Südamerika, die Prohibition und die 50er Jahre kehren in Cottbus ein

Zigarrenbretter aus Holz finden sich im Locos

Die 20er Jahre. Gedämpfte Blechbläser, sanft begleitet von Streichern und leicht kratzigem Gesang, tönen munter aus dem Grammophon. Damen mit flotten Kurzhaarschnitten und Federbändern, die Herren in schicken Anzügen und mit Hut. Der Raum ist mit Leben gefüllt. Was fehlt zu solch einem Szenario? Vielleicht das eine oder andere hochgeistige Getränk? Doch die 20er Jahre waren die Zeit der großen Prohibition. Woher also der Fusel? Schwarzbrenner und Schmuggler sind gefragt wie nie. El Chico birgt den Schatz, nach dem alle lechzen. Irgendwo auf einem Hinterhof versteckt sich diese kleine Flüsterbar. Boden und Wände sind mit Farbklecksen bedeckt. An einer alten Tür hängen Werkzeuge. Auch die hohen Bartische und der gemütlich gepolsterte Erker verleihen dem kleinen Raum einen besonderen Charme mit Warehouse-Charakter. Doch wo ist nun der Stimmungsaufheller, das flüssige Glück, Verursacher und Lösung aller Probleme? Inmitten des Zimmers eine Theke. Dahinter scheint sich außer einer rostfarbenen Wand nichts zu verbergen. Doch dann huscht einem Bartender ein Lächeln über die Lippen, eine Bewegung und die Mauer beginnt sich zu drehen und im sprichwörtlichen Scheine zeigt sich ein edles Rückbuffet, das an hochwertige Bars aus großen Städten erinnert.

Ein Blinzeln weiter befinden wir uns plötzlich in den 50er Jahren. Neben Spirituosen waren auch Zigarren beliebte Schmuggelware. Doch wer es wagt, beides unters Volk zu bringen, gilt als verrückt. Denn kaum ein Schwarzhändler entkam den Klauen der Gesetzeshüter. Es sei denn vielleicht mit einer extra Obstkiste der Handelsware und bunt bedrucktem Papier.

Einblick in die Zigarrenlounge

Weg von der Straße und hinein ins Locos: Der aromatische Duft einer kubanischen Zigarre steigt wohlmeinend in die Nase. In der Hand ein Glas allerfeinsten Rums. Er wärmt mit seinem süßlich-würzigen Geschmack die trockene Kehle. Man sitzt auf gemütlichen Sofas oder Sesseln, inmitten der authentisch eingerichteten Zigarrenlounge. Holztische, dunkle Farben und Wandverkleidung im Chesterfield-Style. In Regalen ein paar Originalfotos aus dieser Zeit. Während der eine das Flair mit einer Zeitung auf dem Schoß genießt, erfreuen sich andere an einem anregenden Gespräch, sinnieren über das Leben oder träumen davon, möglicherweise doch irgendwann ein echter Don Corleone zu werden. Vielleicht nebenher ein bisschen Bossa Nova aufs Ohr? Der schnelllebigen Welt für einen kurzen Moment entfliehen und das Jetzt genießen.

Einmal kurz gestreckt und zack sind wir wieder in der Moderne. Von der Decke hängen Pflanzen, und ein Lichtband zieht sich durch das Restaurant. Vor bunten Stühlen steht ein reich gedeckter Holztisch. Darauf ein paar Rotweingläser und ein Teller mit „Carne de Res“ – ein saftiges Stück Rinderfilet, ummantelt mit einer feinen Glasur aus goldenem Honig, Chili und exotischen Kräutern. Daneben köstlich gebackene Aubergine und himmlisch duftende Polenta, gerade serviert aus der offenen Küche, die das Herz des Raumes ist. Entweder mittags mit Kollegen oder ein Diner mit Freunden, der Familie oder gar mit der Liebsten. Eine schöne Frau, eine Bellessa, wusste auch damals die Herren der Schöpfung zum Narren zu halten. Ein nettes Lächeln und ein, zwei schmeichelnde Worte: Schon war der Verdacht verflogen, die reizende Dame könne Schandtaten im Sinn haben oder gar Schmuggelware mit sich führen.

Das Restaurant Bellessa mit seiner südamerikanischen Küche lässt das Herz eines jedes Genießers höherschlagen.

Drei verschiedene Zeitalter, drei verschiedene Etablissements und drei verschiedene Jungs: Jeff, Steven und Leon. Das sympathische Trio hat es, auch mit weiblicher Unterstützung und vielen helfenden Händen, geschafft, die Besucher des Cottbuser Eberthofes durch Raum und Zeit wandeln zu lassen und in eine kleine Welt mit südamerikanischer Atmosphäre und mit liebevollem Detailreichtum eintreten zu lassen. Egal, welche der drei Lokalitäten man betritt, man durchlebt ein Fest der Sinne. Die Getränke- und Speisekarten verlangen danach, sie durchzuprobieren und das Auge sieht sich kaum satt an den wundervollen Dekors, die an allen Ecken und Enden zu finden sind.

 

Wer mehr über die Geschichte hinter den Lokalitäten erfahren möchte, was die Jungs eigentlich miteinander verbindet und wer El Chico und Bellessa tatsächlich waren, sollte unbedingt im Eberthof vorbeischauen.

Für die Cottbuser Kultur- und Gastronomieszene stellen diese Läden eine große Bereicherung dar. Gerade nach der Schließung einiger beliebter Kulturstätten schaffen es die jungen Gründer, der von manchem Schwarzseher prophezeiten Verelendung der Cottbuser Bar- und Kneipenszene die Stirn zu bieten und direkt einen Hattrick zu landen. 

Lena Bange

Mehr Infos unter

restaurant-bellessa.de
info@restaurant-bellessa.de

 

Bellessa,  Locos

Friedrich-Ebert-Straße 36,
03044Cottbus
Tel.: 0355 49 48 02 85

 

 

 

 

 

 

 

 

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