Die Kathlower Mühle erzählt

Hartmut Schatte kennt (nicht nur) in Kathlow (SPN; an der L49 gelegen)  jeden Stein und jede Blume. Besonders haben es ihm die Menschen angetan. Und er hat das Talent, ihnen ihre Geschichte(n) zu entlocken. Diesmal hat er sogar das Kunststück fertiggebracht, eine Mühle zum Erzählen zu animieren. Die kann das ganz gut. Lebensläufe wechseln mit Natur- und Landschaftsbeschreibungen, mit Episoden und Anekdoten, alles ganz unterhaltsam. Nur wenn sie über Technik, gewissermaßen über ihre eigene Anatomie, spricht, holpert es. Die Mühle weiß das und kehrt schnell zu den Menschenleben zurück. Vielleicht ist es die Fülle des Stoffes, die den Gedanken hervorbringt: In diesem Kathlow spiegeln sich die Zeit- und die Weltläufte. Was Kathlowern geschah, geschah allen: so groß ist die Welt, so klein ist die Welt. Wagen wir die Annäherung an Großes: Ein Klein-Mocondo.

Hartmut Schatte: Die Kathlower Mühle erzählt. Regia Verlag. 304 Seien.  20 EUR.
Buchpremiere: 29. April, 17 Uhr, Kathlower Kirche.


Grenzfälle

Ein neuer – Pardon, Herr von Goethe, wir klauen mal ein bisschen – „West-östlicher Divan“. Zwar keine Gedichtsammlung, aber eine Anthologie von Geschichten, die 39 Schriftsteller und Autoren aus Brandenburg und Schleswig-Holstein geschrieben haben. Es soll die erste dieser Art seit der Wiedervereinigung sein. „Grenzfälle” meint nicht nur Katastrophen und Glücksfälle, Freude und Leid an einer unmenschlichen Demarkationslinie, sondern auch Situationen, in denen Liebe und Leben in Gefahr geraten. Unter den 17 brandenburgischen Teilnehmern an der Anthologie nehmen sich die sechs aus der Region nicht schlecht aus. Thomas Bruhn, Wolf D. Hartmann, Matthias Körner, Monika Nothing, Hartmut Schatte und Reinhard Stöckel erzählen Geschichten, die nachdenklich stimmen.

Grenzfälle. Verlag für Berlin- Brandenburg (VBB). 242 Seiten. 15 EUR. Mit Geleitworten von Manfred Stolpe und Björn Engholm.


„Ich kenne den Teufel”

Luthers 95 Thesen vom 31.Oktober 1517 gegen den Ablass, sind allgemein bekannt. Kaum bekannt sind die 151 Thesen, die Andreas Bodenstein aus Karlstadt bereits am 26.April 1517 veröffentlicht hat. Immerhin berief er sich auf die Worte der Heiligen Schrift, die für ihn immer über denen des Papstes standen. Das war selbst für Luther zu viel. Dabei galten die beiden als Freunde. Bei Bodenstein hatte Luther sogar die Doktorwürde erlangt. Bodenstein ging viel weiter als Luther, wollte Beichte, Ablass, Heiligenbilder abschaffen. Rosemarie Schuder hat die Auseinandersetzungen zwischen Luther und seinem Doktorvater und der beiden mit der katholischen Kirche akribisch recherchiert und dann mit heißem Atem, der an ihre großen Romane erinnert, aufgeschrieben. Die Reformation war mehr als Luther und hat auch Fragen offengelassen, die Karlstadt mutig angegangen ist.

Rosemarie Schuder: „Ich kenne den Teufel”. Martin Luther und sein Doktorvater Andreas Bodenstein aus Karlstadt. Niederlausitzer Verlag, Guben. 156 Seiten. 10 zeitgenössische Illustrationen. 17,95 EUR.

Klaus Wilke

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