Der Geschäftsführer des Cottbuser Stadtsportbundes, Tobias Schick, im  großen hermann-Interview

Derzeit sind im Cottbuser Stadtsportbund mehr als 23.600 organisierte Sportlerinnen und Sportler zusammengeschlossen.  Der Stadtsportbund unterstützt den Breiten- und Leistungssport in allen Altersklassen, wobei er sich in seiner Arbeit besonders dem Amateursport und dem Seniorensport verpflichtet fühlt. Dabei fördert der Stadtsportbund Cottbus e.V. Sport in allen Facetten als gesundheitsbewusste Freizeitgestaltung in Verbindung mit einer gedeihlichen zwischenmenschlichen Kommunikation. Der StSB ist, genau wie seine 145 Mitgliedsvereine, offen für alle sportlich interessierten Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von ihrer Religion, Rasse, Staats- und Parteizugehörigkeit. Einen Einblick in die praktische Arbeit.

Sie haben vor 12 Jahren das Amt des Geschäftsführers als damals 27-Jähriger von der in den Ruhestand verabschiedeten Helga Häberling übernommen. Die Vorgängerin, die jahrzehntelang eine treue, vor allem aber hilfreiche Begleiterin aller Sportler dieser Stadt war, hat doch sicher riesengroße Spuren hinterlassen. Ist es Ihnen gelungen, quasi als Vertreter der übernächsten Generation die Vereine in ähnlicher Qualität weiterzuführen?


Das mögen andere einschätzen. Aber ich muss an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich betonen, dass Helga mir gerade in meiner Anfangszeit eine unverzichtbare Hilfe war. Ob der stets zielführende Kontakt zu den Sportgemeinschaften und deren Vorständen, oder das gesamte Formularwesen, des heute ja Dimensionen angenommen hat, das einen fast verzweifeln lässt, all das hat sie mir in ihrer beispiellosen Hilfsbereitschaft mit auf den Weg gegeben. Bezeichnend dafür ihre Worte am Tag der Übergabe, als sie sagte: „Tobi, wenn Du irgendwelche Ratschläge brauchst, einen Kontakt nicht gleich findest, mit dem Schriftkram nicht klarkommst – melde dich einfach. Ich bin zwar jetzt offiziell raus, vom Herzen aber immer noch enges Mitglied unserer Sportlerfamilie!“ Glücklich war für mich in der damaligen Startphase aber auch, dass ich großartige Begleiter hatte, die total professionell ihre Funktionen besetzt hatten. Peter Prszesding, Günther Jentsch und Wolfgang Neubert, die damals noch im Amt waren, haben mir ja auch jegliche Starthilfe zuteilwerden lassen. Auch dafür bin ich bis heute sehr, sehr dankbar.

Diese lokale Sportlerfamilie war in den Vorwendezeiten unter dem Dach der DTSB-Kreisvorstände zuhause. Kann man den Stadtsportbund, 30 Jahre nach dessen Gründung, noch immer als Nachfolger   bezeichnen?

Ja, klar, anfänglich hat der StSB quasi dieses Erbe angetreten. Allerdings mit erheblichen Veränderungen, weil einfach nicht alle Bausteine zu übernehmen waren. Zum Beispiel die Finanzierung von hauptamtlichen Trainern, die ist nun zu den Fachverbänden oder auch dem Olympiastützpunkt gewechselt. Wir verstehen uns dennoch auch als dem Wettkampfsport verpflichtet. Das heißt,  alle Fragen der Beratung, der Abrechnungen, auch das wichtige Thema der Fördermittel und deren Akquise sehen wir als wichtig an. Und vor allen Dingen widmen wir uns der Nachwuchsgewinnung. Weniger dem Heranführen von Sportlern, vielmehr aber dem großen Thema der Gewinnung und Ausbildung von Übungsleitern.

Sind bei all diesen Unterstützungsarten der Sportverein oder gar der Sportler gegenüber dem Sportbund in der Pflicht der Finanzierung?

Fakt ist zunächst einmal eines: Die Sportlerinnen und Sportler von Vereinen, die bei uns Mitglied sind, genießen einen Versicherungsschutz. Natürlich auch die Übungsleiter.  Dazu muss man sagen, dass allein die Mitgliedschaft in einem eingetragenen Verein nicht dazu ausreicht, sondern es muss dann schon der Verein im Landessportbund und bei uns Mitglied sein, um in den Genuss des Versicherungsschutzes zu kommen. Pro Mitglied und Jahr sind dafür zwei Euro an den StSB und acht Euro an den LSB zu zahlen. Was aber Sache der Vereine ist, die diese Zahlungspflicht aus den eingegangenen Mitgliedsbeiträgen tätigen.

Unterstützung durch den Stadtsportbund erfahren die Vereine ja auch regelmäßig bei der Ausrichtung von Veranstaltungen. Die Vereine haben den Willen, diese auszurichten, ihr aber verfügt über jahrelang gewachsene Erfahrungswerte. Kennen inzwischen alle Vereine  eure Hilfsbereitschaft?

Oh doch, ich denke schon. Wir sind bei vielen kleinen und großen Sport- und auch vielen städtischen Veranstaltungen dabei. Zum Beispiel hat der Fechtsportclub die Ausrichtung einer Deutschen Meisterschaft 2020 im Visier. Den Wunsch kennen wir und machen uns demzufolge daran, eine Wettkampfstätte auszuwählen und gegebenenfalls diese langfristig zu binden. Dann können wir die Beantragung der städtischen Fördermittel begleiten,  wohl wissend, dass eben solche überregionalen Veranstaltungen der Außendarstellung unserer Stadt guttun. Und wir zeigen auch Wege in Sachen Sponsoring auf, ohne die so große Events einfach nicht machbar sind. Dazu passt auch unsere Idee, Cottbus als Austragungsort der Behinderten-DM 2021 in der Sportart Fußball stark zu machen. Gemeinsam mit dem Behindertensportverband und einem emsigen Landestrainer Lars Mrosko sollte uns das gelingen.

Trainer Rainer Krik mit Top-Talent Marie Scheppan vom LC Cottbus.

Trainer Rainer Krik mit Top-Talent Marie Scheppan vom LC Cottbus.

Auch diese Veranstaltung kann finanziell kein Selbstläufer sein, Unterstützung ist auch dafür nötig

Völlig klar, aber ich will hier mal ausdrücklich nennen, dass es sich immer nur um Zuschüsse handelt. Die dann aber auch nachweislich dem Gelingen der Veranstaltung selbst zugutekommen müssen.

Konkret werden eben Medaillen, Urkunden, Helferkosten und solche Dinge unterstützt, nicht aber das Abschlussessen nach der Veranstaltung, zu dem man sich Tage nach dem Event im Vereinsheim trifft. Aber das wissen die Vereine inzwischen auch, und entsprechend wird der Zuschuss aus den Mitteln der Stadt, des Landes oder eben auch mal der Euroregion für die genannten seriösen Dinge rund um die Veranstaltung beantragt. Wobei wir in der Hinsicht auch eine gewisse Sorge haben.

Wollen wir auch darüber reden?

Müssen wir sogar, denn uns begleitet mehr und mehr ein Generationsproblem, was diese Sorgen hervorruft. Es geht um die Übernahme von Verantwortungen in den Vereinen. Viele Vorstände und Vorsitzendenstellen der Vereine sind mit Personen besetzt, die diese Ehrenämter über Jahrzehnte ausüben. Von denen hören hören wir oft, dass sie schon längst ihre Funktion niedergelegt hätten, wenn sie doch endlich adäquaten Ersatz hätten. Wir kennen alle diese so genannten „Macher“, die unverzichtbar mit dem Namen des Vereins verbunden sind. Dieter Pumpa bei den Sielower Pferdesportlern, Uli Hobeck beim LC Cottbus oder Eberhard Pöschke beim RK Endspurt, um einige markante Beispiele zu nennen. Die dahinter folgende Generation der 40- bis 60-Jährigen ist aus verschiedenen Gründen nicht so sehr präsent, weil diese Gruppe im Zuge der Wende jung an Jahren war, sich beruflich umorientieren musste, auch die Familienplanung hat Raum und Zeit abverlangt. Etwas besser ist es bei den heute ganz jungen Leuten, die längst ihren Platz gefunden haben. Nun sollte aber im Interesse des Fortbestandes der Vereine und derer Gremien gerade diese junge Generation umfassend in die Funktionärsarbeit einbezogen werden, damit diese in absehbarer Zeit Führungsaufgaben übernehmen kann. Natürlich gern auch mit unserer Hilfe. Übrigens trifft diese Feststellung grundsätzlich auf die Gesamtheit unserer Gesellschaft zu.

Wie steht es aktuell um die wirtschaftliche Unterstützung der Sportlerfamilie?

Nicht so schlecht, glaube ich einschätzen zu können. Weil durch den doch recht hohen Organisierungsgrad, jeder Vierte aller Cottbuser ist in einem Sportverein unterwegs, es überall Querverbindungen zur Wirtschaft gibt, also auch zu den Unterstützern  in der großen und mittleren Unternehmerschaft. So gibt es aus der Belegschaft oder durch verwandtschaftliche Bindungen  überall Verbindungen zum Sport, und genau auch darum ist die Bereitschaft zu helfen doch recht groß.

Mitgliederversammlung des Stadtsportbund Cottbus.

Mitgliederversammlung des Stadtsportbund Cottbus.

Über das Hier und Jetzt haben wir gesprochen, schauen wir nun aber bewusst nach vorn. Bei allem Respekt und jeder Anerkennung für die Wassersportler des ESV Lok Cottbus oder für die Aktivitäten der aktuellen Segelvereine wird sich der Wassersport in all seinen Facetten mittelfristig durch den Ostsee und dessen Möglichkeiten, Sport zu treiben, schon deutlich in Richtung Osten verlagern. Wie weit sind denn die Planungen aus Sicht des Stadtsportbundes vorangekommen?

Bekanntlich gibt es ja seit knapp drei Jahren den Cottbuser Ostsee- Sportverein, kurz COS. In dem sich Macher zusammengefunden haben, die für das Projekt des künftigen Naherholungszentrums regelrecht brennen. Natürlich sind vor allem die Einwohner der Anrainerorte mit Feuereifer dabei. Eine Reihe von Veranstaltungen konnten wir ja in unmittelbarer Nähe des künftigen Ufers postieren. Wie im Vormonat den Ostsee-Triathlon des TSV Cottbus, der am Mauster Kiessee gestartet wurde. Wir haben in Zusammenarbeit mit der SG Willmersdorf auf dem dortigen Sportplatz im Vorjahr eine Beachvolleyballanlage aufgebaut. Auf der Schlichower Höhe, mit direkter Sicht zum noch leeren Seegebiet, sind Geräte zur körperlichen Ertüchtigung installiert worden. Auch wieder mit der Unterstützung von Sponsoren, die sich für das Thema begeistern ließen. All dies sind Dinge, die zeigen, dass schon jetzt dieser riesige Zuwachs an sportlichen Möglichkeiten begonnen hat. Und es geht ja weiter, wir müssen dabei ja auch stets die Sinnhaftigkeit im Auge haben.

Sieht sich der Ostseesportverein als Bestimmer über all das, was sich für die künftigen Nutzungsarten in Planung befindet?

Um Himmels willen, nein. Ganz im Gegenteil. Wir als Stadtsportbund waren von Anfang an um ein gedeihliches Miteinander bemüht und haben dies mit Sorgfalt forciert. So hatten wir damals schon angestrebt, dass Vertreter, oft auch Vorsitzende der dort etablierten Sportvereine, ganz eng beieinander sind und sogar in den Vorstand des neuen Vereins aufgenommen werden. Aber auch Vertreter der schon länger etablierten Vereine, wie Lok RAW, die DLRG oder die Cottbuser Parkläufer, sind im neuen Verein. Und ich kann heute feststellen, dass dieses Konstrukt absolut sinnvoll ist. Ich will das Beispiel von Vorstandsmitglied Hubert Mader aus Willmersdorf nennen. Der ist in seinem Verein für die Abteilung SkaLaWaRa zuständig und trotz seines Ruhestandsalters ein absoluter Fanatiker des Ostsees. Inzwischen fragen schon Schulen bei ihm an und bitten ihn darum, vor Ort inhaltliche Dinge zu erfahren. Die sagen, dass sie interessiert sind, aber noch zu wenig über die aktuellen Abläufe und die Zeitachsen wissen. So erfüllt der Sport auch die Funktion der Informations- und Heimatkundevermittlung, in diesem Fall für Lehrer und Schüler. Und genau auch dafür stehen unsere Vereine. Aber auch wir als Stadtsportbund, der diese Dinge in Sachen Außenwirkung des Sports für ungemein wichtig hält,  sehen die Dinge so.

Stadtsportbundmitglied Dr.Carola Wiesner leitet Senioren an.

Stadtsportbundmitglied Dr.Carola Wiesner leitet Senioren an.

Es ist doch aber dennoch sicher schwer, ehrliche Vorfreude zu schüren, zumal der Tag des ersten Eintauchens in die Fluten ja noch sehr weit weg ist. Welche Möglichkeiten sieht so ein Stadtsportbund, echte Vorfreude genauso zu schüren, wie den Spaß an den aktuellen „Trockenübungen“ zu vermitteln?

Ganz richtig, dass wir uns jetzt um Dinge bemühen müssen, die mit unserem See zu tun haben, wenngleich es ihn weder zum Baden noch zum Besegeln gibt und wir noch ein gut Stück Geduld haben müssen. Dennoch muss all das interessant sein, speziell für die Kinder, die ja bekanntlich die Ungeduldigsten sind. Also werden wir zum Beispiel noch in diesem Sommer ein Boot besorgen, das freilich noch an Land liegen muss. Aber damit wollen wir dennoch zeigen, wie man zum Beispiel ein Segel setzt und wie man es in den Wind lenkt. Wir werden in dem Zusammenhang auch das Thema Seefahrtsknoten auf den Plan rufen. Die Kinder sollen dabei erfahren, dass es ja unendlich viele solcher Arten von Knoten gibt, und sie sollen auch lernen, wie man diese knüpft.

Wir haben mit dem RSC Cottbus und dem RK Endspurt 09 zwei Vereine, die große sportliche Erfolge feiern und die Besucher mit tollen Sportveranstaltungen begeistern. Gehört die Unterstützung für das touristische Radeln auch in den Aufgabenbereich des Stadtsportbundes?

Wenngleich wir ja die großen und allseits bekannten Touren wie das Frühlings- und das Herbstradeln auch unterstützen, sind wir für familiäre Radwanderungen nicht zuständig. Was wir aber durchaus anschieben und mit viel Druck unterstützen, hat mit dem Thema Qualität und Ausbau von Radwegen zu tun. Wenn wir die Stadt um den Spreewald und den Ostsee verbinden wollen, brauchen wir neue und vor allem breite Radwege. Alles andere ist sinnlos. Wenn wir von einem Radweg reden, der beispielswiese den See säumt, dann muss der eben über eine zukunftsorientierte Breite verfügen, die dann eben auch das gefahrlose Miteinander der Radler, E-Bike-Radler und Skater sichert.  In dem Zusammenhang muss ich jetzt mal politisch werden, weil ja die Strukturhilfe und das Ostsee-Projekt von allen Entscheidungsträgern in Bund, Ländern und Kommunen zugesagt worden ist. Dabei sind die sogenannten Ankerpunkte wichtig, die mit Sport zu tun haben, aber eben auch mit Treffpunkten vor der Haustür, wo man sich begegnet und das möglichst schon jetzt. Nicht erst dann, wenn die ersten Sonnenschirme am Ufer stehen. Auch das zu forcieren, sehen wir als unsere Aufgabe an.

Ich erinnere mich, dass vor rund zwei Jahren die alljährliche städtische Zuwendung für den Sport nach langen Diskussionen um 50.000 Euro gestiegen ist. Konnten damit alle Löcher gestopft werden, oder stehen demnächst ähnliche Bittstellungen ins Haus?

Erst einmal sind wir dankbar, dass es am Ende diese Entscheidung gab. Die nötig war, so gefällt zu werden. Die Mitgliederzahl steigt, die  Menge der Vereine, die Vielfalt der Abteilungen haben sich erhöht, da war ein Zuschuss wirklich mehr als notwendig. Sehr gut könnten wir eine weitere solche Zuwendung gebrauchen. Aber wir sind Realisten: die Lobby für die Kultur ist in Cottbus einfach stärker ausgeprägt. Der Sport fängt wirklich sehr viel über das Ehrenamt ab. Ohne dieses wär die Lage in den Sportvereinen und damit unserer Gemeinschaft mitunter schon sehr bescheiden … .

Interview: Georg Zielonkowski

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