Kriege und Krisen im 20. Jahrhundert und die Spur der Hand

Über den Dächern der Stadt, im Obergeschoss des Cottbuser Dieselkraftwerks, befindet sich eine kleine Ausstellung. „Kriege und Krisen im 20. Jahrhundert“. Der Raum ist recht klein und von außen abgedunkelt. Schon auf den ersten Blick erkennt man, dass die Werke zum großen Teil in schwarz/weiß gehalten sind. Inmitten des Raumes steht eine Figur aus Ahorn. Ein Mädchen? Es streckt die Arme in die Luft. Es wirkt aufgewühlt. Widmet man sich nun den Bildern, die an der Wand hängen, keimt unwillkürlich ein mulmiges Gefühl auf.

Auf der linken Seite steht eine Steinskulptur. Eine sitzende Frau, ganz in grau. Die Ellbogen auf dem Knie, die Hände halten die Stirn und die Seite des Kopfes. Sie sieht so aus, als schliefe sie. Der Umhang ist weit ins Gesicht gezogen. Um sie herum hängen Aquaradierungen von Käthe Kollwitz. Zwei zeigen bewaffnete Männer kurz davor, in die Schlacht zu ziehen, oder bereits mitten drin. Manche entschlossen, zu allem bereit, anderen hat die Angst das Gesicht verzerrt. Ihre weiteren Werke wirken ebenso wenig erhellend auf die Stimmung.

Ein Mensch, so eingefallen, dass er beinahe aussieht wie der Tod selbst, hält eine kleine Kiste in der Hand, es ist ein Sarg. Der Titel des Bildes: Kindersterben. Käthe Kollwitz ist eine Meisterin darin, Stimmungen und Emotionen mit ihren Werken einzufangen und an den Betrachter weiterzugeben. Auch Lea Grundig schafft es, kalte Schauer zu erzeugen.

Der Holzschnitt „der Schrei“ zeigt einen Mann mit weit aufgerissenen Augen und geöffnetem Mund. Ihm steht das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Die anderen Werke haben ähnlich erschreckende Motive. Familien mit Kindern, verzweifelt auf der Suche nach Nahrung und nach Zuflucht. Eine Fliegerstaffel, beleuchtet von einem hell erleuchteten Mond, wirft zahlreiche Bomben ab. Unten sieht man nur gereckte Fäuste. Die Menschen haben noch nicht aufgegeben, sie wehren sich. Daneben ein weiterer düsterer Holzschnitt von Gerhard Bondzin, der den Titel „Dong Hoi“ trägt. Darauf zu sehen ist ein Junge, der im Feuer verbrennt.

Plakatkunst im DKW

Es ist eine kleine Galerie, mehr zu dem Thema findet man in der Ratshaushalle in Frankfurt (Oder). Mehr braucht es aber vielleicht auch nicht. Die Ausstellung mit dem Namen „Kriege und Krisen im 20. Jahrhundert“ schafft es sehr eindrücklich, die Stimmung dieser Zeiten wiederzugeben. Sie ist sicherlich nichts für schwache Nerven. Im Eintrittspreis ist jedoch noch „Die Spur der Hand“ enthalten, die man sich unbedingt danach ansehen sollte.

Denn hier sind fantastische und bunte Arbeiten zur Plakatkunst zu sehen. Manche davon sind etwas skurril. Zum Beispiel das Mannkind in der Kiste, dessen Nabelschnur mit dem Boden verwachsen ist. Er ist in einer Art Kiste und drum herum sind zahlreiche Augenpaare. Außerdem gibt es Plakate im Comic-Style, wie Max und Moritz oder Mickey Maus. Dann ist da noch ein Siebdruck mit dem Titel Moby Dick von Paula Troxler, der einen komplett in den Bann zieht. Wo ist der Anfang, wo das Ende? Man könnte ewig davor stehen und es ansehen. Diese Ausstellung lädt absolut zum Verweilen ein und lässt einen am Ende wohlgelaunt nach Hause gehen

Eljotta


Infos:

Kriege und Krisen im 20. Jahrhundert
Grafische Zyklen und Skulpturen aus der Sammlung des BLMK
noch bis 29.9. im DKW Cottbus | bis 13.10. Rathaushalle Frankfurt (Oder)

Die Spur der Hand
Analoge und digitale Pfade ins Plakat
bis 29. September | Dieselkraftwerk Cottbus – BLMK

weitere Informationen: www.blmk.de

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