Die allermeisten von Ihnen sind nur Durchschnitt. Das muss ich Ihnen in aller Deutlichkeit sagen. Und wissen Sie was? Dabei ist überhaupt nichts. Durchschnitt zu sein bedeutet im Wesentlichen nur, dass man selbst nicht besser ist als die meisten anderen. Aber eben auch nicht schlechter. Warum fällt es so vielen von uns so schwer, die eigene Mittelmäßigkeit zu akzeptieren? Die Antwort ist ganz einfach: Viele wissen davon gar nichts. Wir schätzen uns oft selbst viel intelligenter und begabter ein, als wir tatsächlich sind. Amerikanische Hochschulprofessoren wurden einmal gefragt, ob sie sich selbst in der oberen Hälfte ihrer Zunft sehen. 94 Prozent antworteten mit ja. Schuld daran ist der Dunning-Kruger-Effekt. Dieser beschreibt eine ganz einfache Beobachtung: Relativ inkompetente Menschen können nicht wissen, dass sie inkompetent sind. Sie neigen dazu, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen und überlegene Fähigkeiten bei anderen gar nicht erst zu erkennen. Schwache Leistungen gehen außerdem mit größerer Selbstüberschätzung einher als stärkere. Fühlen Sie sich frei, an dieser Stelle Witze über den amerikanischen Präsidenten oder Populisten aller Länder zu machen. Werden solche Menschen mit dem Ausmaß ihrer relativen Inkompetenz konfrontiert, wird gemauert. Sie kennen das. Bewegen wir uns dabei im politischen Raum, kann es passieren, dass der sogenannte Blackfire-Effekt mit in den Ring steigt. Demnach können neue Fakten, die unserer politischen Einstellung widersprechen, die eigenen Ansichten trotzdem noch weiter verfestigen. Klingt unlogisch? Schon mal mit einem Klimawandelleugner diskutiert? Wenn beide Effekte zusammenwirken, dann wird es richtig übel. Live beobachten lässt sich das viel zu oft im Kurznachrichtendienst Twitter. Einer Mischung aus digitaler Ego-Poliermaschine und Morast menschlicher Abgründe. Einem Ort, an dem vor allem ältere Männer wie der ehemalige Chef des deutschen Verfassungsschutzes ihre letzten Fünkchen Glaubwürdigkeit mit Freude über Bord treten. Sehen Sie meine harschen Worte vom Anfang deshalb als freundlichen Hinweis, bevor Sie in Matussek‘scher Art und Weise auf einem Bierkasten stehend zum Volke sprechen. Es ist nichts dabei, sich ab und zu auch mal selbst zu überschätzen. Manch einer hat so vielleicht die große Liebe gefunden, durch kurzzeitig aufgeblähtes Selbstvertrauen. Oder den Traumjob. Von mir aus auch einen Rabatt beim Autokauf. Am Ende sollten wir uns aber dringend wieder darauf besinnen: Die allermeisten von uns sind glücklicherweise nur Durchschnitt.

 

 

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