Es gibt den Hausarzt, es gibt die Hausbank, es gibt den Hausanwalt; wenn man Mayers Buchhandlung in der Berliner Straße 42 von Finsterwalde betritt, gewinnt man schnell den Eindruck, es gibt auch den  Haus-Buchhändler. Man rennt gegen keine aufdringlichen Bestsellerstapel, -würfel oder -tische. Wohlsortiert findet man gut ausgesuchte Neuerscheinungen, statt hundert Mal der gleiche Titel hundert verschiedene literarische Appetitanregungen, nicht Rücken an Rücken, sondern mit ihrer Vorderansicht. Natürlich sind auch Bestseller dabei, aber nicht nur die der Spiegel-Redaktion oder irgend einer Buchhandelskette, sondern Bücher, die die Buchhändler selbst gelesen, darüber diskutiert und für empfehlenswert gehalten haben. Dazu Informationsmaterial zum Mitnehmen – aus der „Hausbuchhandlung” nach Hause.

Die Buchhändler Torsten Mayer (l.) und Christian Kilinski.

Torsten Mayer, und an seiner Seite Christian Kilinski, führen hier die Geschäfte. Mutter Marina Mayer, einst Leiterin der Volksbuchhandlung an gleicher Stelle, hatte das Unternehmen 1991 von der Treuhand gekauft und bis 2015 mit ihrem Mann Jürgen geführt. Nun konnten sie es in die Hände von Sohn Torsten geben, der nach einigen Umwegen über Lehramt und Jura erfolgreich von der Buchhändlerschule in Frankfurt am Main zurückgekehrt war. Er brachte Christian mit. Beide sind Basketballspieler, Männer für die obersten Regalfächer, und sie  sind durch Wissensdurst und Tatendurst vereint, konnten sich den Traum von der eigenen Buchhandlung erfüllen.

Christian Kilinski, der ein paar Erfahrungen aus einer Buchhandelskette mitbringt, erklärt: „Ich schwöre auf die Vorteile einer inhabergeführten Buchhandlung. Man wälzt Kataloge, sucht aus, bestellt, weiß, wer sich über welches Buch freuen würde. Kundennähe ist unser Drei-Punkte-Wurf“, sagt er, als spräche er über seinen Sport. Torsten Mayer ergänzt: „Wir schauen unseren Kunden in die Seele. Ja, das ist ein Vertrauensverhältnis wie beim guten alten Hausarzt.” So bestätigt Mayer meinen geschilderten ersten Eindruck und zählt auf, was zum bewährten Mayer-Konzept gehört: „Kompetenz, persönliche Beratung, Charakter, Aufgeschlossenheit“. Die „Mayer”-Buchhändler und ihre Kunden, das erinnere zuweilen an einen Heimatfilm, vergleicht Kilinski scherzhaft.

Deshalb kommt auch gern jeder wieder: jeder Leser und Kunde, jeder Autor, jeder Verlagsvertreter. Ob Lesebühnenautor Ahne „Zwiegespräche mit Gott” (auch auf radioeins zu hören oder als Buch von Voland und Quist Dresden) hält, Krimiautor und Pfarrer Felix Leibrock Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt vorstellt (Titel: „Bücher als Axt?”) oder die Lausitzer Krimi-Lady Franziska Steinhauer aus ihren fiktiven oder wahren Geschichten liest – immer gilt, was Torsten Mayer sagt: „Wir sind Grundversorger, wollen deshalb immer für jeden was dabei haben.”
Verdiente Anerkennung: das eben vom Börsenverein des deutschen Buchhandels wiederholt verliehene „Gütesiegel Leseförderung”.

Klaus Wilke
Titelfoto
: Buchhandlung Mayer in Finsterwalde. © PR

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