder Proberäume verloren gingen. An der Gegend um Neuruppin interessierten mich die Ruhe und natürlich die Landschaft. Und vielleicht habe ich ja mit der Muttermilch etwas von der Fontane-Begeisterung meiner Mutter aufgesogen. Sie hat viele Jahre in Eberswalde gelebt, und als sie mich anfangs hier besuchte, war sie sehr bewegt. Sie liebte Fontanes „Wanderungen“.

Song-Lyrics kennt heute fast jeder Schüler, aber Lyrik in Gedichtform gilt den wenigsten als Popkunst. Wollen Sie helfen das zu ändern?

Warum nicht. Im Grunde könnte man alle sechs bisherigen Dichtervertonungen im Rahmen des „Club“-Projekts zum Schulstoff machen. Ich glaube, dass sich Schüler die Texte leichter merken würden, weil sie in tolle Melodien gepackt sind. Mir geht es jedenfalls so. Bei Fontanes Texten hatte ich es auch nicht gedacht, dass mir das so leicht fallen würde.

Viele ältere Musikhörer kennen Sie noch als Sängerin der Rainbirds, die 1987 mit „Blueprint“ einen Riesenhit hatten, der offensichtlich die Zeit überdauert.

… ja, er ist sozusagen meine „Effi“. (lacht)

Wünschen Sie sich, dass der Song von anderen Musikern ebenso weiter getragen wird wie Fontanes Lyrik?  

Es sind ja ein paar Coverversionen in der Welt. Manchmal bin ich selbst überrascht, was auf es YouTube gibt oder was mir einige Leute gelegentlich sogar schicken. Aber ich glaube, ich kann sagen: Der größte Hit ist immer noch unser Original.

Als Künstlerin Spuren zu unterlassen, mit dem Wunsch dürfte es Ihnen ähnlich gehen wie einst Fontane?

 Natürlich ist es schön zu sehen, dass man etwas gemacht hat, was einigen Leuten wichtig ist. Ob das nun ein alter Rainbirds-Song ist, der von einem Kind aus dem Bekanntenkreis gepostet wird, oder ein Hörspiel, das einen jungen Menschen inspiriert hat, selbst ein Hörspiel zu entwickeln.  

 Theodor Fontane war fast 60 Jahre alt, als er anfing, Romane zu schreiben. Reizt Sie ein eigener Roman?

Ich schreibe ja viel, was nicht zur Vertonung gedacht ist. Über einen Roman habe ich noch nicht nachgedacht,  aber die Verlegerin, die mein erstes Hörspiel heraus brachte, meinte schon zu mir: Du hast noch ein paar Jahre Zeit, um einen Roman zu schreiben. Das kann also noch passieren.

Ein weites Feld…

… so ist es. Jetzt freue ich mich erst mal auf Konzerte mit dem Club der toten Dichter. Ich arbeite zwar gern im Studio, aber der Augenblick, vor Publikum aufzutreten, darauf zielt man als Musikerin doch letztlich hin. 

Interview: Thomas Lietz

 

Konzert: 28. 9. Staatstheater Cottbus

CD erschienen bei Argon

 

 

 

 

 

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