die Kunstsammlung Lausitz zeigt den facettenreichen Bilderkosmos von Dieter Zimmermann

Leitern, soweit das Auge reicht. Himmelsleitern, um genau zu sein. Verbindungsstücke, die das Reich des Himmlischen mit den darunter liegenden Welten, doch eigentlich auf ewig davon getrennt liegend, zu verknüpfen suchen. Und dieser Welten gibt es wahrhaft viele, ja geradezu unzählige. Sie bieten sich dar in kafkaeskem Gewand, mal harmonisch, mal verstörend, bergen seltsame Wesen von mannigfaltiger Gestalt, umgeben von unermesslichem, schwer zu entschlüsselndem Formenreichtum, eingetaucht in einen schier überwältigenden Kosmos an Farben.

Nein, der Himmel ist nicht die Grenze – er ist das Ziel. Zumindest hier, im Museum Schloss und Festung Senftenberg, wo Dieter Zimmermann seine neue Sonderausstellung mit dem Namen „24 Himmelsleitern usw., usw.“ präsentiert. Beansprucht der Künstler für seine 140 ausgestellten Arbeiten, die sich über mehrere Räume erstrecken, reichlich an Platz – wofür selbst ein Teil der hier befindlichen Dauerausstellung weichen musste – so überlässt er im Gegenzug den geneigten Besucherinnen und Besuchern für jedes Einzelne seiner Bilder einen weiten, uneingeengten Interpretationsspielraum. Was darauf zu sehen ist, bleibt jedem selbst überlassen. Zumindest drängt sich keine spezifische Wahrheit auf. Auch, ob es sich bei den einzelnen Leitern um Auswege, um Irrwege oder gar nur kurze Umwege handelt, liegt im Auge der sie Betrachtenden. Ebenso, so scheint es, gibt es der Motive unzählige, diese zu erklimmen, um den Weg Richtung Himmel zu wagen: Sei es Weltschmerz, Fernweh, Eskapismus, Flucht vor dem Chaos oder schlicht und einfach nur die Sehnsucht nach dem Neuen, dem Anderen gepaart mit dem Willen, das Hier und Jetzt hinter sich zu lassen. „Wer die Erde verloren, schaue gen Himmel; wer sie gewonnen, schaue wieder zum Himmel; er heilt das verblutete wie das pochende Herz“, schrieb einst Jean Paul nieder. Auch Zimmermanns Ausstellung hinterlässt ein ähnlich zuversichtliches Gefühl beim anschließenden Blick in den Himmel. Denn gewiss ist, am Ende landen wir alle dort – und sei es nur als Sternenstaub. Gewiss ist außerdem, dass ein Besuch dieser Ausstellung mit ihrer nicht leicht verdaulichen Flut an Eindrücken ohne Frage lohnt.

Pinchas Flemming

 

Info:

„24 Himmelsleiter usw., usw.“  bis 5. Januar 2020, Kunstsammlung Lausitz, im Museum Schloss und Festung Senftenberg

Weitere Informationen: www.museums-entdecker.de

 

 

 

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