Wer macht’s denn nun eigentlich mit wem? Und warum wollen es alle mit den einen machen, während die anderen in der Ecke stehen und traurig vor sich hin pfeifen? Ist zugucken denn nicht manchmal eine sinnvolle Alternative?

Das schlimmste dabei ist doch, dass alle Beteiligten ständig darüber reden müssen, welche Fülle sie im Gegensatz zur Konkurrenz beisteuern. Der gemeinsame Höhepunkt bleibt dann aber doch zu oft aus, weil mindestens einer nicht mehr mitmachen möchte und zu früh aussteigt.

Koalitionsverhandlungen sind schon eine spannende Sache. Sie Ferkel! Dabei kann man den Parteien nicht einmal einen Vorwurf machen, wenn es dieses Mal lange genug dauert, um wirklich alle Snickers weg zu naschen. Lange Zeit galt in der Bundesrepublik eine Gewissheit, gleichzeitig Sicherheitsnetz und Drohung: Zur Not geht immer große Koalition. Das stimmt so nicht mehr. Wenn man den Blauen eines zu Gute halten kann, dann, dass sie wieder Schwung in den parlamentarischen Trott gebracht haben. Und Rechtsextreme, das dürfte aber eher etwas für die contra-Seite sein.

Gut möglich, dass in beiden Bundesländern bereits stabile Regierungen stehen, wenn diese Kolumne erscheint. Drauf wetten würde ich aber nicht. Auf Bundesebene hat dieser Prozess immerhin fast ein halbes Jahr gedauert und am Ende mehr Verlierer als Gewinner hinterlassen. In Brandenburg will man nun alles anders machen. Ein „Weiter so!“ darf es nicht geben, hört man aus allen Ecken des Landes, während in Potsdam fast die gleichen Akteure an den gleichen Tischen sitzen und über Ziele diskutieren, die in den 30 Jahren zuvor schon nicht erreicht wurden.

Entschuldigen Sie meine Polemik, ich glaube, ich habe mir Populismus eingefangen. Die letzten Wochen vor dem Wahltag waren ja quasi geschwängert davon. Und am Ende haben sich die einfachen Antworten auf komplexe Probleme bei vielen Wählern durchgesetzt. Als würde ich in glitzerndes Bonbonpapier eingepackten Dung echten Süßigkeiten vorziehen. Weil die Verpackung so hübsch ist!

In Brandenburg hat die Wahl aber auch eine neue, zweite Gewissheit vorläufig etabliert: Wer blau wählt, bekommt grün. Ebenso, wer rot, schwarz oder gelb wählt. Für Kohlekumpel mag das eine Horrorvision sein, ich finde es spannend. Damit wird aus dem „Weiter so!“ zumindest ein „Weiter so (ähnlich)“. Bemerkenswert, mit wie wenig wir uns mittlerweile zufrieden geben. Vor allem die Menschen in der Lausitz sollten jetzt genau nach Potsdam schauen, denn bei uns konzentrieren sich gleich mehrere dringliche Probleme: Strukturwandel, Versteppung, Klimakrise, Waldbrände. Hoffen wir, dass die Spannung am Ende nicht in Katerstimmung umschlägt.

Sebastian Schiller

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