Für einen guten Spruch war Phillip Boa immer gut, als er sich zu Beginn seiner Karriere vor über dreißig Jahren anschickte, die Rockwelt in Deutschland umzukrempeln. Zu seinen legendären Mitteilungen gehört die Klage: „Was ist das für ein Land, in dem die Kinder dieselbe Musik hören wie die Eltern?“ Boa, der eigentlich Ernst Ulrich Figgen heißt, kündigte damals nichts weniger an, als den verdummten Musikgeschmack des deutschen Publikums ändern zu wollen. Auf die Frage, ob er mit seiner Leistung zufrieden sei, resümierte er zwanzig Jahre später offen, dass er in dieser Hinsicht letztlich völlig versagt habe. Heute muss man erst recht sagen, dass sich seitdem nichts geändert hat. In den 80ern und frühen 90er Jahren zur deutschen Indierock-Ikone aufgestiegen, ist der 54-jährige Dortmunder nach einigen Zwischenphasen relativer Lustlosigkeit heute wieder gut auf der Höhe. Mit seinem Voodooclub bringt er wie in besten Zeiten die Freunde des ambitionierten und trotzdem beschwingten Indierocks von angenehmer Schrammeligkeit zum Tanzen. An Hitnummern, zuletzt auch auf der Single-Collection „Blank Expression“ erschienen, herrscht kein Mangel.

Inzwischen nicht mehr Mitglied im Voodooclub ist Boas langjährige künstlerische Partnerin und ehemalige Lebensgefährtin Pia Lund. Dafür gehört nunmehr die Leipziger Sängerin und Musikerin Thari Kaan zur Band. Dass die den Voodooclub-Mix aus angeschrägtem Gitarrenspiel und geradlinigem Pop-Appeal in seiner zeitlosen Rau- und Schönheit zu bewahren weiß, hat sich längst herum gesprochen. Dass müsste eigentlich auch für einen ordentlichen Ansturm aufs Glad-House sorgen, wenn dort am 5. Mai zum retrohaften, aber keineswegs muffigen Indierocktanz geladen wird.

Thomas Lietz

Konzert
Phillip Boa and the Voodooclub – Blank Expression Tour
5. Mai, 20 Uhr, Glad-House, Cottbus

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