Anlässlich des 75. Geburtstages der Lausitzer Größe, richten die Sparkasse Spree Neiße und die Stiftung des Fürst-Pückler-Museums,eine Ausstellung zu Ehren des Künstlers aus.

 Doch wer ist eigentlich Günther Rechn? „Das ist doch der mit den Tierzeichnungen?“, so dachte ich. Ich hatte mich nicht weiter mit ihm befasst,wie ich jetzt zu meiner Schande gestehen muss. Denn je mehr ich über ihnherausfinde, desto größer wird die Bewunderung für seine Person und seineWerke. Einen großen Beitrag hierzu hat Herbert Schirmer geleistet, der sichfreundlicherweise die Zeit für ein Interview nahm, und mir ein Bild von diesem tiefgründigen und begabten Mann gezeichnet hat.

An einem Dienstag im März 1944 wurde der kleine Günther Rechn auf dieseWelt gesandt. Möglicherweise mit einem Pinsel. Denn laut eigener Aussage,konnte er schon zeichnen, bevor er das Laufen erlernte. Die kunstaffine Familie hat da vielleicht auch einen, nicht unerheblichen, Beitrag geleistet.

Groß geworden ist er in Halle (Saale). Schon früh verlangte es den, in Łódź geborenen,Buben nach Ausbildung. Er wurde Mitglied in einem Malzirkel, wo er zuallererstunter der Leitung von Hans Rothe die Grundlagen der Malerei erlernte. Erbewarb sich an der Hochschule für Graphik und Buchkunst Leipzig und wurde angenommen. Doch die Wehrpflicht machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Seinen Dienst erfüllte er bei der Bereitschaftspolizei. Wieder frei, seiner Passion nachzugehen, entschied er sich, nicht in Leipzig, sondern in Halle zu studieren:An der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Der Grund dafür war Willi Sitte. Rechn war hingerissen von seiner Zeichenkunst und wollte von ihm lernen.Sitte war, neben Hannes H. Wagner und Lothar Zitzmann, ein großer Inspirationsquell für Rechn.

Nach seinem Studium zog es den freischaffenden Maler nach Lauta in die Niederlausitz. Er musste weg aus Halle, sich für Neues öffnen. Hier wollte er sogar seine eigene Hundezucht errichten, denn zu Hunden hatte Günther Rechn schon immer eine besondere Beziehung. In Halle spazierte der damals auffallend gut aussehende Herr, mit bohemienhafter Attitüde, begleitet von seinen imposanten Doggen, durch die Straßen und war Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Aus der Hundezucht wurde jedoch nichts, denn es verschlug ihn nach Limberg nahe Cottbus. Er wurde zum Vorsitzenden des Verbandes Bildender Künstler in Cottbus gewählt und wollte auch in der Nähe von Cottbus leben.

Anfang der 90er-Jahre verbrachte er ein halbes Jahr in Niederbayern als Restaurator. Von hier aus lockte es ihn immer wieder nach Grosseto. Eine Stadt in der Toskana, für die offenbar sein Herz höher schlägt, nicht nur der Arbeit wegen. Die Menschen, die Kultur, das Licht, die Wärme. Hier ticken die Uhrenanders. Es wird nicht gespeist, wenn die Uhr zwölf schlägt, sondern erst, wenn der Hunger kommt. Der Zusammenhalt zwischen den Künstlern scheint ebenfalls ein Besonderer zu sein. Hier kommt kein Neid auf, wenn ein anderer Maler sein Werk verkauft, hier wird sich stattdessen in der Kneipe getroffen und gefeiert. Gemeinsam.

Günther Rechn hat weit mehr in petto als „nur“ Tierbilder. Selbst diese sind nicht einfach dekorative Kunst. Seine Gemälde sind lebhaft und von außerordentlicher anatomischer Genauigkeit. Sie haben eine Aussage und spiegeln die ungestüme Natur dieser Wesen wieder. Auch der Mensch wird nicht einfach in Pose gerückt und porträtiert. Rechn hat Sinn für das Verborgene, das Versteckte und bringt das authentische Ganze der Person auf die Leinwand. Wenn auch nicht immer zum Vorteil des Abgebildeten.

Am Anfang seiner Werke steht immer die Zeichnung. Manchen haucht er mitnFarbe Leben ein, andere bleiben in ihrer Ursprünglichkeit. Seine Zeichnungen haben es mir besonders angetan. Auf den ersten Blick wirken sie wie ein Wirrwarr aus Linien, doch lässt man das Auge länger darauf ruhen, entpuppt sich eine ganze Geschichte. Die raschen Pinselstriche scheinen komplette Bewegungsabläufe sichtbar zu machen. Fast so, als würden sich die Bilder bewegen. Und dann ist da noch diese fast magisch anmutende Silberstiftzeichnung vonTochter Illka. Auch sie ist, wie fast alle von Rechns Werken, von diesem flirrenden Lichtspiel umhüllt und ist ein weiteres Beispiel für das vortreffliche Können des Meisters.

Günther Rechn ist in meinen Augen ein bedeutender Künstler, der sich durch einen unfassbaren Facettenreichtum auszeichnet. Die Ausstellung, zu seinen Ehren, darf man unter keinen Umständen verpassen.

 

Lena Bange

 

Info: Ausstellungseröffnung ist der 18. April. Um 10 Uhr in der Hauptsparkasse, Brandenburgerplatz.

Um 16 Uhr im Marstall Branitz.

 

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