Spremberger Lehrer i.R.  auf den Spuren von Pückler und Fontane

Klaus-Werner Haupt: London kommt! Bertuch Verlag Weimar. Gebunden. 136 Seiten. 19 EUR.

Sie sind sich wohl nie begegnet, die beiden großen Brandenburger im 19. Jahrhundert, der Landschaftsarchitekt, Globetrotter, Abenteurer und Schriftsteller Hermann Fürst von Pückler-Muskau und der Schriftsteller und Publizist Theodor Fontane. Da war es einem Menschen im 21. vorbehalten, die beiden zusammenzuführen. Klaus-Werner Haupt, ein Lehrer i. R. aus Spremberg, hat ein Treffen beider zwischen zwei Buchdeckeln herbeigeführt. Die Publikation heißt „London kommt! Pückler und Fontane in England”.

Beider Wege kreuzen sich darin nicht im Stil einer Fantasy. Die biografischen Auszüge aus den Lebenswegen, auf jeweils drei England-Reisen fußend, sind hintereinandergestellt. Zitate und gelegentliche Autorkommentare fungieren als Brücken zwischen ihnen, daran erinnernd, dass hier zwei Teile zusammengedacht sind.

Und dieses Zusammendenken gelingt Klaus-Werner Haupt vorzüglich und baut köstliche Unterhaltsamkeit auf. Mit Anekdoten, Episoden und Auszügen aus Pücklers und Fontanes Veröffentlichungen zeichnet er ein anschauliches England-Bild. Zugleich werden die Unterschiede der beiden Reisenden und ihrer Ziele deutlich. Pückler ist bei seiner zweiten Reise auf Brautschau und auf Parkjagd aus und will auf diese Weise seine verzweifelte finanzielle Lage verbessern und seinem Landschaftshobby frönen. Dabei hat er besonders mit aristokratischen Kreisen Berührung. Allerdings fand Pückler auch Gefallen an der englischen Demokratie und an der konstitutionellen (verfassungsgestützten) Monarchie. Man erfährt von seiner Wettleidenschaft und seinem Faible für Duelle. Zwölf hat er ausgefochten.

Fontanes Reisen gelten mehr dem kulturellen Leben, englischem Theater, der Literatur oder später der Politik mit Aufträgen, die eher geheimdienstliche Prägung annahmen. Für beide waren die Englandreisen sehr nützlich und ertragreich. Pücklers Gartenkunst hat auf der Insel wertvolle Anregungen erhalten. Fontane gewann wichtige Vorstudien für seine großen Altersromane, in denen er Pücklers modernen Aristokratismus und seine Duellleidenschaft thematisiert. Wenn einer (oder zwei) eine Reise tun, haben sie viel zu erzählen. Und wenn ein Jahrhundert vergangen ist, kommt ein Dritter und macht daraus wiederum ein interessantes Buch. Klaus-Werner Haupt sei Dank.

Klaus Wilke

 

 

Teilen.

Hinterlasse eine Antwort