3370 Euro an Spendengeld für den RSC-Nachwuchs und die Lebenshilfe Cottbus erstrampelt

Mit einem geruhsamen Radausflug hatte diese Tour absolut nichts zu tun, zu der die 23 Mitglieder des Veloteams Cottbus aufgebrochen waren. Hatten sie doch innerhalb von nur sieben Tagen 500 Kilometer zurückgelegt und dabei respekteinflößende 12.000 Höhenmeter bewältigt. Und hatten auf diese Art dank großzügiger Unterstützung der von den Akteuren eigens dafür akquirierten Sponsoren rund 3.370 Euro herausgestrampelt. Galt doch die Regel, dass jeder bewältigte Höhenmeter eines jeden Sportlers mit einem Cent durch die Sponsoren vergütet wird.

Der RSC-Nachwuchs und der gemeinnützige „Wünschebaum“ der Lebenshilfe Cottbus konnten so zu gleichen Teilen bedacht werden.

Allerdings wurde die Gruppe kurz vor dem Start von einem Schicksalsschlag heimgesucht. War doch deren Vereinsmitglied und umsichtiger Tour-Manager Frank Urbanowicz bei einem tragischen Trainingsunfall ums Leben gekommen. „Frank hatte unglaublich intensiv an unserem Projekt gearbeitet. Könnten wir ihn noch einmal fragen, er würde darauf drängen, dass wir auch ohne ihn unbedingt zu dieser Tour aufs Rad zu steigen sollen. Darum fahren wir auch zu seinem Gedenken los“, äußerte sich Uwe Pomnitz, einer der in die Bresche springenden Organisatoren, vor dem Aufbruch gen Süden.

In Oberammergau schob die mutige Gruppe ihre Rennräder an den Start. Dabei kaum ahnend, welche Strapazen in den kommenden Tagen auf die Bolzer warten würden. In ein anspruchsvoll radelndes A-Team und in ein C-Team hatte sich die Gruppe vor der Tour aufgeteilt. Beispielsweise hatte das zahlenmäßig größere A-Team 93 Kilometer und 1.156 Höhenmeter bewältigt, die „C-Fahrer“ waren 75 km unterwegs und kletterten auf 1.000 Höhenmeter hinauf.

Am zweiten Tag war Punds in Tirol auf einer Höhe von 970 Meter über dem Meeresspiegel das Tagesziel, das die Mehrzahl der A-Team-Fahrer nach rund vier Stunden erreichte. Tags darauf ging es so richtig hinauf in die Berge. Bei teilweise wolkigem Himmel stand zunächst die Norbertshöhe (1.405 m) auf der Tagesliste, bevor zum Stilfser Joch auf 2.758 Meter zu klettern war. „Dieses Teilstück hatte es sich in sich, genau 48 Kehren waren zu meistern, bevor wir oben am Joch die Wintersportler in Montur und mit geschultertem Ski trafen“, berichtet noch immer beeindruckt René Müller. In Summe hatten beide Teams an diesem Tag mehr als 2.500 Höhenmeter absolviert, bevor nach 103 km der Zielort Santa Lucia erreicht wurde. Wie schön war da der Ruhetag danach, an dem die Gruppe Anderen nur zuschauen musste. Und sie bekamen etwas zu sehen, fand doch in 40 Kilometern Entfernung das Zeitfahren der Frauen beim Giro d’Italia statt. Groß war die Freude, dort die einheimischen Radamazonen von Trixi Worrack bis Romy Kasper zu treffen.

1.) Renè Müller (rechts) begleitet Dirk Urbanowicz über den Zielstrich Foto: Veloteam

Dann stand die so genannte Königsetappe auf dem Programm, die bei kühlen neun Grad und leichtem Regen in Bormio ihren Anfang nahm. Am Ende des Tages, an dem der Tonale Pass zu bewältigen war, und der finale Anstieg über 15 Kilometer nach Madonna di Campiglio mit insgesamt 850 Höhenmetern geschafft waren, hatten die bewundernswerten Freizeitsportler rund 3000 Höhenmeter auf der bis zu acht Stunden andauernden Etappe auf den Rädern erklommen. Wie angenehm dagegen war doch der Folgetag. Tendenziell ging es bergab. Von der Starthöhe 1600 Meter konnten die Pedaleurs es oftmals rollen lassen, hinunter ging es auf 283 Meter, wobei die Vertreter der Cottbuser Radsportclubs trotz aller fahrerischer Vorsicht großartige Aussichten auf den Gardasee genießen konnten.

Am Ende der Alpenüberquerung nahmen 24 Veloteamer in Trento an der „La Leggendaria Charly Gaul“, einem Jedermann-Wettbewerb Rennen teil. Was vor dem großen Finale eher erholsam war, angesichts der Schlussetappe mit zwei verschiedenen Touren. Sechs starteten zu einer 141-Kilometer-Tour mit 4.000 Höhenmetern, die anderen beteiligten sich an einer 57-km-Fahrt mit immerhin 2.000 Höhenmetern.

„Viele von uns waren in Gedanken bei all der Plackerei immer bei „Opa“, wie wir unseren großartigen Frank Urbanowicz stets genannt haben. Auch dessen Sohn Dirk ist tapfer die Tour mitgefahren. Nie ganz vorn, aber immer dabei.

Darum sind neun Männer von uns vom Ziel der Schlussetappe wieder ein Stück zurückgefahren und haben Dirk in die Mitte genommen, um mit ihm gemeinsam den Zielstrich zu überfahren“, erzählt mit bewegter Stimme Uwe Pomnitz.

Georg Zielonkowski

 

Die weiteren Infos und Fotos der Tour sind auf der Homepage des Vereins veröffentlicht: www.rsc-cottbus.de/alpenüberquerung

 

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