Pankow – der Name war in der sehr alten Bundesrepublik ein Synonym für die Machthaber in der DDR. Pankow sagt das, Pankow tut das… Im Rockland DDR war Pankow ein Synonym für begeisternden, sehr stonigen Rock ’n’ Roll. Die Gruppe um die Ostberliner Glimmer Twins André Herzberg (Gesang) und Jürgen Ehle (Gitarre) war in den Achtzigerjahren die vielleicht beste und einzig wirkliche Rock ’n‘ Roll-Band in der DDR-Rockelite.

Pankow war nie eine Undergroundband (einmal schrieb sie eine Eingabe, weil sie nicht im Fernsehen auftreten dürfte), genoss aber einen gepflegten Rebellenruf, weil sie den verspießerten DDR-Alltag unverklausuliert besang. Seit ihrer Gründung 1981 spielte sie Songs, die sich grundlegend von den poetisch aufgemotzten Rockliedern der meisten anderen Kapellen unterschieden – und ihre stilistische Nähe zur Stones-Musik nicht verleugneten. Insbesondere Herzberg, der den gängigen Ostrock „schon immer Scheiße“ fand, war als abgedrehter Frontmann eine kleine Sensation in der von exaltierten Köpfen relativ freien DDR-Rockszene.

Er sang rotzige Texte auf rotzigen Gitarrensound, zum Beispiel im Rockspektakel „Paule Panke“, das sich um den Alltag eines Lehrlings drehte. Auch sexuelle Tagträume aus dem Leben Pubertierender („Inge Pawelczik“) oder die Denke eines jungen Mitläufers („Ich bin lieb“) kamen zum Vortrag. War das schon keine vorbildliche Lyrik im Sinne der staatlichen Rockmusikförderer, so geriet ihr Album „Aufruhr in den Augen“ 1988 zum legendären Soundtrack vom Vor-Wende-Stimmungsbild („Das selbe Land zu lange geseh‘n, … zu lange die alten Männer verehrt“). Es brachte Sende- und Auftrittsverbote. Trotzdem gehörte Pankow bis zum Ende der DDR zu den etablierten Bands im Lande, die auch in den Westen durften. Dass sie nicht nur anders sein wollten als die anderen, sondern auch waren, bewiesen sie am spektakulärsten, als sie mitten in der Gorbi-Hochzeit mit der Big Band der Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte auf Tournee gingen.

 Nach der Wende stieg der eigenwillige wie kompromisslose Sänger aus, irgendwann auch mal wieder ein, er schrieb ein Buch (und 2018 sogar noch einen Roman) und gelegentlich schlug er sich auch mal mehr schlecht als recht durch. Dass er als Solist genau viel weniger Beachtung fand, lag auch daran, dass das kongeniale Duo Herzberg/Ehle halt zerbrochen war. Sänger und Gitarrist waren einander – ähnlich den Glimmer Twins – in Hassliebe verbunden. 1997 erfuhr Herzberg aus seiner Stasiakte, dass Ehle als IM über die Band berichtet hatte. Um sie zu schützen, wie er sagte. Herzberg konnte ihn irgendwann sogar teilweise verstehen. Der Hass aufeinander sei wohl „auch ein Potenzial“ von ihnen, sagte er vor etlichen Jahren.

 Inwiefern sie ihr Potenzial heute ausschöpfen, um wirklich noch innovative Rockmusik zu offerieren, ist eine Frage, die schon viel berühmtere Bands offen ließen. Fakt ist, dass sie mit ihren alten Songs immer noch eine Menge – vor allem ältere – Fans live begeistern können. Das wird mit Sicherheit auch in Cottbus so sein.   

Thomas Lietz

 

Konzert: 7. November, Bebel, Cottbus

 

 

 

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