Editorial Oktober ’23

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Von Heiko Portale

Am 19. September trat ein, was für viele undenkbar schien: Ein Stromausfall traf das Herz der Lausitzmetropole Cottbus. Von 12.16 Uhr bis 14.30 Uhr war in großen Teilen der Innenstadt nicht nur das Licht aus. Erst 15 Uhr konnte die Versorgung wieder hergestellt werden. Die Feuerwehr musste eingreifen, Leute aus Fahrstühlen holen. Gar nicht lustig fanden das mehrere Versorgungseinrichtungen, die Menschen zu versorgen hatten. „Wir haben uns mit den entsprechenden Stellen in Verbindung gesetzt und arbeiten an Lösungen“, teilte der OB einige Tage später im Hauptausschuss der Stadt mit. „Auch au solchen Situationen kann man nur lernen“, merkte er noch an. Ja, das stimmt. Einige junge Leute, hörte man mehrererorts, hätten seit langen oder überhaupt zum ersten Mal die Köpfe von ihren leer gesaugten Laptops gehoben und festgestellt, dass sie sich in einer Stadt befanden, mit einem sehenswerten Innenstadtkern. Überall bildeten sich Gruppen, die sich – unterhielten! Gemeinsam! Man hatte ja auch ein tolles Thema, zu dem man sich austauschen konnte: Wie überlebt man ohne Strom. Dem einen oder anderen fiel wieder ein, dass vor kurzem noch von der Bundesregierung Informationen gestreut wurden, dass man sich dringend mit Dingen des täglichen Bedarfs bevorraten sollte: Klopapier, Wasser in Flaschen, Konserven, Batterien, Kofferradios ( – für die jungen Leute: Das sind Dinger mit denen man Radiosendungen hören kann). Allerdings, auch wenn man sofort die Regale in den umliegenden Einkaufsmärkten hätte leer kaufen wollen, ging das ja nicht, die hatten nicht mal Licht und keine Kasse funktionierte… In den Cafés saßen Leute mit kalten Getränken, lasen Zeitschriften – und manchmal die ausgelegten Flyer, weil recht wenige Zeitschriften-Exemplare verfügbar waren. Manch einer telefonierte noch schnell seinen Akku leer, um alle anderen wissen zu lassen, dass er/sie/es am Leben sei – man kann ja nie wissen.

Fast zweieinhalb Stunden stand das Leben still. An manchen Kreuzungen kam es zwar zu Tumulten, weil die Ampeln auch nichts anzeigten – aber ansonsten, war es erstaunlich ruhig geblieben. Wir halten uns alle Hollywood-Blockbuster vor Augen: Recht wenig trat davon ein. Na ja – in Gebäuden mit Automatiktüren mussten Stühle dazwischen gestellt werden, weil einmal zu, dann zu…

Oft gehört an diesem Tag: „Nun stell Dir mal vor, die wollen das Bargeld abschaffen. Wie wir da jetzt dastehen würden.“ Einer meine Freunde sagt dazu immer: „Mach in Gold und Edelsteine, da kannste nüscht falsch machen.“

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