Neulich meldete mein Magen ans Kleinhirn: Leer! Nachschub! Energie! Mein Gefühl schaltete sich ein und meinte: Was Schönes, außerhalb Deiner vier Wände und nimm Freunde mit … Der Verstand antwortete: Suche Restaurant, am besten sauber, dass Deine Darmflora nicht leidet! Klare Aufgabenstellung, Freunde gefunden und los ging’s. Mittwochabend 21.30 Uhr. Essengehen in Cottbus.

So spät essen, ist ja gar nicht gut, hörte ich noch irgendwelchen Eingebungen zu. Nicht so fett, eher leicht, vielleicht was mit Salat, duftenden Tees und leichtem Wein. Ein bisschen Ambiente. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Dachten wir. Ach, rief einer, lass uns doch mal was ausprobieren. In jüngster Zeit haben doch hier so viele neue Restaurants aufgemacht, lass uns davon eins besuchen. Draußen am Schild: (…) bis 22.30 Uhr. Super, das passt. Wir treten ein. Innen ist außer dem Kellner kein Gast zu sehen, toll frei Platzwahl. Nur draußen saßen noch, mit Decken umhängt, zwei Gäste. Nett hier. Ambiente, es riecht gut. Hinter dem Tresen ein junger schnittiger Typ.

„Wir würden gern etwas essen“, rufen wir ihm zu. „Ja, wenn ihr das in einer halben Stunde schafft, kein Problem“, antwortet er. Wir suchen nach unseren Uhren. Vielleicht ist ja noch Winterzeit eingestellt oder so … „Sie meinen in einer halben Stunde bestellen? Und dann aufessen? Ist ja noch eine Stunde Zeit?“, fragen wir. Wir brauchen meist etwas länger für die Speisenauswahl. In einem neuen Restaurant braucht man ja sowieso immer etwas länger, bis man das System der Speisenzusammenstellung begriffen hat.  „Nein, in einer halben Stunde fertig“, sagt er. Wir sehen uns an und fragen: „Wenn wir in 10 Minuten bestellt und nach 15 Minuten das Essen auf dem Tisch haben, bleiben uns gediegene 5 Minuten für essen und bezahlen“, bleiben wir freundlich.

„Heute ist nichts los, da machen wir eher zu“, sagt er. „Wir sind also nichts?“ Pause. „Ist halt nichts los, heute.“ „Wir hätten schon etwas Umsatz gemacht, schätze ich mal ein.“ „Ja, trotzdem.“ An diesem Punkt neige ich zum Auf-dem-Absatz-Umdrehen. Gesagt, getan. Mein Magen rebellierte ein wenig. Mit meiner Energie wurde es auch langsam knapp. Wer weiß, wie das Essen ist, wenn der Kellner schon so drauf ist. „Der will uns nicht“, stellen wir fest und wissen, bei der Restaurantdichte in Cottbus ist das kein Beinbruch. Da ist noch Auswahl.

Draußen beim Abschließen der Räder, fragen wir uns: „Wenn wir so empfangen werden, wozu eröffnen die ein Restaurant?“ Sämtliche Fernsehdokus und Zeitungsberichte zu diesem Thema fluten mein Hirn. Naja, man weiß es nicht. Während wir noch ein wenig weiter die Räder abschließen, kommt der Kellner raus und zündet sich neben uns eine Zigarette an. Ich denke noch, hoffentlich wäscht sich nach dem Rauchen die Hände, aber dann spreche ich ihn an: „Alter!“, vergreife ich mich im Ton, „ich fasse es nicht. Du hast soeben Kunden verloren! Wegen einer Stunde zeitiger Feierabend? Und obwohl eure Öffnungszeiten bis 22.30 lauten?“ „Sie können ja ein anderes Mal wiederkommen“, sagt er. Großhirn an Kleinhirn: „Faust ausfahren!“ – „Klappe da drin! Wir sind nett!“ „Gewalt ist keine Lösung, wenn man nur drüber redet“, singt das Großhirn fröhlich vor sich hin. „Wir kommen ganz bestimmt nicht noch mal wieder, Warum auch.“ Es gibt eine Menge anderer, guter Restaurants in Cottbus, mit Spitzenpersonal und eingehaltenen Öffnungszeiten. „Warum schreibt ihr eigentlich Öffnungszeiten draußen ran?“, rufen wir ihm in die Pedale tretend aus der Ferne zu.  „Schreibt doch: Essenausgabe nur nach Vereinbarung!“ Währenddessen wurde der leuchtende Punkt seiner Zigarette in der Ferne immer kleiner. Bis er schließlich weg war. Hundertfünfzig Meter weiter hat es übrigens sehr gut geschmeckt. Dort waren wir auch die einzigen Gäste und trotz Öffnungszeit bis 22.30 Uhr durften wir bis 23 Uhr sitzen und aufessen. Danke dafür!

Heiko Portale

 

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