Gert Streidt, Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, zu Umbauplänen, neuen Veranstaltungen und der Zukunft im Branitzer Park

Der Branitzer Park ist Sehnsuchtsort, Kleinod, romantische Vorstellung. Aber auch Realität,  Filmkulisse und Postkarten-Idyll. Er bewegt  Menschen aus dem In- und Ausland. Er ist eine Gartenlandschaft besonderer Güte. Zu jeder Jahreszeit ist sie sehenswert. Aber gerade jetzt, da der Winter geschafft ist und alles wieder erblüht, könnte man doch mal wieder hinfahren, -spazieren, -laufen. Der Architekt hinter dieser Landschaft war – und ist es vielleicht auch noch immer – Hermann Fürst von Pückler-Muskau (30. Oktober 1785 – 4. Februar 1871). In seinem Geiste agiert der heutige Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, Gert Streidt. Der gebürtige Kamenzer, Jahrgang 1954, ist vor fast neun Jahren nach Cottbus gekommen. HERMANN sprach mit ihm über Pückler, Parks, Weltkulturerbelisten und die neue Saison.

Gert_StreidtHerr Streidt, wie sind Sie nach Cottbus gekommen?
Die Stelle des Direktors der Stiftung Park & Schloss Branitz war frei. Ich bin darauf hingewiesen worden, habe mich beworben und man wollte mich.

Was haben Sie vorher gemacht?
Ich war viele Jahre in Potsdam bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in verschiedenen Positionen beschäftigt – unter anderem als Museumspädagoge, Ausstellungsmacher und Leiter des Pressereferats. Danach war ich fünf Jahre bis 2008 als Gründungsdirektor des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte tätig.

Wie wird man denn Chef eines Parks wie Branitz?
Wir sind ja nicht nur ein Park. Wir tragen den langen Namen „Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz“. Wir sind also zum Einen ein ganz bedeutendes Gartenkunstwerk, ein wichtiger historischer Landschaftsgarten, aber auf der anderen Seite auch das Fürst-Pückler-Museum. Es gibt kein weiteres. Dazu gehört vor allen Dingen das Schloss mit seiner Ausstattung aber auch das Besucherzentrum mit der, ab September dieses Jahres, neuen „Begrüßungs“-Ausstellung für die Besucher und viele andere Dinge wie das Pückler-Archiv. Das bedeutet, dass wir hier auch Forschung betreiben. Und wie man so etwas wird..? Ich hatte eine umfangreiche museologische Erfahrung durch meine Tätigkeit in Potsdam. Von Hause aus bin ich studierter Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker. Das ist eigentlich die klassische Ausbildung, um dann in solchen Bereichen wie der Branitzer Pückler-Stiftung tätig zu werden.

Wie fühlen Sie sich in Cottbus?
Ich bin hier nun schon fast neun Jahre. Ich bin ein Spagat-Cottbuser, lebe in Cottbus und in Potsdam. Den Hauptteil meiner Zeit verbringe ich aber in Cottbus, an die Stadt habe ich mittlerweile auch ein wenig mein Herz verloren. Die Ankunft hier fiel mir insofern leichter, da ich gebürtiger Lausitzer bin. Meine Geburtsstadt ist Kamenz. Schon deshalb bin ich mit der Mentalität der Menschen in der Lausitz ein bißchen vertraut.

Was ändert sich in Zukunft in Branitz? Wie geht es mit dem Wandel zur Landesstiftung voran?
Wir sind auf dem Wege zu einer öffentlich-rechtlichen Stiftung des Landes Brandenburg für das Branitzer Pückler-Erbe. Dieser Plan ist schon sehr, sehr alt. 2004 haben die Cottbuser Stadtverordneten beschlossen, dass sie für das Branitzer Pückler-Erbe eine öffentlich-rechtliche Stiftung anstreben, die vom Land Brandenburg gegründet wird. Damit verbunden ist, dass das Land Brandenburg den Hauptteil der finanziellen Verantwortung für die Pflege und Erhaltung des Pückler-Erbes übernimmt. Auf diese Weise wird die Stadt Cottbus, die sich auch weiterhin an der Finanzierung der Stiftung beteiligt, entlastet. Wir sind der Stadt sehr dankbar, die trotz aller finanziellen Engpässe immer zum Branitzer Park stand und weiterhin steht. Jetzt haben wir 2017, also nach 13 Jahren sind wir nun auf der Zielgeraden. Wir sind im Landeshaushalt 2018 gelistet und werden mit der Gründung der Stiftung finanziell besser gestellt. So bekommen wir zum Beispiel sechs Gärtner dazu. Bisher hatten wir viel zu wenige. Damit können wir endlich unsere Arbeit so machen, wie es sich für einen historischen Landschaftsgarten von der Bedeutung des Branitzer Parks gehört.

Wird sich in der Ausdehnung des Parks etwas ändern?
Der originale Pückler-Park aus Außen-und Innenpark war ursprünglich einmal mehr als 600 Hektar groß. Der Innenpark, den wir verwalten, ist eine reine Kunstlandschaft, die Pückler von A bis Z gestaltet hat. Mit Wiesen, Spazier- und Fahrwegen, Bäumen, Sträuchern, Wasserläufen, Baulichkeiten, zwei Pyramiden und so weiter. Um diesen sogenannten Innenpark herum gibt es einen Außenpark. In der Kunst des Landschaftsparks wird dafür der schöne Begriff „ornamented farm“ benutzt. Das ist eine aufgeschmückte Landschaft, die landwirtschaftlich genutzt wird. Das ist zum Teil auch heute noch so. Dahinter steht die Pücklersche Idee, dass das Schöne, sprich den Innenpark, die Kunstlandschaft, sich mit dem Außenpark, dem Nützlichen, dort, wo für die Menschen produziert wurde – im Außenpark wurde Ackerbau, Schafzucht und Waldbau betrieben – durch große Sichtschneisen, die durch die Landschaft hindurchgehen, verbindet. Die Sichtachsen bündeln sich im Zentrum des Parks, im Schloss. Das Schloss ist der Kernpunkt der Anlage, darauf sind alle Sichten und Fluchten des Parks bezogen. Das Ganze ist eine grandiose Landschaftsdramaturgie. Heute ist der Außenpark noch in weiten Bereichen erhalten. Die wenigsten Leute in Cottbus wissen, dass zum Beispiel der heutige Spreeauenpark, also der BUGA-Park, zum Pücklerschen Außenpark gehörte, oder dass unser Nachbar, der Cottbuser Tierpark, mit dem wir gut zusammenarbeiten, auch auf den Flächen des Außenparks liegt. Andere Flächen werden heute noch landwirtschaftlich genutzt. Das ist die Agrargenossenschaft Kahren, der wir ebenfalls durch eine gute Zusammenarbeit verbunden sind.

Wie groß ist der Park jetzt?
Jetzt sind es 106 Hektar Innenpark. Im Zuge der Stiftungsgründung stehen wir kurz davor, eine große Fläche von ca. 25 Hektar wieder mit hinzuzunehmen. Dabei handelt es sich um die Vorparkwiese, die sich zwischen Pyramidenstraße, Messe und Umweltzentrum  erstreckt. Und auch weitere Flächen sollen nach und nach zur Abrundung der Pücklerschen Kulturlandschaft dazukommen. In diesem Zusammenhang muss man auch den Erwerb und die Sanierung des alten Zollhauses an der ehemaligen Bundesstraße nach Forst, das Pückler einst als Landmarke errichten ließ, betrachten.

Sind diese Unternehmungen alle Teil des Planes, mit dem Landschaftsgarten ins Weltkulturerbe-Programm der UNESCO aufgenommen zu werden?
Ja. Das ist ein sehr langer Prozess. Wir sind da mittendrin. Die beiden anderen bedeutenden Pückler-Parks – Bad Muskau und Babelsberg, den Pückler zu großen Teilen gestaltet hat, sind schon Weltkulturerbe. Wir sind, von der künstlerischen Bedeutung, ebenbürtig, aber eben noch nicht Bestandteil. Wir kommen etwas spät. Auf der Liste des Weltkulturerbes sind schon sehr viele Schlösser und Gärten eingetragen, deshalb ist es als Einzelnominierung schwierig. Wir sind gerade dabei zu prüfen, wie wir uns mit anderen zusammentun, um einen Weg zu finden, dass wir Branitz dann unter einer gemeinsamen Klammer auf die Liste bringen. Das wird noch ein bißchen dauern, aber alle Fachleute, mit denen wir gesprochen haben, raten zu diesem Weg.

Welche anderen sind das?
Das sind verschiedene Partner. Wir verfolgen mehrere Spuren. Was ich sagen kann, ist, dass wir zum Beispiel sehr gut mit dem Lehrstuhl „World Heritage“ der BTU Cottbus-Senftenberg zusammenarbeiten.

Welche Schritte sind als nächstes geplant?
Gegenwärtig werden mehrere historische Stätten geprüft, ob es verbindende inhaltliche Kriterien mit Branitz gibt, die den Schwerpunkten des Welterbes entsprechen.

Muss dazu im Park irgendetwas verändert werden?
Nein. Auf keinen Fall. Mit dem Eintrag in die Welterbeliste der UNESCO übernimmt der jeweilige Antragsteller die Verpflichtung, dass man – in unserem Fall – den Park so pflegt, wie er ursprünglich angelegt wurde. Weil das den künstlerischen Wert ausmacht. Das Schöne von Branitz ist ja, dass dieser Park weitgehend authentisch erhalten ist. Es hat hier fast keine Kriegszerstörungen gegeben. Der Park wurde auch zu DDR-Zeiten gut gepflegt, was einfach damit zusammenhing, dass Cottbus die Energiehauptstadt der DDR war und damit auch gut Geld nach Branitz ging. Nicht hoch genug loben kann man, dass, als in den 80er-Jahren der Tagebau Süd bis fast an die Parkgrenze herangeführt werden sollte, man sich Gedanken machte, wie man den Park so sichert, dass sein Grundwasser nicht ins Bodenlose fällt und alle Bäume sterben. Dafür ist ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem angelegt worden, wovon wir auch heute noch profitieren. Einer der wichtigsten und hochverehrten Akteure war dabei der Cottbuser Garten- und Landschaftsarchitekt Prof. h.c. Helmut Rippl.

Wie geht es beim Umbau des Besucherzentrums voran? Was passiert da?
Das ist ein schönes Projekt. Dass wir das ermöglichen können, ist eine tolle Sache. Hier kommen die Besucher an, hier kaufen sie ihre Eintrittskarten, hier gibt es den Museumsshop, hier ist ein Imbiss. Schließlich ist das Besucherzentrum, was früher der Gutshof und damit Zentrum der landwirtschaftlichen Unternehmungen war, das Entree. Hier hatte zu DDR-Zeiten eine LPG ihren Sitz. Die Gebäude waren ziemlich heruntergekommen. Vor allem mit Fördermitteln der EU wurde es saniert und zu einem modernen Besucherzentrum hergerichtet. Jetzt, zehn Jahre später, ist die erste Dauerausstellung, die damals eingerichtet wurde, zerschlissen. Wir haben nun mit Fördermitteln des Bundes, des Landes und der Stadt die Möglichkeit, eine neue Dauerausstellung einzurichten. Sie wird eine Art Erlebnis-Ausstellung – unter anderem mit Filmelementen und digitalen Anwendungen. Sie bietet für die Besucher viele Überraschungen und wird gewissermaßen die Einführung zum Branitz-Besuch geben. Wir haben sie „Fürst Pückler und Carl Blechen – Meister der Landschaft“ genannt. Beide haben schließlich Landschaften gestaltet, der eine mit dem Spaten, der andere mit dem Pinsel. Obwohl beide Zeitgenossen waren, wissen wir nicht, ob sie sich je begegnet sind. Aber wir tun so, als ob. Integriert in diese Ausstellung ist dann auch die Cottbuser Carl Blechen-Sammlung. Eröffnet wird die Willkommens-Ausstellung im September dieses Jahres.

Viele Cottbuser bewegt, dass im Park nicht Rad gefahren werden darf? Warum ist das eigentlich so? Pückler war doch eigentlich auch ein modern denkender Mensch?
Diese Frage ist berechtigt. Wir können sie auch sehr gut verstehen. Allerdings steht dem die Parkordnung entgegen. Und die sagt aus: Fahrradfahren ist im Gartenkunstwerk Branitzer Park verboten. Die Gründe liegen ganz einfach darin, dass die Wegebeschaffenheit nicht so ist, dass sie ständiges Fahrradfahren besser macht. Die Wege nehmen echt Schaden, vor allen nach Regen bilden sich tiefe Rillen. Auch die Fußgänger fühlen sich durch die Fahrradfahrer belästigt und sogar bedroht, wenn letztere zu schnell fahren. Wir haben vor allen Dingen ein älteres Publikum im Park. Das alles führte dazu, dass die Parkordnung so formuliert wurde, wie sie jetzt ist. Auf der anderen Seite sehen wir schon, dass die Besucher teilweise irritiert sind. Es gibt aber auch andere Handhabungen in anderen historischen Gärten. In Potsdam hat man zum Beispiel einen Kompromiss gefunden. Dort gibt es Wege, die man befahren kann, nämlich die breiten Fahrwege oder im Muskauer Park, wo es grundsätzlich erlaubt und wegen der Größe des Parks sogar erwünscht ist, Fahrräder zu benutzen. Wir sind über diese Fragen im Gespräch. Es gibt eine Arbeitsgruppe Ordnung und Sicherheit, geleitet von Dezernent Thomas Bergner, in der wir uns diesen Fragen stellen. Allerdings muss auch dazu gesagt werden, dass es einen Radweg für die Bewohner des Dorfes im Park gibt, der auch ausgeschildert ist, um den Park auf kürzestem Wege nach Cottbus zu queren. Dieser Weg ist auch für alle anderen nutzbar.

Sind Sie mit den Besucherzahlen zufrieden? Spielt das für den Park überhaupt eine Rolle?
Ja. Besucherzahlen sind für uns wichtig. Schließlich wollen wir das Branitzer Pückler-Erbe einem möglichst breiten Besucherkreis präsentieren. Wir freuen uns seit Jahren über steigende Besucherzahlen. Das hängt auch damit zusammen, dass Pückler mit seinen historischen Gärten insgesamt stärker wahrgenommen wird. Es gab vor kurzem die Pückler-Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn, es gab bedeutende Filme im Fernsehen zu sehen. Wir arbeiten weiterhin aktiv daran, dass Touristen zu uns kommen. Davon profitiert auch die Stadt. Wir merken auch, dass zunehmend polnische Besucher kommen. Aus diesem Grunde haben wir alle unsere Texte auf drei Sprachen erweitert, deutsch, englisch, polnisch.

Welches Konzept verfolgen Sie bei den Veranstaltungen, die Sie im Park stattfinden lassen?
Wir versuchen bei allen Veranstaltungen, die wir machen, vom Charakter des Parks auszugehen. Sie sind vom Pücklerschen Geist inspiriert. Das Gesamtkunstwerk Branitzer Park soll durch entsprechende Veranstaltungsformate den Besuchern deutlich gemacht werden. Das beginnt mit dem von der Agentur Pool Production veranstalteten Gartenfestival (26. bis 28. Mai), wo man alles, was eigenes gärtnerisches Tun betrifft, aber inspiriert vom Geist des Fürsten, erleben kann. Man kann sich beraten lassen, kaufen, Veranstaltungen erleben. Die Spielplan-Präsentation des Staatstheaters, Ende August, zeigt den Park als Kulisse. Hier verbinden sich die Genres Schauspiel und Gartenkunst. Am 29. September werden wir ein neues Format einführen und an den Besuch der Königin Augusta von Preußen 1864 anknüpfen. An diesem Tag wird es eine Nachstellung der  Illumination des Pleasuregrounds um das Schloss herum geben. Dabei werden viele Hundert farbige Öllämpchen eine wunderbare romantisches Stimmung verbreiten. Umrahmt wird das Ganze von Musik und kulinarischen Angeboten. Das alles passt zu unseren Vorstellungen, den Park einmal in ganz anderem Licht zu zeigen.

Interview: Heiko Portale
Fotos: TSPV

Veranstaltungstipps
26.-28. Mai, Gartenfestival Park & Schloss Branitz
www.gartenfestival-branitz.de

28. Mai, 9.30 Uhr, 3. Branitzer Pyramidenlauf
Anmeldung und Informationen: www.cpl-ev.de

27. August, 15.00-18.00 Uhr, Theater und Musik in Pücklers Park
Spielplanpräsentation des Staatstheaters Cottbus

29. September, 17.00 Uhr, Festliche Illumination
Veranstaltung im Begleitprogramm zur Ausstellung AUGUSTA von PREUSSEN. Die Königin zu Gast in Branitz
www.pueckler-museum.de

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