Alexander Ahrens kam 2008 der Liebe wegen nach Bautzen, 2015 wurde er parteiloser Oberbürgermeister und feiert nun Amtshalbzeit mit Visionen – auch für den Lausitzer Strukturwandel.

Er ist Westberliner des Jahrgangs 1966 und studierte an der Freien Universität Berlin zuerst Sinologie, dann noch Jura samt zweitem Staatsexamen, um als Firmenanwalt großer deutschen Firmen in Hongkong und Shanghai zu arbeiten. 1999 kam er nach Berlin zurück, wurde Fachanwalt für Steuerrecht, selbständiger Rechtsanwalt und Partner in einer wirtschafts- und steuerrechtlich ausgerichteten Kanzlei in Berlin. Außerdem arbeitete er bis 2012 als selbständiger Finanzplaner. Doch 2008 zog Alexander Ahrens plötzlich die Liebe zu einer Polizistin mit Gardemaßen auf Augenhöhe gen Süden, genauer nach Bautzen. 2015 ward er überraschend parteiloser Oberbürgermeister und damit Nachfolger des bis dahin mit 25 Dienstjahren als erfolgreichstes Stadtoberhaupt Sachsens geltenden Christian Schramm (CDU).

Im März 2017 trat er wieder in die SPD ein und in seiner Bilanz stehen bislang nicht nur die Abschaffung der Vergnügungssteuer für Tanzveranstaltungen und beachtliche überregionale Medienpräsenz als eloquenter Ossi-Erklärer, sondern auch ein neues Leitbild und die Jugendideenkonferenz samt Eröffnung des selbstverwalteten Jugendclubs „Kurti“.

Just zur Halbzeit der ersten Amtsperiode, die in Sachsen sieben Jahre dauert, nimmt er sich für „hermann“ an einem Freitagnachmittag nach Eins in seinem historischen Zeitraum genau 100 Minuten Zeit für eine Art Bilanz und Vorschau, wobei die alten, oft durchgekauten Hüte weggelassen werden.

Sind Sie der einzige deutsche Oberbürgermeister, der von Beruf Sinologe ist?
Ich weiß es nicht genau, aber vermutlich ja.

ah_BZ-OB_alex-ahrens05+_AK47-Gehstock01 (00000002)Was verschlägt einen polyglotten Mann mit Ihrer Vita ausgerechnet nach Bautzen?
Es war in der Aral-Tankstelle an der Dresdner Hansastraße. Sie stand einige Meter vor mir in der Schlange und ich sprach sie an, sie hatte ja „echtes Gardemaß“. Sie konterte sofort und sagte „Yep!“, ein Wort ergab das andere – als ich später das erste Mal mit ihr in Bautzen war, sagte ich nach einer halben Stunde, dass ich irgendwann sowieso hierher ziehe, was sie mir natürlich nicht glaubte. Aber ich war vom ersten Augenblick an fasziniert – es war eine Begegnung auf Augenhöhe. Und nun wohne ich schon seit über zehn Jahren in Bautzen.

Welche Höhe?
Sie 1,90, ich 1,93 – also Gesamtkörperhöhe in Metern.

Dort tankt doch niemand, weil Benzin fast immer teurer als anderswo ist?
Ich ja auch nicht, ich wollte nur eine Flasche Wasser kaufen. Es war wirklich purer Zufall, dass wir beide dort gleichzeitig rausgefahren sind. Sie ist übrigens Kriminalbeamtin in Löbau.

Und Sie waren beide Single?
Sie ja, ich war sozusagen in Vorbereitung der Scheidung meiner ersten Ehe.

Bis dahin waren Sie Westberliner?
Ja, geboren in Spandau, aufgewachsen in Charlottenburg, später wohnhaft in Neukölln. Meine Mutter, alleinerziehend mit drei Kindern, war Urberlinerin, aber sprach immer davon, dass ich das Fernwandergen in mir trage.

Ich muss den Sinneswandel zu Ihrer Landlust nochmal hinterfragen: Sie haben Sinologie studiert und waren lange in Taiwan und China …
Shanghai hat schon was damit zu tun. Ich bin nach der Rückkehr 1999 durch Berlin gelaufen, an einem diesigen, vernieselten Oktobertag. Es war witzigerweise die Hermannstraße, ein ganz grauer Sonnabendvormittag mit Leuten mit den berlintypischen, mürrischen Gesichtern – und ich habe mich bei dem Gedanken ertappt: „Boah, ist das schön hier!“ Da war mir klar: Du hast wirklich schon ne Überdosis Großstadt abbekommen, das hat Dir absolut die Sinne vernebelt. Damals schwor ich mir, dass ich nicht mein ganzes Leben in der Großstadt verbringen werde. Damit war die Saat gelegt, dass ich im Grunde nach bereit bin für eine kleinere Stadt, also ein neues Leben. Dazu kommt das Empfinden, dass Berlin mit der Zeit immer voller, immer stressiger, immer unangenehmer geworden ist.

Und dann kam die Frau und lockte nach Bautzen …
Genau. Bis 2012 bin noch in meine Kanzlei nach Berlin gependelt. Dann habe ich die Beratertätigkeit dort beendet und habe mich hier zwei Jahre lang um den Nachwuchs gekümmert. Mir geht es wirtschaftlich recht gut, ich war nicht zwingend darauf angewiesen zu arbeiten – und Familienvater einer sechsköpfigen Sippe – das füllt auch aus.

Sechsköpfig als Patchworkfamilie?
Wenn Sie so wollen. Ich habe die beiden Kinder meiner Frau aus erster Ehe nach der Hochzeit adoptiert. Die Große ist jetzt 18 und zum Abitur ausgezogen, der Große ist 15, die jüngsten sieben und neun Jahre. Das klappt sehr gut, wir führen ein harmonisches Familienleben und fahren jetzt im Sommer sogar noch einmal alle zusammen in den Urlaub – mit unserem VW-Bus nach Finnland an den Polarkreis.

Sie fühlen sich also in Bautzen integriert?
Da, wo ich bin, integriere ich mich selbst. Ich fühle mich absolut wohl hier. Die Lebensqualität ist einfach sehr hoch, ich kann viel von dem machen, was ich will: Ich bin schon lange begeisterter Fliegenfischer und Jäger, aber auch Motorradfahrer. Aber dann bemerkte ich doch, dass ich eine neue Herausforderung für den Kopf brauchte …

Bautzener Oberbürgermeister?
Genau. Ich war damals parteilos und bekam mit, dass Linke, SPD und Bürgerbündnis gemeinsam nach einem ernsthaften Gegenkandidaten zur CDU suchten. Ich habe dann alle drei einzeln angesprochen. Meine Bedingung war: Ich bekomme in jeder der Einzelgruppierung eine eigene Mehrheit, weil ich keinen Keil in dieses Projekt reintreiben wollte. Aber ich war mir sicher, dass ich eine Chance habe.

Mit Zeit unter Leuten

Ein ambitionierter Gedanke …
Ja, aber es ist so gekommen, auch wenn ich anfangs regelrecht ausgelacht worden bin. Selbst ein Redakteur der Lokalzeitung sagte mir im Frühjahr 2015: „Sie kommen nicht von hier, Sie kommen nicht aus der DDR, ja nicht mal aus der CDU. Und dann erzählen Sie den Leuten, dass es mit Ihnen keine Politik gegen Flüchtlinge geben wird – wer soll sie denn wählen?“

ah_BZ-OB_alex-ahrens10+_Burgbrückenmodell01Und was haben Sie geantwortet?
Ich sagte: „Wissen Sie, ich habe einen großen Vorteil – ich habe Zeit!“ Und den habe ich dann konsequent genutzt: Ich bin einfach alleine durch die Stadt gelaufen und habe mit den Leuten geredet. Ich habe das im Nachgang mal überschlagen: das waren ungefähr 2500 Einzelgespräche in einem halben Jahr. Ganz alleine, meist unter vier Augen. Ich hatte dabei zwei Ziele: Die Menschen sollten von sich erzählen und es dann weitererzählen. Die meisten haben sich gefreut, als ich sie direkt ansprach.

Mit Erfolg: 6043 Bautzener wählten Sie im zweiten Wahlgang direkt …
Genau, mit ziemlichem Vorsprung. Aber es ist natürlich harte Arbeit: Die drei heißen Monate vor der Wahl ging es täglich von neun Uhr morgens bis ein Uhr nachts.

Verkraftete Ihre Frau diesen Umschwung aufgrund der neuen Kopfherausforderung?
Ja, natürlich – die ganze Familie zog mit. Anders geht es nicht – auch jetzt.

Der Wolf als Draht

Sie jagen gern – hier und in Polen. Wie oft sind Sie dabei dem Wolf begegnet?
Sehr oft (zeigt ein Handyfoto mit Wolf am Fuß) – und in den letzten beiden Jahren immer häufiger. Sie kommen tags wie nachts bis auf zwei Meter heran. Es sind die einzigen Tiere im Wald, die überhaupt keine Scheu vorm Menschen haben. Ich halte das für kein gesundes Verhalten. Was mich daran vor allem stört: Es nützt niemandem – außer dem Wolf selbst. Kein anderes Tier im Wald hat etwas davon. Und auch kein Mensch, der vom Land lebt. Ich befürchte, dass es in so dicht besiedelten Kulturlandschaften wie unserer, so wie schon in Polen geschehen, zu Angriffen gegen den Menschen kommen kann. Der Wolf ist sicher schön für romantische Großstädter und die 150 Menschen, die für dessen Schutz arbeiten, für den Rest ist er eher aber Last denn Lust.

Ein guter Freund, jetzt Oberförster in Cottbus, sagt: Wo der Wolf wechselt, wächst der Wald …
Ich höre das Argument immer wieder, halte es aber für fadenscheinig: Vor tausenden von Jahren war Deutschland komplett bewaldet und das üppige Schalenwild hat dem Wald auch nicht geschadet. Auch in unserem Stadtwald am Czorneboh wachsen junge Buchen. Nur die Mufflons sind alle weg. Ich habe enge Kontakte nach Frankreich. Dort hat man vor 15 Jahren angefangen, wieder Bären in den Pyrenäen anzusiedeln – die Einwohner haben jetzt das gleiche Problem in Dunkelbraun.

Was tun?
Wenn, wie jetzt dort, die Weidetierhalter aufgeben, verwildert die Kulturlandschaft. Kann man machen, man sollte aber die Leute, die vor Ort leben, fragen, ob sie das wollen. Ein Wesenszug der Demokratie ist qualifizierter Minderheitenschutz. Ich glaube nicht, dass man auf dem Rücken der Landbevölkerung diesen Konflikt austragen kann, nur um zu zeigen: Seht her, wir haben tolle Natur. Der Wolf ist meines Erachtens nach in seiner Population nicht mehr gefährdet, er wird sich hier auch wohl fühlen, wenn er bejagt wird.

Da sind Sie ja mit Ihrem CDU-Landrat Michael Harig auf einer Linie?
Ja, das sind wir. Da sind mir Parteipositionen ganz egal.

Dieser pflegte mit Ihrem Vorgänger, Christian Schramm, der ja nicht nur in der CDU in ganz Sachsen als denkmalwürdiger Prototyp verehrt wird, einen guten Draht …
Mein Draht ist auch gut. Ich halte ihn für einen sehr aufrichtigen Menschen, der ehrlich bis zur Selbstbeschädigung ist, selbst im Wahlkampf. Mit durchgedrücktem Rücken geht er durch aufgeheizte Bürgerversammlungen und gibt zu, wenn er etwas nicht weiß oder sagen kann. Davor habe ich großen Respekt. Aber auch zum Ministerpräsidenten, den ich bei Anne Will erstmalig kennenlernte – unser Kontakt ist seither gut und rege. Damals war Michael Kretschmer noch CDU-Generalsekretär. Unabhängig von meiner Meinung zu seiner Partei reißt er sich ein Bein aus, ist überall zugange und steckt tief in den Themen drin. Er macht einen tollen Job – ich wünsche mir, dass er den auch nach dem September noch ausüben kann.

Oha. Welche Rolle will Bautzen denn im großen Strukturwandel bis zum Braunkohleausstieg spielen?
Wir sind mit mehreren hundert Arbeitsplätzen in der Zuliefererindustrie betroffen. Doch die Bezüge ins Lausitzer Revier sind natürlich größerer Natur – und generell schadet alles, was der Region schadet, auch Bautzen.

Und finden Sie den Pakt als Deal hinreichend?
Ich hatte dazu auch ein Positionspapier verfasst, dafür wurde ich belächelt. Aber ich war ziemlich nah dran, wenn man das Ergebnis sieht. Dort ging ich von 2040 als Ausstiegsdatum aus. Wir müssen auf jeden Fall die Fehler aus dem Ruhrgebiet beim Steinkohleausstieg, dass unter dem Strukturwandel fast kaputt gegangen ist, vermeiden und daraus lernen. Was mir aus unserer Sicht fehlt, sind konkrete Infrastrukturmaßnahmen, vor allem die Elektrifizierung der Strecke Dresden-Görlitz. Sinnvoll wäre auch die Wiederöffnung der Eisenbahnstrecke von Bautzen nach Hoyerswerda. Und auch die massive Auslastung der A4 entwickelt sich ja derzeit zum echten Standortnachteil.

Warum sind Sie in die SPD eingetreten?
Ich bin 2017 wieder eingetreten, weil Politik Bekenntnisse braucht. Aus meiner Sicht lief die Schulz-Kampagne der SPD sowas von daneben: Aus einem großen Europäer hat die SPD in kürzester Zeit einen kleinen Parteisoldaten gemacht, obwohl man mit Europa – wie in Frankreich gezeigt – Wahlen gewinnen kann. Ich empfinde Europa als ein großartiges Projekt und fühle mich mehr als ein Europäer als ein Deutscher. Über das Parteibuch sind nicht alle glücklich, aber ich habe schon damals im Wahlkampf immer wieder betont, ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat zu sein. Das hängt mit meiner Prägung durch Herkunft und Sozialisation zusammen. Ohne die Sozialgesetzgebung unter Helmut Schmidt hätten meine beiden älteren Geschwister und ich niemals studieren können. Ich war auch in den Neunzigern schon mal zehn Jahre lang Genosse.

Warum sind Sie eigentlich ausgetreten?
Die SPD ist generell eine Partei, über die man sich wunderbar aufregen kann. Ich kam 1999 aus China zurück und hatte aufgrund meiner Erfahrung und Fremdsprachenkenntnisse, vor allem Mandarin, meine Mitarbeit im Arbeitskreis Außenpolitik angeboten. Die Genossen speisten mich ab: „Wenn Sie ehemaliger deutscher Botschafter in Jugoslawien wären, dann wären Sie vielleicht interessant für uns.“ Ich sagte mir: „Die müssen hier so überlastet von geeigneten Leuten sein, dass ich in der Partei nichts zu suchen habe.“

Sie haben jetzt Halbzeit der ersten Amtszeit – hatten schon Zeit für eine Zwischenbilanz?
Ja – und wir haben mehr geschafft als gedacht. Zuerst habe ich ein Wahlversprechen umgesetzt: die Straßenbaubeiträge der Anwohner abgeschafft. Dann meinen Dienstwagen, ein teures Leasingauto für achttausend Euro pro Jahr. Die Stelle des Fahrers wanderte in die Stadtverwaltung zu Bildung und Soziales, wo sie am meisten gebraucht wird. Wichtig ist mir aber vor allem die neue Form der Jugendbeteiligung: die „Jugendideenkonferenz“ wird sehr gut angenommen. Aller paar Monate kommen 60 bis 100 Leute zusammen, die erste Maßnahme ist schon umgesetzt. Wir haben einen neuen Jugendtreff eröffnet. Vor meiner Zeit sind da etliche geschlossen worden.

Wie definieren Sie Jugend?
Alle bis 30.

Solisold als Preis des Wohlstandes

Also jene Altersgruppe, die Sie hier behalten müssten, um der Stadt eine Zukunft zu geben?
Jene, denen wir – nach Ausbildung und Studium anderswo – eine coole, lebenswerte Stadt anbieten müssen, die sie nicht langweilt. Dass sie erst einmal weggehen, ist normal. Wir müssen aber Motive schaffen, dass sie zurückkommen wollen. Ich besuche oft Jubilare. Dort zeigt sich das Problem der bundes- oder europaweit verstreuten Familien. Es ist selten, dass jemand all seine Kinder und Enkel hier vor Ort und in Arbeit hat. Da werden solche Feiern logistisch zur Herausforderung.

Sie müssen wissen: Bautzen geht es wirtschaftlich – auch im Vergleich zum Westen – verhältnismäßig gut. Aber es gibt niemanden, der nicht einen hohen Preis dafür bezahlt hat. Dieser Preis, die Zerrissenheit der Familien, wird in Westdeutschland gar nicht gesehen.

Eine Art Solisold?
Im Westen wird immer noch so getan, als ob wir im Osten dankbar sein müssten, obwohl sie ja von unseren Mobilen und Leistungsfähigen in erster Linie profitieren. Das ist eine enorme, aber oft unfreiwillige Lebensleistung, die gar nicht gesehen wird. Dazu kommen die vielen Ungerechtigkeitserfahrungen aus den Neunzigern. Schlaue Ratschläge von westdeutschen Sofas braucht man hier wirklich nicht.

Kann man das ändern?
Es ist müßig. Ich habe immer wieder versucht, ein differenziertes Bild zu zeichnen, weil mir dieses Sachsen- oder Ossi-Bashing wahnsinnig auf die Ketten geht. Denn es ist kurzsichtig, einseitig und falsch. Ich hatte im Jahr 2016 insgesamt 370 Medientermine. In fast jedem kam die Frage: „Was stimmt denn da bei Euch nicht?“ Irgendwann habe ich zurück gefragt: „Wollen Sie mit dieser Frage suggerieren, dass hier schlechtere Menschen als bei Ihnen leben? Das kann doch schon rein statistisch nicht sein“.

Darin liegt der Kern des Problems, denn auch das ist eine rassistische These, da beißt die Maus keinen Faden ab. Schon in der Frage liegt eine Schuldzuweisung, die keinen weiter bringt. Bautzen ist, das zeigen die Fakten, ist ein Musterbeispiel für den Aufschwung Ost. Sobald ich Wirtschaftsdaten, Schulzustände oder Geburtenrate schildere, schlackern den Kollegen aus West wie Ost die Ohren.

Das liegt auch an der Lage als Mittelzentrum, oder?
Ja, aber auch an der Tradition. Denken Sie an den Sechs-Städte-Bund oder 500 Jahre unter böhmischer Krone. Schon bei der ersten Erwähnung im Jahr 1002 war Bautzen ein regionales Zentrum. Drei Meter neben uns beginnt das alte Rathaus aus dem Jahre 1213. Wir sitzen im neuen, in der Größe verdoppelten von 1463 – das ist nicht normal. Die Bautzner sind gewohnt, dass es ihnen gut geht. Aber sie arbeiten hart, bevor sie meckern. In Berlin ist es andersrum.

Was wollen Sie nun in der zweiten Halbzeit der ersten Amtszeit wuppen?
Sie sehen hier das Modell der Burgbrücke zur Ortenburg, das geht wohl auch schneller als gedacht und wird sicher ein Magnet. Dazu kommt eine neue LKW-taugliche Brücke zum Bombardier-Werk samt Zufahrtsstraße für 40-Tonner.

Ihr Vorgänger saß hier 25 Jahre lang – denken Sie schon an eine zweite Amtszeit?
Ja, ich würde gern noch einmal antreten. Das wäre parteilos natürlich wesentlich leichter, das Bürgerbündnis nimmt mir das Bekenntnis zur SPD offenbar übel, was ich nicht verstehe. Aber die Bürger wissen, woran sie sind. Und wenn es nicht wird, ist es auch nicht schlimm, ich bin gut ausgebildet und finde etwas.

Ist Ihnen dabei egal, wie die bevorstehende Stadtratswahl ausgeht?
Vor Ort werden vor allem Persönlichkeiten gewählt, da bin ich frei von Ängsten oder Illusionen. Zudem liebe ich die Konfrontation – und fühle mich wohl in der Bresche. Ich habe keine Parteifunktionen in der SPD, denke lieber selbst und in größeren Linien.

Bei Ihrer Eloquenz und Schlagfertigkeit – sind Sie nicht eigentlich zu schade für Lokalpolitik?
Ach, wieso? Das schadet doch nicht.

Gespräch: Andreas Herrmann
Fotos: (von oben) Alexander Ahrens am Schreibtisch mit knallrotem Parteibuch und altem Fritz am Schreibtisch, Antikriegskunst an der Bürowand und großen Vorhaben für die zweite Halbzeit – eine Fußgängerhängebrücke über die Spree vom Protzschenberg zur Ortenburg. Fotos: Andreas Herrmann

Info
Halbzeitbilanz: www.bautzen.de

 

 

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