Ein Besuch am Gräbendorfer See

Es ist Sonntagnachmittag, die Sonne scheint und der See ruft. Mein klappriges Damenrad wird noch einmal aufgepumpt und los geht es. Das Lausitzer Seenland hat viele Badeseen zu bieten und es werden noch einige hinzukommen. Ein echter Geheimtipp aber ist der Gräbendorfer See, welcher grob beschrieben zwischen Drebkau und Vetschau liegt. Auch dieses Gewässer ist eine Blüte der Rekultivierung der Bergbaufolgelandschaft. 2007 fand die letzte Flutung des Restlochs vom Tagebau Gräbendorf statt und war damit der erste vollständig geplant geflutete Braunkohletagebau-See in Brandenburg.

Es ist kein Zufall, dass ich mir für den heutigen Katzensprung jenen Gräbendorfer See aussuchte, denn am Sandstrand wird seit den frühen Morgenstunden gefilmt und es werden noch Komparsen gebraucht. Matthias Heine vom Piccolo Theater hat gerufen und viele sind gekommen. Auch ich breite mein Handtuch aus und muss nichts weiter tun, als Teil der Kulisse badender Menschen zu sein. Nach 22 Kilometern Radtour ist das eine angenehme Aufgabe. Matthias Heine sorgte damals 2012/13 für einigen Wirbel in Cottbus, als der Theatermacher den Spielfilm „Holger, Hanna und der ganze kranke Rest“ drehte. Der professionell gedrehte Film war seinerzeit ein echter Achtungserfolg. Neben der umjubelten Premiere im Cottbuser Weltspiegel, lief der Streifen auf Cinema-Festivals und war sogar mal der Film zum Wochenende auf Spiegel Online. Schon damals arbeitete Heine mit dem Kameramann und Filmemacher Clemens Schiesko zusammen, der auch heuer am Set mit der Steadicam barfuß durch den Sand steppt und sich vor meiner Decke an einer Wurzel stößt. Kameramänner schauen halt immer durch die Kamera…

Drehteam am Strand. Foto: Clemens Schiesko

Heine und Schiesko wollen diesmal einen halbstündigen Kurzfilm drehen. Die Story basiert auf wahren Begebenheiten. Letztes Jahr schwammen drei junge arabische Männer über den Spremberger Stausee und merkten trotz Luftmatratze, dass sie sich überschätzt hatten. Das Wetter schlug um. Ein Angler in seinem Boot nahm Reißaus, als die drei sich dem Nachen näherten. Völlig erschöpft kamen sie am anderen Ufer an. Auch dort wurden Fenster und Türen vor ihnen verriegelt. Kein Telefon, keine Hilfe, nur der Hinweis, sie sollen halt die zehn Kilometer um den See zurücklaufen. Was die drei dann auch taten, lediglich mit Badehose bekleidet und der Luftmatratze in der Hand. Für Matthias Heine bietet die Geschichte genug Stoff für einen Kurzfilm, schließlich stecken eine Menge aktueller Themen drin: Stichwort Seenotrettung, die Angst vor arabischen Männern oder der Abgesang unserer Willkommenskultur.

Zurück zum Gräbendorfer See, denn der hat einige Vorzüge: Der feine Sandstrand. Die hervorragendeWasserqualität. Man kann weit in den See hineinlaufen, perfekt für Kinder also. Es gibt verschiedene Wassersportmöglichkeiten. Stand Up-Paddeln, Segeln und Surfen. Auf der Laasower Seite gibt es einen Tauchverein, der Kurse anbietet. Unter Wasser ist immerhin ein versunkener Wald zu bestaunen. Bei Laasow befindet sich auch das erste schwimmende Haus, ein Markenzeichen, welches als Blaupause diente für weitere schwimmende Häuser auf Lausitzer Seen. Auf der Seite in Reddern gibt es einen Campingplatz mit Bootsverleih, Spielplatz und Kiosk. Wer alles sehen möchte, begibt sich auf den neun Kilometer asphaltierten Seerundweg per Rad oder Inlineskates. Das schönste am See ist sein naturbelassener Charakter.

Und Action! Foto: Daniel Ratthei

Für den Film orchestriert Heine die Profis und Laien und natürlich auch uns Komparsen mit dem Megafon. Er bedankt sich und treibt Späße für alle, denn er weiß, am Filmset heißt es zuvörderst warten, warten, warten. Schaulustige gesellen sich neugierig hinzu. Bald geht die Sonne unter. Heute ist der letzte Drehtag. Für die Fertigstellung lassen sich Heine und Schiesko Zeit. Auch bei der Frage nach Veröffentlichung wollen sie sehen, welche Filmfestivals für ihr Werk in Frage kommen. Es wird mit Sicherheit eine Cottbuser Premiere geben. Soeben wird eine Szene gedreht, in der die drei jungen Männer nach dem langen Marsch zurück zu ihren Rucksäcken und Handtüchern gelangen. Sie werden von einem Freund bereits sehnlichst erwartet. Man fällt sich in die Arme, lacht und ruft: Alhamdulillah! Gott sei Dank!

Daniel Ratthei

 

Mein Tipp: Den Radweg kann ich nur empfehlen. In Kolkwitz biegt man links in die Bahnhofstraße ein und radelt über die Ortschaften Putgolla, Kackrow und Wiesendorf durch Feld und Wald. Aber Achtung: Von Cottbus sind es rund 20 Kilometer pro Strecke. Wer lieber mit dem Auto unterwegs ist, der fahre auf der L49 in Richtung Vetschau und dann auf der L524 in Richtung Altdöbern.     

           

             Bilder:

 

 

Am Gräbendorfer See.

 

Und Action! Fotos: Daniel Ratthei

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