Bekanntes und Unbekanntes aus der Moderne

Das Brandenburgische Landesmuseum zeigt an seinen Standorten in Cottbus und Frankfurt (Oder) insgesamt fünf Präsentationen zu ästhetischen und gesellschaftlichen Utopien der 1920er und 30er Jahre. In Cottbus werden drei zeitlich parallel ablaufende Ausstellungen gezeigt. Neben groß- und kleinstädtischen Motiven in der Kunst der neuen Sachlichkeit, stehen Werke von Bauhauskünstler*innen im Fokus, die bisher nur wenig im Mittelpunkt großer öffentlicher Diskurse standen.

Kevin Fuchst, o.T. ehemaliges Amtsgericht Frankfurt (Oder), 2019 Foto: Künstler

Das Bauhaus war wohl eine der einflussreichsten Kunst und Designschulen des 20. Jahrhunderts. Auch wenn die Schule nicht lange bestand, von 1919 – 1933, so definiert die hier entstandene Stilrichtung und Lebensphilosophie doch bis heute die moderne Welt. Im Bauhaus wurde ein neuer Typ von Künstlern ausgebildet: es waren intuitive Gestalter, die offen gegenüber Formen und Farben waren. Es waren Generalisten die die Grenzen zwischen den Disziplinen auflösten. Kunst und Handwerk gingen wieder Hand in Hand. Weiße Architekturen, Licht und Schattenspiele, sowie klare Formen standen
im Fokus.

Die Innenstadt von Tel Aviv ist geprägt durch den Bauhausstil. Künstler wie Wassily Kandinsky, Paul Klee oder Piet Mondrian sind beliebte Vertreter dieses Stils. Ebenso die allseits bekannten Architekten Mies van der Rohe mit seinem Barcelona-Pavillon, Marcel Breuer – wer kennt nicht seine Stahlrohr Stühle – oder Ernst Neufert. Diesem verdanken wir die „Bauentwurfslehre“. Das Papier gewordene Architektenhirn.

Es gibt zahlreiche bekannte Gebäude und Designs dieser Zeit. Doch auch Einiges, dass vielen noch ganz unbekannt ist. Und so manches davon hat sich im schönen Brandenburg ereignet und findet sich nach wie vor hier. Z.B. die Bundesschule Bernau, die übrigens auch Weltkulturerbe ist. Konzipiert wurde sie von Hannes Meyer und Hans Wittwer. Die Juwelen dieser Schule sind wahrscheinlich die lichtdurchflutete Mensa und der Glasgang mit ihren ausgetüftelten Fenstern.

Einer der Bauherren der Bundesschule war Arieh Sharon. Er war mit einer der hierzulande bekanntesten Bauhausfrauen verheiratet. Ihr Name war Gunta Stölzl, die bereits mit 22 Jahren ans Weimarer Bauhaus kam. Dort hat sie die Arbeit der Webereiwerkstatt wie kaum eine andere Frau geprägt. Von ihr stammt zum Beispiel der Bezug des afrikanischen Stuhls.

Eine andere Dame, die ebenfalls für ein Probesemester am Bauhaus war, ist Margarete Heymann Loebenstein.

margarete Heymann-Loebenstein, Deckeldose, Hael-Werkstätten für Künstlerische Kreamik, marwitz, Leihgabe aus Privatbesitz Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Es wird gemunkelt, dass ihre Anwesenheit in der Werkstatt Walter Gropius missfallen hat und sie somit nicht weiter an der Schule bleiben konnte. Das hinderte sie aber nicht daran, dem Werkstoff treu zu bleiben und im brandenburgischen Marwitz, zusammen mit ihrem Mann, die Hael-Werkstätten für Künstlerische Keramik zu eröffnen. Hier entstanden Waren von herausragender handwerklicher Qualität. Leider musste sie sich Anfang der 30 Jahre dem politischen Druck beugen und verkaufte ihre Werkstatt für einen viel zu schmalen Taler. Hedwig Bollhagen übernahm diese und machte daraus die HB Werkstätten für Keramik.

Die Geschichte des Bauhauses und die der Bauhausfrauen ist unglaublich spannend. Wie und ob diese Entdeckungen in den Ausstellungen des DKW veranschaulicht werden, kann man ab dem 26. Oktober im Dieselkraftwerk herausfinden.

Lena Bange

Mehr Infos unter: www.blmk.de

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