Besuch beim Komponisten der Oper „Effi Briest” vor der Uraufführung in Cottbus

 Am 19. Oktober erlebt im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus die Oper „Effi Briest” von Siegfried Matthus nach Theodor Fontanes berühmtem Roman ihre Uraufführung. Gefördert durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Sparkasse Spree-Neiße und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, würdigt diese Produktion von Jakob Peters-Messer (Regie) und Alexander Merzyn (musikalische Leitung) den 200. Geburtstag Fontanes.

Komponist Siegried Matthus Foto: Christina Wilke

Komponist Siegried Matthus
Foto: Christina Wilke

 Der Komponist Siegfried Matthus (85) lebt mit seiner Frau Helga (83), einer Opernsängerin, in wunderbarem Fontaneland, ein Haus in Wandlitz-Stolzenhagen, mitten im Wald und am Ufer eines Sees. Eine malerische Idylle, in der sich auch der Erst-Besucher, freundschaftlich empfangen, wohlfühlt. Man schaut sich um in diesem Haus. Wo mögen sie entstehen, die berühmten Kompositionen, wo steht das Klavier? Er brauche, ob gesund oder kränkelnd wie gegenwärtig, kein Klavier. Im Grunde habe er ein ganzes Orchester im Kopf.

„Wenn ich lese”, erklärt er, „fällt mir Musik dazu ein. Historische Ereignisse verwandeln sich im Kopf in Partituren, in Bilder und in Theater. Ich erkläre ja keine Historie oder Literatur, sondern komponiere, schreibe Musik.” Die fließe direkt aus dem Kopf in den Computer, früher direkt auf das Notenpapier. Über 600 Werke, Opern, Konzerte, Kammermusiken, Kantaten, Lieder, sind so entstanden, klare Sprache, klare Musik, klare Bilder. Helga Matthus, die wissende gute Seele im Haus, zitiert einen namhafte Wegbegleiter, den renommierten Regisseur Harry Kupfer: „Matthus komponiert immer so, dass er die Spielleiter in seine Spur zwingt.”

Cottbus sei für ihn hervorragendes brandenburgisches Theater. Wie auch Theodor Fontane ein brandenburgischer Schriftsteller von Weltgeltung sei, dessen Roman „Effi Briest” dort als Oper eine gute Stätte finde. „Das Cottbuser Theater ist mir gut bekannt. Über diese Bühne gingen schon sehr schöne Inszenierungen meiner Opern ,Lazarillo von Tormes´ (1974) und ,Cosima´ (2009).” Auch Ehefrau Helga ist Cottbus in guter Erinnerung, wo sie 1968 als Helena in der Operette „Polenblut”, mit Riesenlampenfieber einsprang und dann richtig gefeiert wurde.

Nun also „Effi Briest”. Der Komponist kennt, wie er sagt, alle Fontane-Romane und hat den Dichter lesend auf allen seinen Wanderungen durch die Mark begleitet. 2014 wurde seine Oper „Grete Minde” (Regie: Sohn Frank Matthus)  in Neuruppin uraufgeführt. In der Hauptrolle: Liudmila Lokaichuk. Die hatte Helga Matthus in Moskau für die deutsche Opernszene entdeckt. Das geschah bei einem Vorsingen für die von Siegfried Matthus gegründete Kammeroper Schloss Rheinsberg, eine angesehene Startrampe für internationalen Sänger*innen-Nachwuchs. Helga Matthus: „Das war eine Entdeckung. Diese Stimme mit ihren wunderbaren Koloraturen, dazu eine Person, so schön, kess, frisch und Musik spielend.” In weiteren Frank-Matthus-Inszenierungen erhielt LL begeisternde Kritiken.

Siegfried Matthus, der 39 Jahre, von Walter Felsenstein geholt, an der Komischen Oper gewirkt hat und in Ost und West anerkannt (Mitglied von Akademien) und ausgezeichnet (DDR-Nationalpreis und  später Bundesverdienstkreuz) wurde und wird, schrieb die Oper für das Staatstheater, und schon beim Schreiben nahm die Effi die Gestalt der jungen russischen Sängerin an. Das Libretto schrieb Sohn Frank. „So wie ich den Text las, kam mir die Musik, Szene für Szene, und die Oper besteht aus vielen kleinen Szenen und dazu, um Zeit für Umbau zu gewinnen, Zwischenspiele. Wir haben nichts hinzugefügt, nur Akzente gesetzt. Wo bei Fontane zeitbedingt Verführung schamvoll nur erwähnt wird, bauen wir aus. Wenn es zu dem Duell zwischen Instetten und Crampas kommt, schweigt die Musik und  Pantomime regiert. Wer also den Roman liebt, wird ihn auch auf der Bühne wiederfinden.” Mit sehr schönen Einfällen, u.a. den Schnellsprechversen in Effis Garten. Einer lautet: „Sitzen sieben Robbensippen auf den spitzen Felsenklippen.” Das ruft nach volksliedhaften Tönen. Das Thema nimmt Matthus gern auf: „Ich bin ein großer Verehrer des Volkslieder. Da stimme ich mit Kurt Masur überein. Sie sind die Grundlage aller europäischen Musikkultur.”

Zu seiner „Effi” sagt er: „Diese Oper verleugnet ihren Schöpfer nicht, obwohl sie ein Original ist, keinem anderen seiner Werke gleicht.” Dirigent Rolf Reuter sagte einmal: „Dem Matthus gibt’s der liebe Gott.” Mag sein, in den Kopf, wo ein ganzes Orchester darauf wartet.

In den weiteren Hauptrollen spielen Andreas Jäpel, Martin Shalita, Gesine Forberger, Ulrich Schneider.

Klaus Wilke

Teilen.

Hinterlasse eine Antwort